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In Bayern gibt es seit 2009 das flächendeckend umgesetzte Konzept der Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi-Netzwerke frühe Kindheit). Dieses Konzept wurde aus den Erkenntnissen des länderübergreifenden Modellprojekts „Guter Start ins Kinderleben!“ (Ziegenhein u.a. 2010) sowie in Zusammenarbeit mit der bayerischen Fachpraxis entwickelt. Das Ziel der KoKi-Netzwerke ist es, Überforderungssituationen von Eltern und andere Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, um den Familien Unterstützungs- und Hilfsangebote anbieten zu können, die zu ihrem Bedarf passen. Die zentrale Aufgabe der KoKis ist die Navigations- und Lotsenfunktion für (werdende) Eltern von Kindern im Alter von null bis drei Jahren. Zudem sollen Hemmschwellen gegenüber der Kinder- und Jugendhilfe abgebaut werden. Bei Bedarf vermitteln die KoKis Familien innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe oder an Angebote des Gesundheitssystems weiter. Zudem vernetzen sie unterschiedliche Akteure, die regelmäßig im Kontakt mit werdenden Eltern und Familien mit Säuglingen und Kleinkindern stehen und übernehmen die Angebotsplanung im Bereich der Frühen Hilfen. 

Das Projekt soll vor dem Hintergrund vielfältiger Veränderungen seit der Einführung und flächendeckenden Umsetzung des KoKi-Konzepts die Entwicklung und aktuelle Ausgestaltung der KoKis sowie deren Akzeptanz und Wirkung bei Familien untersuchen. Daraus sollen Impulse für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der KoKis bzw. der Frühen Hilfen in Bayern abgeleitet werden. 

Dazu wird erstens die strukturelle Entwicklung der KoKis auf Basis von Daten zum Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen in den Kommunen untersucht. Wie haben sich die KoKi-Netzwerke und deren Angebotsstruktur entwickelt? Welche regionalen Unterschiede sind festzustellen? 

Zweitens werden die (Kinderschutz-)Konzepte und Arbeitsmaterialien der KoKis in ausgewählten Kommunen gesammelt und einer vertieften Analyse unterzogen. Zudem werden leitfadengestützte Interviews mit Leitungs- und KoKi-Fachkräften durchgeführt. Durch diese Erfassung der Strukturen der KoKis werden Stärken und Herausforderungen einzelner Kommunen vor dem Hintergrund regionaler und soziodemografischer Besonderheiten analysiert.

Drittens werden in den ausgewählten Kommunen Fachkräfte und Familien mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren quantitativ – und eine Substichprobe von Familien auch qualitativ mittels leitfadengestützter Interviews – befragt. Zentrale Fragestellungen im Hinblick auf die Reichweite und Wirkung der KoKis sind dabei, welche Familien durch die Angebote erreicht werden, wie die Fachkräfte den Erfolg der Beratungen einschätzen und wie zufrieden die Familien mit der Beratung und einer eventuellen Vermittlung durch die KoKis in andere Angebote sind. 

Abschließend werden die Erkenntnisse im Rahmen eines Online-Workshops mit der Fachpraxis diskutiert. Bestandteil des Projekts ist schließlich auch die Dissemination der Befunde für unterschiedliche Zielgruppen.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Fachgruppe Frühe Hilfen durchgeführt.

Fegert, Jörg Michael/Ziegenhain, Ute/Besier, Tanja/Künster, Anne Katrin/Zwönitzer, Annabel (2011): Evaluation des Bayerischen Förderprogramms KoKi-Netzwerk Frühe Kindheit. Abschlussbericht. Ulm: Universitätsklinikum Ulm

Ziegenhain, Ute/Schöllhorn, Angelika/Künster, Anne Katrin/Hofer, Alexandra/König, Cornelia/Fegert, Jörg M. (2010): Guter Start ins Kinderleben - Werkbuch Vernetzung. Chancen und Stoplersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen und im Kinderschutz. Köln: NZFH