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Seit Jahren wächst in Deutschland der Fachkräftebedarf in unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit kontinuierlich an. Von Arbeitgeberseite gibt es immer wieder Berichte und Aussagen darüber, wie schwierig es ist, die entsprechenden Stellen mit einschlägig qualifizierten Personen zu besetzen (Hickmann/Koneberg 2022). Dies gilt auch für Nordrhein-Westfalen. So deutet die landesspezifische Analyse zum Arbeitsmarkt für Kinder- und Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen darauf hin, dass die vorhandene Personallücke zwischen Bestand und Bedarf in absehbarer Zeit nur mit zusätzlichen Maßnahmen geschlossen oder verkleinert werden kann (Autor:innengruppe Forschungsverbund DJI/TU Dortmund 2024). Eine wachsende Fachkräftelücke in der Sozialen Arbeit könnte weitreichende gesamtgesellschaftliche Folgen haben. 

Eine entscheidende Rolle bei der Reduktion des Fachkräftemangels kann die Ausbildung und Qualifizierung von Nachwuchsfachkräften spielen. Das vom DJI für das Land Bayern durchgeführte Projekt StuBay hat gezeigt, dass trotz einer schwierigen Datenlage und der Unsicherheiten der künftigen Entwicklung eine umfassende und zusammenführende Bedarfsanalyse zu Studienplätzen in der Sozialen Arbeit möglich ist: Anknüpfend an dem in der Studie entwickelten Modell wird im Rahmen des Projekts der zukünftige Bedarf an Studienplätzen in der Sozialen Arbeit in Nordrhein-Westfalen abgeschätzt werden.

Das Projekt geht der Frage nach, inwiefern die empirische Datenlage einen Ausbau der Studienplätze im Bereich Sozialer Arbeit in Nordrhein-Westfalen nahelegt, um dem Fachkräftemangel in diesem Arbeitsfeld entgegenzuwirken.

Bei der Abschätzung des Bedarfs an Studienplätzen sind zum einem die Einflussfaktoren auf den Fachkräftebedarf zu berücksichtigen. Hierzu gehören beispielsweise unbesetzte oder nicht mit Fachkräften besetzte Stellen, die Anzahl der Fachkräfte, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, die Auswirkungen demographischer Entwicklungen im Hinblick auf veränderte Bedarfe der Adressat:innen, Veränderungen in der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit, dem Entstehen neuer Aufgaben für Soziale Arbeit, insbesondere durch neue fachliche Schwerpunktsetzungen oder Gesetzesentwicklungen, oder auch die Veränderungen bei der Inanspruchnahme von entsprechenden Leistungen bzw. deren Bereitstellung. Zum anderen ist zu untersuchen, wie sich das (potenzielle) Angebot an Fachkräften entwickelt. Dies wird wesentlich durch die Anzahl an Absolvent:innen entsprechender Studiengänge, aber auch die Anzahl der Studienbewerber:innen und der (zukünftige) Schulabsolvent:innen sowie die Anerkennungszahlen ausländischer Bildungsabschlüsse beeinflusst.

Zunächst wird der bestehende Informations- und Wissenstand recherchiert und zusammengetragen. Dabei geht es im Wesentlichen um die amtlichen bzw. quasi-amtlichen Daten.

In einem weiteren Schritt werden zwei Primärerhebungen über ein Online-Befragungstool durchgeführt:

  • Arbeitgeberbefragung: Zentrale Themen sind unter anderem die Personalstruktur, Einschätzungen zu und Umgangsweisen hinsichtlich der Fachkräftesituation sowie Strategien zur Personalgewinnung und diesbezügliche Empfehlungen. Zur Teilnahme an der Befragung werden öffentliche und freie Träger der Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfahlen eingeladen.
  • Hochschulbefragung: Im Mittelpunkt stehen die Abschätzung des Fachkräfteangebots in den kommenden Jahren und daran anschließend die Einschätzung zu der Studienplatznachfrage, den Ausbaubedarfen an und den Ausbaukapazitäten von Studienplätzen. Es werden alle Hochschulen in Nordrhein-Westfalen mit Studiengängen im Bereich der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik kontaktiert und zur Teilnahme an der Befragung aufgerufen. 

Im Vorfeld der beiden Befragungen wird ein Workshop mit Vertreter:innen von Arbeitgebern, Fachverbänden und Vertreter:innen der Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen durchgeführt, um die Erhebungsinstrumente auf die Situation in Nordrhein-Westfalen anzupassen und die Bereitschaft zur Mitwirkung an den Erhebungen herzustellen. 

Um letztlich den mittelfristigen Bedarf an Studienplätzen in Studiengängen der Sozialarbeit in Nordrhein-Westfalen abschätzen zu können, werden aufbauend auf das im Projekt StuBay entwickelte Modell ein Modell zur Bedarfsabschätzung an Studienplätzen in Nordrhein-Westfalen berechnet. Darin werden vor allem Daten aus der Beschäftigungsstatistik, der Arbeitsmarktstatistik, der Rentenstatistik und der Hochschulstatistik sowie Ergebnisse aus der Arbeitgeber- und Hochschulbefragung herangezogen.

Die Modellentwicklung und die Ergebnisse des abgeschätzten Studienplatzbedarfs werden im Rahmen eines Validierungsworkshops mit Vertreter:innen von Hochschulen und aus der Praxis der Sozialen Arbeit diskutiert.

Autorengruppe Forschungsverbund DJI/TU Dortmund (2024): Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. Bestand, Lücken, Gewinnung, Bedarfe in NRW. Bielefeld.

Hickmann, Helen/Koneberg, Filiz (2022): IW-Kurzbericht 67/2022. Die Berufe mit den aktuell größten Fachkräftelücken.

McGrath, Coretta/Peucker, Christian/Seckinger, Mike (2024): Bedarfsanalyse zu Studienplätzen in der Sozialen Arbeit in Bayern (pdf). Abschlussbericht zum StuBay-Forschungsprojekt. München.