In Deutschland gibt es nach einer aktuellen Studie des DJI schätzungsweise 37.000 wohnungslose oder obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene unter 27 Jahren. Das Aufwachsen der Betroffenen war häufig durch Gewalt und/oder Vernachlässigung in ihren Familien geprägt. Auch spielen Einkommensarmut, Überschuldung, niedrige Bildungsabschlüsse sowie Suchtproblematiken im Elternhaus eine Rolle. Teils wurden die familiären Problemlagen der Kinder und Jugendlichen nicht bemerkt, ein größerer Teil verfügt jedoch über lange Maßnahmekarrieren in der Jugendhilfe. Dabei handelt es sich oftmals um frühzeitige Heimerfahrungen mit wiederholtem Einrichtungswechsel und damit verbundenen Betreuungs- und Beziehungswechseln. Sozialarbeiter/innen verweisen darauf, dass die meisten der Jugendlichen ihre Problemlagen nicht aktiv bewältigen konnten und sich dies u.a. in fehlender Anpassungs- und Bindungsfähigkeit, einem hohen Aggressionspotenzial oder ausgeprägtem Suchtverhalten ausdrückt. Seitens der betroffenen Jugendlichen wird häufig reklamiert, dass sie die Hilfen als Zwangsmaßnahmen wahrgenommen haben, die nicht auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt waren.

Nach einer ersten Förderphase von Modellprojekten mit Straßenjugendlichen (www.dji.de/strassenkinder) hat sich das BMFSFJ dazu entschieden, über den Innovationsfonds 2017 bis 2019 im Bereich Jugendsozialarbeit erneut vier Modellprojekte für junge Menschen, die auf der Straße leben, zu fördern. Dabei ist das Alter der Zielgruppe von Minderjährigen auf die Zielgruppe der bis zu 21-Jährigen erhöht worden. Erprobt werden innovative Ansätze, die die Jugendlichen an Hilfemaßnahmen heranführen und sie stabilisieren und begleiten sollen. Außerdem sollen die Modellprojekte Kooperationen mit Akteuren der realen Arbeitswelt eingehen, die die Jugendlichen an Arbeitsprozesse heranführen, und die Projektergebnisse auch über das unmittelbare Umfeld der Jugendlichen hinaus sichtbar machen.

Die vier Modellprojekte werden vom DJI wissenschaftlich begleitet. Die Projektmitarbeiter/innen sowie die externen Kooperationspartner der Projekte werden zu Beginn und zum Ende der Projektlaufzeit zu ihren Methoden und Ansätzen sowie zu ihren Umsetzungserfahrungen durch leitfadengestützte Experteninterviews befragt. Weiterhin werden die Arbeit der Projekte sowie die Interaktion mit den Zielgruppen an ein bis zwei Tagen durch teilnehmende Beobachtungen erhoben. Die Erfahrungen und Einschätzungen der Jugendlichen zur Projektumsetzung werden in drei Modellprojekten projektabhängig durch Gruppendiskussionen oder Einzelinterviews ermittelt.

Um darüber hinaus vertiefende Hinweise für die Entwicklung der „Eigenständigen Jugendpolitik“ ableiten zu können, soll mit den Teilnehmenden eines Modellprojektes ein partizipativer Forschungsprozess initiiert und umgesetzt werden.

Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden den Projekten regelmäßig rückgespiegelt. Zudem wird ein Endbericht mit den übergreifenden Erkenntnissen für das Feld der Jugendsozialarbeit veröffentlicht.

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