Im Rahmen des „Hamburger Handlungskonzeptes gegen Jugendgewalt“ wurden im Stadtstaat ab 2007 verstärkt sekundär präventive Angebote für Familien bereitgestellt. Weiterhin wurde ab 2009 für stadtweit verfügbare spezialisierte Fachkräfte der Gewaltprävention in Jugendhilfe und Schule ein Diagnostik-Programm eingeführt, das helfen soll, Kinder, die in der Gefahr stehen, eine Gewaltkarriere zu durchlaufen, möglichst frühzeitig zu erkennen. Dabei sollen unter Rückgriff auf dieses Instrument auch valide Hinweise für die Ausgestaltung möglichst wirksamer Hilfen gewonnen werden, ohne auf der anderen Seite zu einem unverhältnismäßigen Arbeitsaufwand für die Fachkräfte zu führen.

In einem ersten Evaluationsschritt wurde 2010 die Interrater-Reliabilität (Übereinstimmung verschiedener Fachkräfte bei gleicher Fallgrundlage) und die generelle Praktikabilität des Verfahrens durch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf überprüft.Hauptziel des nun folgenden zweiten Evaluationsschrittes ist die Überprüfung der Validität (Aussagekraft) des Verfahrens.

 Zu diesem Zweck wird in einer Stichprobe an Fällen, bei denen 2009 eine vollständige diagnostische Einschätzung erfolgte, anhand der Akten der Fallverlauf in den darauffolgenden zwei Jahren erhoben. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Zusammenhänge zwischen diagnostischen Einschätzungen und nachfolgend angebotenen bzw. in Anspruch genommenen Hilfen sowie zwischen diagnostischen Einschätzungen und dem weiteren Verlauf der sozialen Entwicklung, einschließlich aggressiver oder Regeln verletzender Verhaltensweisen. Zu Vergleichszwecken wird darüber hinaus eine Stichprobe älterer Fälle, die vor der Einführung des Diagnostik-Verfahrens begonnen wurden, gebildet. In dieser Stichprobe wird versucht, die Skala für das Ausmaß des Risikos einer sich verfestigenden Gewaltkarriere auf der Grundlage der Informationen in der Akte nachzukodieren und Zusammenhänge zum tatsächlichen Verlauf zu überprüfen.

Ein weiteres Ziel der Evaluation besteht darin, die Bewährung des diagnostischen Verfahrens aus Sicht der Gewaltpräventionsfachkräfte durch Gruppeninterviews und eine schriftliche Befragung zu erfassen.

 Die Ergebnisse des Kurzzeitvorhabens, das innerhalb von acht Monaten durchgeführt werden soll, werden in einem Endbericht niedergelegt, der dann in die Weiterentwicklung des Verfahrens, aber auch in die Fachdiskussion zum Nutzen diagnostischer Verfahren in der Jugendhilfe einfließen soll.