Mit dem Ausbau der Betreuungsinfrastruktur wächst die öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen der Kinder. Damit verbunden ist die Frage, wie Qualität in Kindertageseinrichtungen sichergestellt werden kann, damit diese positive und gegebenenfalls auch kompensatorische Effekte auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern ausübt. Längsschnittstudien, wie etwa die britische EPPE Studie („Effective Provision of Preschool Education), konnten zeigen, dass der Besuch einer qualitativ hochwertigen vorschulischen Einrichtung kurz- und mittelfristig positive Effekte auf die kognitive und sozial-emotionale Entwicklung der betreuten Kinder hat. In diesem Zusammenhang werden auch die Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Familie diskutiert.

Um die Frage nach der Qualität und den Wirkungen der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung empirisch zu beleuchten, bedarf es zum einen überprüfbarer theoretischer Modelle, zum anderen geeigneter Methoden und Verfahren zur Erfassung der zentralen theoretischen Konstrukte.

Die Methodenstudie zielt auf eine theoretische und empirische Präzisierung des Konstrukts „Qualität in der Kita“, einschließlich einer systematischen Auseinandersetzung von Stärken und Schwächen gängiger Qualitätserfassungsinstrumente. Hierzu werden unterschiedliche Perspektiven auf Qualität berücksichtigt: Die der pädagogischen Fachkräfte, die der Eltern und die Außenperspektive der systematischen (wissenschaftlichen) Beobachtung und Analyse. Im Einzelnen werden folgende Fragestellungen verfolgt:

  • Wie wird Qualität in Kindertageseinrichtungen – national und international – im Kontext alltagsintegrierter Pädagogik definiert und erhoben?
  • Welche forschungsmethodischen Zugänge sind dazu geeignet, eine pädagogische Praxis, die die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes berücksichtigt, seine Interessen aufgreift und eigenaktives Lernen fördert, abzubilden und zu bewerten?
  • Welche Erwartungen und Erfahrungen haben Eltern und pädagogische Fachkräfte hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit sowie der pädagogischen Arbeit in Bezug auf ein konkretes Kind?
  • Welche Überschneidungen und welche Widersprüche in der Beschreibung pädagogischer Qualität zeigen sich, wenn pädagogische Praxis mit unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen (z.B. Beobachtung, Selbstauskunft, Interaktionsanalyse) abgebildet wird?          

Die Studie wird in drei aufeinander bezogene Arbeitspakete gegliedert und in Zusammenarbeit mit dem Projekt "Profile der Kindertagesbetreuung (PROKI)" durchgeführt.

Die ersten beiden Arbeitspakete behandeln die Qualität aus Eltern- und Fachkräftesicht und die Kooperation von Kindertagesbetreuung und Familie. Ausgehend von ein- bis sechsjährigen Zielkindern werden jeweils ein Elternteil und die betreuende pädagogische Fachkraft im Rahmen einer Zusatzerhebung zur DJI-Kinderbetreuungsstudie U15 (KiBS) befragt (geplantes N≈1000). Die parallelisierten Erhebungsinstrumente für Eltern und Fachkräfte beinhalten Fragen zum Zielkind, zur Pädagogik und zur Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften. Die erhobenen Daten werden um demographische Angaben zum familiären Hintergrund des Kindes, zu seiner Betreuungsgeschichte sowie um Sozialraumdaten ergänzt.

Das dritte Arbeitspaket widmet sich vergleichend und explorativ der Frage, welche Facetten frühpädagogischen Handelns mit bereits vorliegenden Instrumenten erfasst werden und zieht Schlussfolgerungen für eine Weiterentwicklung von Methoden zur Erfassung von pädagogischer Qualität. Bei dieser Feldstudie in Kindertageseinrichtungen kommen neben standardisierten Verfahren zur Erfassung der pädagogischen Qualität auch offene qualitative Verfahren (Beobachtung, Experteninterviews) zum Einsatz.

Kontakt

+49 89 62306-217
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
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