"InBiT" ist ein Verbundprojekt der Stiftung Universität Hildesheim und des Deutschen Jugendinstituts. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Laufzeit von drei Jahren gefördert.

Das Projekt verfolgt das Ziel, einen substanziellen Beitrag zur Erforschung der Ausgestaltung inklusiver Strukturen in der beruflichen Bildung und zur Weiterentwicklung von Handlungsansätzen für die Fachpraxis zu erbringen. Hierbei wird von einem breiten Inklusionsbegriff ausgegangen, der sich nicht nur auf die Berücksichtigung von Aspekten der Behinderung beschränkt, sondern die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen in allen Lebensbereichen, unabhängig von ihren Individuellen Voraussetzungen, thematisiert (Wansing 2015). Das Forschungsprojekt bedient sich einer regional vergleichenden und multimethodischen Vorgehensweise.

Den Rahmen bildet eine Vergleichsstudie von jeweils zwei eher ländlichen und städtischen Landkreisen in Deutschland. Bei den vier Untersuchungsstandorten handelt es sich um den Landkreis Harz und die kreisfreie Stadt Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt und den Landkreis Hildesheim sowie die kreisfreie Stadt Wolfsburg in Niedersachsen. Im Zuge des Projektes sollen Angebotsstrukturen des Übergangs junger Menschen mit Benachteiligungen in Bildung und Beschäftigung in den Blick genommen werden und des Weiteren die Jugendlichen selbst in einer subjektorientierten Perspektive zu ihren Bedarfen, Aspirationen und Erfahrungen sowie deren Wahrnehmung vorhandener regionaler Ermöglichungsstrukturen befragt werden.

Gerade für den Bereich der beruflichen Bildung wird in Deutschland seit Längerem die fehlende Einlösung der UN-Behindertenrechtskonvention bemängelt, die allen Menschen einen diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung verbrieft (BMAS 2018; Enggruber et al. 2021). Vielmehr würde hierzulande das Ausmaß an Inklusion im biografischen Verlauf von einer Bildungsstation zur nächsten immer weiter abnehmen (Klemm 2015). Zur Abbildung des Umfangs von Inklusion in Übergangsstrukturen wird auf das Konzept der Inclusiveness zurückgegriffen, welches die Ermöglichung von Teilhabe in der regionalen Ausgestaltung der Unterstützungspraxis zwischen Schule und Beruf betrachtet (Muche et al. 2016).

Das Projekt widmet sich demnach der Betrachtung der Inklusionsleistung des Übergangsbereichs beruflicher Vorqualifikation und begleitender Unterstützungsangebote. An den vier Untersuchungsregionen werden die Übergänge von jungen Menschen mit und ohne Benachteiligungen beleuchtet. Dabei stehen – dem Ansatz einer subjektorientierten Übergangsforschung folgend (Stauber et al. 2007) – die Sichtweisen von Jugendlichen mit ihren subjektiven Wahrnehmungen, persönlichen Erfahrungen und Aspirationen im Zentrum. Ziel der Studie ist die Gewinnung von Steuerungswissen für die Fachpraxis der Übergangsgestaltung.

Die Erforschung der Inklusionspraxis am Übergang findet entlang eines Mixed-Methods-Ansatzes in den vier oben genannten Untersuchungsregionen statt. Hier wird jeweils zunächst eine umfassende Erfassung der Angebotslandschaft am Übergang anhand einer Online-Recherche sowie durch Dokumentenanalysen vorgenommen. Daran schließen sich eine quantitative Zwei-Punkt-Befragung von Jugendlichen in Übergangsangeboten sowie qualitative Interviews mit Expert/innen und Jugendlichen an. Das qualitative Material wird transkribiert und mittels MAXQDA, das quantitative in SPSS ausgewertet. Die primärempirischen Ergebnisse dienen der Entwicklung eines indikatorengestützten regionalen Indexes der Inklusivität, der für alle Landkreise in Deutschland erstellt werden soll. Im Projektverlauf werden die Forschenden von Praxispartner/innen aus den vier Untersuchungsstandorten unterstützt und von einem bundesweiten Dachverband der freien Wohlfahrtspflege beraten.

BMAS (2018): Die UN-Behindertenrechtskonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Amtliche, gemeinsame Übersetzung von Deutschland, Österreich, Schweiz und Lichtenstein. Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Berlin.

Enggruber, R./Neises, F./Oehme, A./Palleit, L./Schröer, W./Tillmann, F. (2021): Übergang zwischen Schule und Beruf neu denken:Für ein inklusives Ausbildungssystem  aus menschenrechtlicher Perspektive, Expertise im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes, Der Paritätische: Berlin.

Klemm, K. (2015): Inklusion in Deutschland. Daten und Fakten. Bertelsmann Stiftung: Gütersloh.

Muche, C./Oehme, A./Truschkat, I. (2016): Übergang, Inclusiveness, Region. Eine empirische Untersuchung regionaler Übergangsstrukturen. BELTZ/Juventa: Weinheim.

Walther, A./Stauber, B. (2007): Übergänge in Lebenslauf und Biographie. Vergesellschaftung und Modernisierung aus subjektorientierter Perspektive. In: Stauber, B./Pohl, A./Walther, A. (Hrsg.): Subjektorientierte Übergangsforschung, Rekonstruktion und Unterstützung biografischer Übergänge junger Erwachsener. Juventa: Weinheim, S. 19-39.

Wansing, G. (2015): Was bedeutet Inklusion? Annäherung an einen vielschichtigen Begriff. In:
Degener, Th./Diehl, E. (Hrsg.): Handbuch Behindertenrechtskonvention. Teilhabe als Menschenrecht – Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 1506, Bonn 2015, S. 43 –54

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