Das Jahr 2020 war durch die Corona-Pandemie charakterisiert. Diese hatte auch starke Auswirkungen auf die Kinderbetreuung. Nichtsdestoweniger wünschten sich genauso viele Eltern einen Platz in der Kindertagesbetreuung für ihr unter dreijähriges Kind wie im Jahr 2019, nämlich mit 49% fast die Hälfte. Weitere interessante Ergebnisse und Auswertungen finden Sie auf der rechten Seite unter dem Link „Publikationen“ sowie weiter unten auf dieser Seite unter dem Reiter „Ergebnisse“.

Seit 2016 wird die Betreuung von Kindern im Rahmen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) – gefördert vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) – untersucht. Das Projekt setzt damit eine Tradition des Deutschen Jugendinstituts fort, denn das Thema begleitet das DJI seit langem.

Informationen für Befragte →

KiBS nimmt dabei Kinder verschiedener Altersgruppen in den Blick. So wurden in den ersten beiden KiBS-Befragungen (2016 und 2017) noch Eltern von Kindern aus vier Altersgruppen (U3-Kinder, U6-Kinder, Grundschulkinder und Schulkinder der Sekundarstufe I bis unter 15 Jahren) befragt. Ab 2018 erfolgte eine Einschränkung des Altersspektrums auf Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit, d.h. in den meisten Bundesländern bis zum Ende der vierten, in Berlin und Brandenburg bis zum Ende der sechsten Klasse. Die jährlich durchgeführte bundeslandrepräsentative Elternbefragung ist deutschlandweit die größte ihrer Art im fokussierten Altersbereich. Jedes Jahr werden ca. 33.000 Eltern befragt. KiBS hat sich zu einem aktuellen, verlässlichen und flexiblen Instrument zur Beobachtung der Situation der Kindertagesbetreuung in Deutschland aus Elternsicht entwickelt.

Projektflyer
Mithilfe der KiBS-Daten werden regelmäßig indikatorengestützte Berichte zur Entwicklung der elterlichen Bedarfe und der in Anspruch genommenen Betreuungsarrangements vorgelegt (z.B. die vom BMFSFJ herausgegebene Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“, die den Elternbedarf der Inanspruchnahmequote in der amtlichen Statistik gegenüberstellt). Daneben fließen die KiBS-Daten in weitere regelmäßige und einmalige Berichtslegungsformate ein (wie z.B. den Bildungsbericht oder den Kinder- und Jugendmigrationsreport). Die jährliche KiBS-Befragung erhebt nicht nur die Daten für die im Trendvergleich zu berichtenden Kernindikatoren, sondern setzt darüber hinaus wechselnde Themenschwerpunkte oder nimmt inhaltliche Ergänzungen der Studie vor, je nach aktueller Situation oder gesellschaftlichem Diskurs.

Die wichtigste Veröffentlichung des Projektes ist der jährlich erscheinende DJI-Kinderbetreuungsreport (zu finden im Reiter „Ergebnisse“ oder unter „Publikationen“ auf der rechten Seite).

 

Untersucht werden unter anderem folgende Themen aus der Elternperspektive:

  • Die aktuelle Betreuungssituation, einschließlich informeller Betreuungsarrangements
  • Die Betreuungsbedarfe (Umfang, Zeiten, gewünschte Betreuungsformen)
  • Bestehende Betreuungslücken
  • Die Zufriedenheit mit dem genutzten Angebot
  • Die Umsetzung von Qualitätsmerkmalen der genutzten Betreuung
  • Die Gründe der Nichtinanspruchnahme von Kindertagesbetreuung
  • Schwierigkeiten mit der Organisation der Betreuung
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Regionale Disparitäten
  • Bestimmungsfaktoren des Betreuungsbedarfs und der Nutzung von Kindertagesbetreuung
  • Untersuchung der Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf die Kinderbetreuung

Zielpopulation und Auswahlgesamtheit

Ziel von KiBS ist es, bundesweit sowie für alle Bundesländer die elterlichen Betreuungsbedarfe sowie die Betreuungssituation von Kindern bis zum Ende des Grundschulalters zu berichten. Die Zielpopulation von KiBS sind daher Kinder ab der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit; Auskunftgebend ist ein Elternteil. Für die meisten Bundesländer bedeutet diese Populationsdefinition, dass Kinder unter elf Jahren berücksichtigt werden (bundesweit gibt es ca. 8 Millionen Kinder in diesem Alter).

Um eine bundesweit sowie bundeslandspezifisch repräsentative Stichprobe zu erreichen, baut KiBS auf einer Zufallsauswahl von Kindern in der Zielaltersspanne auf. Das Vorgehen zur Erreichung dieser Zufallsauswahl ist zweistufig. Zunächst werden in einem ersten Schritt aus der Liste von Städten und Gemeinden in Deutschland zufällig 400 Gemeinden ausgewählt. Anschließend werden in einem zweiten Schritt aus den Einwohnermelderegistern dieser Gemeinden zufällig Kinder mit Erstwohnsitz in der jeweiligen Gemeinde gezogen. Kinder, die nicht im Einwohnermelderegister erfasst wurden, sind nicht Teil der Auswahlgesamtheit. Diese Gruppe ist in Deutschland üblicherweise sehr klein.

Dieses Vorgehen erlaubt theoretisch eine echte Zufallsauswahl von Kindern in der Zielaltersspanne. In der Realität existieren jedoch praktische Hindernisse, die zu leichten Verzerrungen in der Zufallsauswahl führen. Aus verschiedenen Gründen (Details lassen sich in Studie 8 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2020 nachlesen) kommt es zu etwas geringeren Ziehungswahrscheinlichkeiten für bestimmte Kindergruppen. KiBS zieht de facto eine Stichprobe aus den Einwohnermelderegistern von Kindern im Alter von drei Monaten bis zu zehn Jahren.

 

Einsatzstichprobe

Damit KiBS die große Diversität unterschiedlicher Betreuungskonstellationen in ganz Deutschland abbilden kann, werden Familien in 400 Gemeinden in die Befragung einbezogen. Hierfür wurden in der KiBS-Welle 2016 insgesamt 330 Gemeinden nach Anlegen eines Länderstratums zufällig ausgewählt. 2018 wurde die Stichprobe um weitere 70 Gemeinden aufgestockt, die in den drei flächenmäßig größten Bundesländern (Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg) unter allen Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern zufällig gezogen wurden. Damit sollte v.a. eine bessere Abdeckung der ländlichen Regionen gewährleistet werden.

In diesen Gemeinden wurde in einem zweiten Schritt eine zufällige Auswahl von Personen für die Befragung getroffen. Je Bundesland sollten die Eltern von 800 unter dreijährigen Kindern sowie die Eltern von je 500 drei- bis unter sechsjährigen und je 750 sechs- bis unter elfjährigen Kindern befragt werden. Nur in Berlin und Brandenburg wurde die letztere Gruppe auf unter Zwölfjährige ausgeweitet, da in diesen Bundesländern die Grundschule auf sechs Jahre erweitert ist. Insgesamt sollten also ((500 + 750 + 800) * 16 = ) 32.800 Eltern zur Betreuung ihrer Kinder befragt werden. Diese Stichprobe setzt sich dabei aus zwei Teilen, einem Panel- und einem Auffrischungsanteil zusammen (Details hierzu befinden sich in Studie 8 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2020). Seit der Erhebungswelle 2021 setzen sich die Fallzahlen anders zusammen. Details hierzu können auf der Seite www.dji.de/KiBS_21-23 unter dem Reiter „Konzeption und methodisches Vorgehen“ nachgelesen werden.

Weitere eigene Veröffentlichungen auf der Basis unserer jährlichen, bundeslandrepräsentativen Elternbefragung finden Sie auf der rechten Seite unter dem Link „Publikationen“

Um die Ergebnisse schneller verfügbar und die einzelnen Themenbereiche leichter zugänglich zu machen, wechselt der DJI-Kinderbetreuungsreport mit der Ausgabe 2020 sein Format und erscheint als Serie thematisch fokussierter Einzeldokumente.

 

DJI-Kinderbetreuungsreport

 

Kindertagesbetreuung Kompakt

Andere Veröffentlichungen:

Interaktive Karten: frühe-chancen.de

 

Berichte der KiföG-Evaluation mit Ergebnissen der Elternbefragung und der KiföG-Länderstudie

Seit vielen Jahren untersucht das Deutsche Jugendinstitut – gefördert vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) – die Betreuung von Kindern. Bereits 2004-2005 beschrieb das DJI die Betreuungssituation von Familien mit Kindern vor dem Schuleintritt  auf der Basis der DJI-Kinderbetreuungsstudie 2005, der ersten bundesweiten Elternbefragung zu diesem Thema. Um die soziale Chancengerechtigkeit zu vergrößern, Kinder frühestmöglich zu fördern und um Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, wurde 2008 das Kinderförderungsgesetz (KiföG) verabschiedet, das einen allgemeinen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung für ein- und zweijährige Kinder ab August 2013 festlegte. Die als Zusatzerhebungen zu AID:A konzipierte Elternbefragung sowie die KiföG-Länderstudie waren Teil der KiföG-Evaluation, die zwischen 2009 und 2015 stattfand. Hierbei begleitete das DJI den Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige (U3), indem es die Elternperspektive mithilfe jährlicher Befragungen abbildete und u.a. den elterlichen Betreuungsbedarf erhob, an dem sich der bundesweite Ausbau mit orientierte.

Seit 2016 firmiert das Projekt unter dem Namen DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) und schließt damit direkt an das bis dahin durchgeführte KiföG-Monitoring an. KiBS nimmt mehrere Altersgruppen in den Blick: neben U3- auch Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt (U6) sowie Grundschulkinder (GS). In den Jahren 2016 und 2017 war das Altersspektrum noch umfassender: es wurden zusätzlich Eltern von Kindern, die die Sekundarstufe I besuchen und bis unter 15 Jahre alt waren, befragt. Im Zentrum der Berichterstattung steht dabei der elterliche Bedarf an Betreuung für ihre Kinder. Dieser ermöglicht eine bedarfsorientierte Abschätzung des weiterhin notwendigen Platzausbaus, also der Nachfrageseite. Er variiert stark über verschiedene Regionen, die Zeit und Elterngruppen hinweg, weshalb ein regelmäßiges, präzises Monitoring notwendig ist, um die Ausbaubemühungen gezielt steuern zu können.

Falls Sie Interesse an der Nutzung der KiBS-Daten haben, wenden Sie sich bitte an das Forschungsdatenzentrum.

Mitte März 2020 fand aufgrund der Corona-Pandemie eine flächendeckende Schließung fast aller Betreuungseinrichtungen statt, die viele Wochen andauerte. Die Eltern waren in dieser Zeit zumeist vollständig alleine für die Betreuung ihrer Kinder verantwortlich. Seit dem Sommer wurden die Kinder nach und nach wieder institutionell betreut. Es gilt der sogenannte – eingeschränkte oder vollständige – Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen verbunden mit einer reduzierten Verlässlichkeit des Betreuungsangebots, da Verdachtsfälle oder bestätigte Corona-Infektionen jederzeit und sofort zum Ausschluss von Kindern aus der Betreuung oder zur vollständigen Schließung einzelner Gruppen oder gar der gesamten Einrichtung führen können. Der Normalzustand, den KiBS üblicherweise erhebt, wurde fast vollständig außerstand gesetzt. Dies belegen erste Auswertungen der KiBS-Daten von 2020 eindrücklich.

Die Corona-KiTa-Studie setzt genau hier an und wird im Verlaufe der nächsten Monate wiederholte Online-Befragungen durchführen, um die Organisation der Kinderbetreuung in dieser außergewöhnlichen Zeit abbilden und unser Wissen zu dieser wichtigen Thematik erweitern zu können. Ebenfalls erforscht die Studie die Entwicklung der Lebenssituation und die Bewältigung des Alltags von Familien mit Nichtschulkindern unter Pandemiebedingungen sowie Maßnahmen zur Prävention. Mehr Informationen zur Corona-KiTa-Studie erhalten Sie hier:

https://corona-kita-studie.de/

Erste Ergebnisse zu Aspekten der Kindertagesbetreuung finden Sie hier und zum Stimmungsbild von Familien mit Kindern hier.

Bei Fragen, Anmerkungen oder Anregungen wenden Sie sich bitte an kibs@dji.de.

 

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2020): Bildung in Deutschland 2020: Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Ana­lyse zu Bildung in einer digitalisierten Welt. Bielefeld: wbv.

Bien, Walter/ Rauschenbach, Thomas/ Riedel, Birgit (Hrsg.) (2006): Wer betreut Deutschlands Kinder? DJI-Kinderbetreuungsstudie. Weinheim und Basel: Beltz.

Busse, Anna/Gathmann, Christina (2018): Free Daycare and Its Effects on Children and Their Families. IZA Discussion Paper 11269.

Camehl, Georg/Peter, Frauke H. (2017): Je höher die Kita-Qualität, desto prosozialer das Verhalten von Kindern. DIW-Wochenbericht, 84. Jahrgang, H. 51/52, S. 1197-1204.

Jessen, Jonas/ Schmitz, Sophia/ Spieß, C. Katharina/ Waights, Sevrin (2018): Kita-Besuch hängt trotz ausgeweitetem Rechtsanspruch noch immer vom Familienhintergrund ab. DIW-Wochenbericht 38/2018, S. 825-836.

Jessen, Jonas/ Schmitz, Sophia/ Waights, Sevrin (2019): Understanding Day Care Enrolment Gaps. DIW Discussion Papers 1808, https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.635046.de

Lochner, Susanne/Jähnert, Alexandra (Hrsg.) (2020): DJI­-Kinder­- und Jugendmigrationsreport 2020. München: DJI.

Menne, Klaus (2015): Betreuungsumfang-Teil 1. Eine vernachlässigte Dimension der Krippenerziehung. Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, H. 7, S. 256-261.

Menne, Klaus (2015): Betreuungsumfang-Teil 2. Eine vernachlässigte Dimension der Krippenerziehung. Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, H. 8, S. 296-302.

Münder, Johannes (2017): Bedarfsdeckende Förderung und Betreuung für Grundschulkinder durch Schaffung eines Rechtsanspruchs. Berlin.

Roth, Tobias/ Klein, Oliver (2018): Effekte politischer Reformen auf die außerfamiliäre frühkindliche Betreuungsbeteiligung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.  Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 70. Jg., H. 3, S. 449–467.

Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München
Sekretariat
Martina Speier
+49 89 62306-233

Bisherige Phasen des Projekts