Kindliche Lebenswelten
Zur Rolle von Familie in der Kindheit
Wie hängen gesundheitliche Entwicklungen und familiale Beziehungen im Aufwachsen von Kindern in Deutschland zusammen? Dieses Projekt widmet sich genau diese Frage und untersucht, welche Bedingungen das körperliche und psychische Wohlbefinden von Kindern prägen und wie Familien als zentrale Sozialisationsorte darauf einwirken.
Im Mittelpunkt steht die systematische Untersuchung von Entwicklungsverläufen und sozialen Kontexten, die Kinder und ihre familialen Lebenswelten beeinflussen. Das Projekt trägt dazu bei, Forschungslücken insbesondere in den Bereichen psychische Gesundheit von Kindern, Einsamkeitserleben sowie familiale Beziehungsmuster zu schließen und mit empirischen Erkenntnissen einen Beitrag dazu zu leisten, die Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern in Deutschland besser zu verstehen.
Das Projekt verfolgt zwei eng miteinander verbundene Leitfragen, die gemeinsam ein umfassendes Bild kindlicher Lebenswelten ermöglichen. Der erste Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit der körperlichen und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Besonders im Fokus stehen die Entwicklungen während und nach der COVID-19-Pandemie: Welche Kinder waren besonders von Verhaltensauffälligkeiten betroffen, und welche Faktoren, etwa Geschlecht, Migrationshintergrund oder soziale Lage, beeinflussen diese Entwicklungen? Ein zentrales Anliegen ist außerdem die Untersuchung des Einsamkeitserlebens von Kindern, ein bislang wenig erforschtes Phänomen in Deutschland. Hier werden Verbreitung, mögliche Prädiktoren sowie Zusammenhänge mit anderen Aspekten von Gesundheit und Resilienz untersucht. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis der psychischen Gesundheit von Kindern zu gewinnen und bislang wenig beachtete Einflussfaktoren zu beleuchten.
Der zweite Forschungsschwerpunkt richtet den Blick auf das Aufwachsen in der Familie und die Bedingungen gelingender kindlicher Entwicklung. Untersucht werden insbesondere die Struktur und Qualität von Eltern-Kind-Beziehungen, das elterliche Erziehungsverhalten sowie Geschwisterbeziehungen – auch in Trennungs- und Stieffamilien. Es wird analysiert, wie diese Beziehungen das Wohlbefinden von Kindern beeinflussen oder wie Belastungen auf die Qualität familialer Beziehungen zurückwirken. So entsteht ein umfassendes Bild von den sozialen Faktoren, die kindliche Entwicklung prägen, und es wird sichtbar, welche familialen Rahmenbedingungen besonders förderlich für Kinder sind.
Für die Bearbeitung der Forschungsfragen werden vor allem die längsschnittlich angelegten Daten des DJI Surveys „Aufwachsen in Deutschland (AID:A)“ genutzt. Diese bieten durch ihr Multi-Actor-Design detaillierte Informationen sowohl aus Sicht der Kinder als auch der Eltern. Damit lassen sich individuelle Entwicklungen, familialer Kontext und Wechselwirkungen zwischen beiden Perspektiven umfassend analysieren. Besonders wertvoll sind die neu eingeführten Fragen zur Einsamkeit von Kindern, die erstmals eine systematische Untersuchung dieses Phänomens bei Kindern ab 5 Jahren über die Pandemie hinaus ermöglichen. Gleichzeitig werden Aspekte körperlicher Gesundheit über Angaben zu Freizeitaktivitäten und körperlicher Betätigung erfasst.
Die Auswertung erfolgt mit multivariaten quantitativen Verfahren, um komplexe Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Einsamkeit und familialen Bedingungen präzise abzubilden. Ergänzt wird die empirische Arbeit durch theoretische Weiterentwicklungen und systematische Literaturanalysen, um die Befunde in den aktuellen Forschungsdiskurs einzuordnen und in nachfolgenden Forschungsprojekten einzubeziehen. Das methodische Vorgehen bildet den Grundstein für die Generierung von belastbaren Erkenntnissen über kindliche familiale Lebenswelten und die Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen.