In kaum einem anderen Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe hat sich in den vergangenen Jahren eine derartige Dynamik und Veränderung beobachten lassen wie in dem der Kindertagesbetreuung. Bundesweit stehen der Ausbau und die Weiterentwicklung der Angebote frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung ganz oben auf der fachpolitischen und -praktischen Agenda. Hierbei steht das Kita-System vor enormen Herausforderungen: Es gilt, dem weiterhin steigenden Betreuungsbedarf der Familien Rechnung zu tragen und dieses System mit der Schaffung neuer Angebote auszuweiten sowie den Zugang zu verbessern. Gleichzeitig fehlen vielerorts qualifizierte Fachkräfte, um eine solche Systemausweitung überhaupt leisten zu können. Es sind weitere gemeinsame Kraftanstrengungen der involvierten Steuerungsebenen von Bund, Ländern und Kommunen notwendig, um eine nachhaltige Weiterentwicklung des Systems voranzutreiben. Dabei geht es u.a. um die Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen im Kita-System als einer der zentralen Grundlagen für die dort geleistete pädagogische Arbeit. Notwendig sind solche Verbesserungen vor allem auch, weil der Besuch einer Kindertageseinrichtung oder der Kindertagespflege in den vergangenen Jahren für eine zunehmende Anzahl von jungen Kindern zu einem festen Bestandteil ihres Aufwachsens geworden ist.

Träger der Kindertagesbetreuung

Plätze in der Kindertagesbetreuung werden in Deutschland über sogenannte Trägerschaften angeboten. Dabei wird zwischen öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe unterschieden: Öffentliche Träger sind staatliche Verwaltungseinrichtungen (z.B. Jugendämter oder Landesjugendämter), freie Träger sind häufig eingetragene oder nicht eingetragene Vereine, Verbände, Organisationen, Gesellschaften oder Unternehmen. Bei den freien Trägern unterscheidet man zwischen privat-gemeinnützigen und privat-nichtgemeinnützigen Trägern.

Auf der kommunalen Ebene übernimmt das Jugendamt die öffentliche Trägerschaft. Als überörtlichen öffentlichen Träger, der die Aufsicht über die Träger von Tageseinrichtungen hat, schreibt das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Landesjugendämter vor (vgl. § 69 SGB VIII).

Unter den freien bzw. privat-gemeinnützigen Trägern bilden Kirchen-, Wohlfahrts- und Jugendverbände die große Mehrheit. Insbesondere in Westdeutschland sind auch Elterninitiativen oder Elternvereine als freie Träger tätig. Die Motive der Eltern für die Gründung einer solchen, selbst verwalteten Einrichtung, sind unterschiedlich, z.B. aufgrund fehlender Kinderbetreuungsangebote, Unzufriedenheit mit dem bestehenden Angebot oder dem Wunsch, dieses Angebot aktiv mitzugestalten. Privat-nichtgemeinnützige Organisationen stellen unter den freien Trägern der Kindertagesbetreuung die Minderheit dar.

Das Subsidiaritätsprinzip, das zu den wichtigsten Grundprinzipien der bundesdeutschen Kinder- und Jugendhilfe zählt, bestimmt das Verhältnis von öffentlichen und freien Trägern. So schreibt § 74 SGB VIII vor, dass freien Trägern bei der Angebotsschaffung Vorrang vor den öffentlichen einzuräumen ist. Öffentliche Träger sollen erst tätig werden, wenn der bestehende Bedarf von freien Trägern nicht gedeckt werden kann (vgl. § 4 SGB VIII). Die Mehrzahl der Betreuungsangebote liegt in der Hand freier Träger.

Freie und öffentliche Träger sind zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei der Bereitstellung von Angeboten angehalten (vgl. § 4 Abs. 1 SGB VIII). Dabei obliegt den öffentlichen Trägern die Gesamt- und Planungsverantwortung für die Angebote und Aufgaben, mit dem Ziel, rechtzeitig ein umfassendes und bedarfsgerechtes Angebot zur Verfügung zu stellen. Die freien Träger werden mit der Wahrnehmung der Aufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe beauftragt. Das heißt, sie tragen die Verantwortung für ihre Angebote bzw. deren Umsetzung sowie für die von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erbrachten Leistungen.

Neben dem Subsidiaritätsprinzip prägt das Prinzip der Vielfalt von Angeboten und Anbietern in der Kinder- und Jugendhilfe das Betreuungssystem in Deutschland. Dieses Prinzip beruht auf dem gesetzlich verankerten Wunsch- und Wahlrecht der Eltern (vgl. § 5 SGB VIII): Eltern soll ein vielfältiges, plurales Angebot bereitgestellt werden, damit diese zwischen verschiedenen Trägern, Einrichtungen und pädagogischen Konzepten ein für sie passendes Angebot auswählen können.

Der allgemeinverbindliche Förderauftrag im bundesdeutschen Betreuungssystem

Der Gesetzgeber hat allgemeinverbindliche Ziele für die öffentliche Kindertagesbetreuung festgeschrieben. So sollen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz:

  1. "die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern,
  2. die Erziehung und Bildung in der Familie unterstützen und ergänzen,
  3. den Eltern dabei helfen, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können" (vgl. § 22 Abs.2 SGB VIII).

Die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und der Kindertagespflege dient somit auf der einen Seite der Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern. Auf der anderen Seite sollen Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden (vgl. § 22 Abs.3 SGB VIII).

Mit der Trias der Betreuung, Bildung und Erziehung des Kindes wird ein ganzheitlich orientierter Förderauftrag verfolgt. Dieser ist geprägt von den Traditionen der frühpädagogischen Forschung und Praxis. Bildung wird hier nicht im schulischen Sinne verstanden, sondern als aktive Aneignung der Welt, der Kultur etc. Diese soll durch Alltagssituationen und Förder- und Lernangebote angeregt, begleitet und unterstützt werden. Unter Erziehung werden alle Verhaltensweisen und Aktivitäten von Erwachsenen im verantwortlichen Umgang mit Kindern gefasst. Der Begriff der Betreuung beinhaltet die Versorgung, Pflege und Fürsorge der Kinder.

Der Fokus auf Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern markiert im internationalen Vergleich die Spezifik und die Stärke des Förderauftrages von Tageseinrichtungen und Kindertagespflege in Deutschland. So hob die OECD diesen ganzheitlich orientierten pädagogischen Ansatz als Besonderheit hervor (OECD-Country Note 2004).

Die Kindertagesbetreuung wird in Deutschland als Teil der öffentlichen Fürsorge verstanden, für den eine geteilte Verantwortung zwischen Bund, Bundesländern und Kommunen gilt.

Dem Bund obliegt die Kompetenz für eine Rahmengesetzgebung, in der allgemeinverbindliche Ziele und Grundsätze festgeschrieben sind. Diese finden sich im Sozialgesetzbuch – Achtes Buch – Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII).

Auf Ebene der Bundesländer werden die Verpflichtungen, die sich aus der bundesgesetzlich geregelten Kinder- und Jugendhilfe ergeben, durch Ausführungsgesetze zum SGB VIII konkretisiert und geregelt (vgl. § 26 SGB VIII). In allen 16 Bundesländern gibt es landesspezifische Gesetze oder Verordnungen, die Regelungen für die Kindertagesbetreuung beinhalten (z.B. das Kindertagesförderungsgesetz – KitaFöG in Berlin). Festgelegt werden hier Aufgaben und Ziele der Kindertagesbetreuung, die Bedarfsplanung oder der Bau, die Raumausstattung und Organisation von Kindertageseinrichtungen. Die Regelungen, beispielsweise zum Personalschlüssel oder zu Raumgrößen, unterscheiden sich teils stark zwischen den Ländern. Ein Überblick und detaillierte Informationen zu den Landesgesetzen finden sich auf dem Deutschen Bildungsserver.

Die Kommunen bzw. Gemeinden sind verantwortlich für die Planung, Durchführung und für den überwiegenden Teil der Finanzierung von Angeboten der Kindertagesbetreuung.

Diese geteilte Verantwortung für die Kindertagesbetreuung basiert auf der Idee der Dezentralität. Dabei geht es im Wesentlichen darum, die Verantwortung und Selbständigkeit der jeweils kleineren staatlichen Einheit bzw. des Einzelnen zu stärken und eine staatliche Bevormundung zu vermeiden.

Mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) von 2005 und dem Kinderförderungsgesetz (KiföG ) von 2008 hat der Bund in den letzten Jahren den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung vorangetrieben. Zentral ist insbesondere die Erweiterung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.

Auch nach den Föderalismusreformen I und II bleibt der Bund im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz für die Kinder- und Jugendhilfe als Teilbereich der öffentlichen Fürsorge zuständig (vgl. Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG).

 

Weitere Informationen zu frühkindlicher Bildung in Deutschland sind in einem umfangreichen Dossier auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen.