Nach wie vor scheint eine Gruppe von Jugendlichen zu existieren, die über einen bestimmten Zeitraum auf der Straße lebt oder zumindest keinen festen Wohnsitz hat. Eine allgemeingültige Definition von Straßenjugendlichen gibt es allerdings nicht, da immer wieder über den Geltungsbereich des Begriffs diskutiert wird. Aufgrund der fehlenden Definition ist es schwierig, den Umfang dieser Gruppe quantitativ zu erfassen. Ein weiterer Grund für die Schwierigkeit einer quantitativen Schätzung der Gruppe ist, die Erreichbarkeit der Zielpopulation. Zum einen sind diese Jugendlichen nirgends erfasst und zum anderen wollen diese zum Teil gar nicht erreicht werden. Es besteht hier ein Dunkelfeld, das sich angesichts der kümmerlichen Datenlage einer Quantifizierung weitgehend entzieht.

Genaue Daten zur Anzahl von Straßenjugendlichen liegen für Deutschland demnach nicht vor. Um dem durchaus berechtigten Anliegen von Politik, Fachpraxis, aber auch der Wissenschaft, Informationen über das quantitative Ausmaß des Phänomens Straßenjugendliche und ihrer spezifisch unterschiedlichen Typen zu gewinnen, nachkommen zu können, wird mit diesem Projekt eine entsprechende Erhebung mit der Zielsetzung der Quantifizierung des Phänomens durchgeführt.

Die Studie gliedert sich in zwei Phasen. In einem ersten Schritt wird sich im Sinne einer Dunkelfeldforschung mittels quantitativen methodischen Vorgehens der Gruppe der Straßenjugendlichen angenähert. Im anschließenden zweiten Schritt wird eine Befragung von Fachkräften kommunaler und freier Träger durchgeführt, bei der eine detaillierte Erfassung der Anzahl der betroffenen Jugendlichen erfolgen soll.

Die Erhebung der 1. Phase findet in drei Großstädten - Berlin, Hamburg und Köln - mittels quantitativer persönlicher Befragungen statt. Zielgruppe sind dabei sowohl Jugendliche, die aktuell (zumindest zeitweise) auf der Straße leben, als auch ehemalige Straßenjugendliche. Über den Zeitraum der zurückliegenden zwei Jahre werden verschiedene Informationen zu Straßenkarrieren erfasst. Zugänge bilden dabei Hilfseinrichtungen und  typische Anlaufstellen für Jugendliche. Die Durchführung der Fragebogenerhebung erfolgt mit Hilfe von Studentinnen und Studenten einer in den Untersuchungsstandorten vorhandenen Universität bzw. Fachhochschule.

Auf Basis der in der quantitativen Dunkelfeldstudie gewonnenen Erkenntnisse über die Gruppe der Straßenjugendlichen schließt sich im zweiten Schritt die Erfassung von Daten zum quantitativen Ausmaß des Phänomens bei den entsprechenden Fachkräften an. Diese werden ebenfalls quantitativ mittels eines Onlineinstruments befragt. Ziel ist es, differenzierte Aussagen zu Umfang und Typen vorhandener Straßenjugendlicher in Deutschland treffen zu können.

Die Ergebnisse beider empirischer Erhebungen werden zusammengeführt und in einem Bericht veröffentlicht.

Kontakt

Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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