Das Projekt „Kita-Ausbau und Frühe Hilfen" ist Teil der Fachgruppe 4 „Frühe Hilfen" der Abteilung „Familie und Familienpolitik" im Deutschen Jugendinstitut (DJI). Das Projekt wird vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), getragen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), aus Mitteln der Bundesstiftung Frühe Hilfen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Ziel des Projekts ist es, zu erfahren,

  1. welches Verständnis Einrichtungsleitungen und pädagogische Fachkräfte in Kitas von Frühen Hilfen haben,
  2. welche Belastungslagen und Unterstützungsbedarfe sie bei Familien wahrnehmen,
  3. welche Aufgaben und Funktionen sie in der Arbeit mit den Familien selbst leisten (können),
  4. wohin sie Familien in Belastungslagen und mit Unterstützungsbedarf weitervermitteln (Lotsenfunktion),
  5. welche Rolle das Netzwerk Frühe Hilfen spielt und
  6. wie sie die Corona-Pandemie erlebt haben.

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Kitas sind – gemeinsam mit Schulen – zentrale Akteure mit großer Reichweite im sozialen Nahraum und als Betreuungsinstitution im Alltag von Familien mit unter dreijährigen Kindern fest verankert. Für die Mehrheit der Kinder in Deutschland ist die Betreuung in einer Kita bereits vor dem dritten Lebensjahr heutzutage Alltag und Lebenswelt (Maywald 2019).

Obgleich in der Fachliteratur Belastungen der pädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen thematisiert werden (z.B. Nürnberg 2018), haben Kitas gleichzeitig ein enormes Potenzial als Partner familienbildender Angebote: Wie kein anderes sozialstaatliches Angebot bieten sie die Möglichkeit eines regelmäßigen Kontakts und intensiven Austauschs zwischen Eltern und Fachkräften (Riedel/Sann 2014). Neben einem niedrigschwelligen Zugang zur potenziellen Zielgruppe Früher Hilfen haben Kitas auch viele Kooperationspartner, zu denen sie Familien vermitteln (bspw. Frühförderung). Somit haben sie auch eine wichtige Lotsenfunktion.

Sowohl der Ausbau der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren als auch die Etablierung Früher Hilfen auf Basis des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) können als zentrale Reformprojekte im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe betrachtet werden, die bislang allerdings weder hinsichtlich konzeptioneller Schnittmengen, noch zu Fragen der praktischen Kooperation hinreichend reflektiert und hinsichtlich ihres Potentials und möglicher Synergien ausgelotet worden sind (Riedel/Sann 2014). Der im Rahmen des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz einhergehende Ausbau der Infrastruktur für Kindertagesbetreuung (Kindertagesstätten und Kindertagespflege) bietet eine passende Gelegenheit, Angebote Früher Hilfen in der Kita-Landschaft zu platzieren und Impulse für die Weiterentwicklung der Kooperation von Frühen Hilfen und Kitas zu setzen.

Das NZFH-Vorgängerprojekt am DJI „Frühe Hilfen und Familienzentren“ widmete sich einer ähnlichen Thematik und hat in Form von fünf Dimensionen den Merkmalsraum der Kooperation von Familienzentren und Frühen Hilfen aufgezeigt. Hierbei stand die Öffnung der Zentren in den Sozialraum sowie die Implementierung familienbildender Angebote als Querschnittsaufgabe der Einrichtungen im Fokus.

Es handelt sich um ein qualitatives Forschungsprojekt mit leitfadengestützten Telefoninterviews zur Datenerhebung. Die thematisch codierende Auswertung erfolgt in Anlehnung an den Vorschlag von Kelle und Kluge (2010) zur Rekonstruktion von Merkmalsräumen. Ziel ist es, einen Merkmalsraum zu identifizieren, der ein Bild des Verständnisses und der Aufgaben von Einrichtungsleitungen und/oder pädagogischen Fachkräften im Rahmen Früher Hilfen abbildet, um daraus Impulse für die Weiterentwicklung des Feldes ableiten zu können.

Kelle, Udo/Kluge, Susann (2010): Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. Qualitative Sozialforschung, Band 15. Wiesbaden

Maywald, Jörg (2019): Kindertageseinrichtungen als Kooperationspartner der Frühen Hilfen. Expertise. Materialien zu Frühen Hilfen. 11. Herausgegeben vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln

Nürnberg, Carola (2018): Kita-Alltag zwischen Belastung und Erfüllung. Ergebnisse einer explorativen Interviewstudie mit Gruppenkräften und Kita-Leitungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Studien, Band 31. München

Riedel, Birgit/Sann, Alexandra (2014): Kindertageseinrichtungen im Kontext Früher Hilfen. Kooperationsmöglichkeiten und ungelöste Fragen. In: TPS – Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, 2014 Jg., H. 5, S. 38–41

Kontakt

+49 89 62306-118
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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