Das interdisziplinäre Projekt FamHeKon untersucht mit Hilfe eines Mixed-Methods-Designs Familienleitbilder von Fachkräften und Adressat:innen Sozialer Arbeit und damit einhergehend die Frage nach einer (besseren) Erreichbarkeit von Familien. Betrachtet werden hierbei vorrangig Angebote der Sozialen Arbeit mit einer „Komm-Struktur“, also Einrichtungen der Familien­bildung, Einrichtungen der kommunalen (Familien-)Selbsthilfe und andere Beratungsangebote für Familien. In Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut ist FamHeKon eingebettet in das Verbundprojekt „Familienleben in Bayern – Empirische Einsichten zu Transformationen, Ressourcen und Aushandlungen“ (ForFamily).

Auf Grund immer komplexer werdender Strukturen von und Rahmenbedingungen für Familien, muss und wird Familienleben sowie eine gemeinsame Lebensführung aktiv organisiert und im Sinne des Konzeptes „Doing Family“ hergestellt. Um Familien in der Fachpraxis weiterhin gut erreichen zu können, passen sich auch Einstellungen und Angebote Sozialer Arbeit auf diese Komplexität und Heterogenität an. Familienleitbilder tragen hierbei eine wichtige Funktion: Sie sind orientierungsgebend in der Umsetzung von Angeboten und der damit verbundenen Erreichbarkeit (Bird/Hübner 2013), bieten normative Vergleichshorizonte im Hinblick auf Ausgestaltung und Legitimation professionellen Handelns und wirken sich nicht zuletzt auf die politische und öffentlich-mediale Ebene, sowie den fachlichen Diskurs über Familie aus. Trotz der bereits hohen Aufmerksamkeit für Familienleitbilder und deren Auswirkung auf pädagogisches Handeln, fehlt bislang eine systematische Erforschung (Bauer/Wiezorek 2017).

Ziel ist dabei das Sichtbarmachen von Adressierungsprozessen und die Herstellung eines Transfers in die Praxis, um hier eine Auseinandersetzung mit vorherrschenden Leitbildern und der Vielfalt an familialen Lebenslagen und Lebensbedingungen, sowie deren Berücksichtigung in Angeboten anzustoßen. Der Fokus wird auf folgende Schwerpunkte gerichtet:

  1. Identifizierung vorherrschender Familienleitbilder von Fachkräften Sozialer Arbeit und Adressat:innen (Familien) von offenen Angeboten
  2. Bedeutung dieser Vorstellungen für Ansprache und Erreichbarkeit von Familien
  3. Entwicklungspotenziale für eine bessere Ansprache, insbesondere von als schwer erreichbar geltende Gruppen oder Personen
  4. Ansprache in bereits vorhandenen (Online-)Familienbildungs- und -beratungsangeboten

Durchgeführt wird das Teilprojekt in einem Mixed-Methods-Design, wobei sich das DJI vorrangig dem quantitativen Teil des Projekts in Form von standardisierten Online-Befragungen von Fachkräften und Adressat:innen offener Angebote der Sozialen Arbeit, sowie einer Sekundärdatenanalyse des DJI-Surveys AID:A widmet. Dabei wird stets eng mit dem qualitativen Projektteil der HAW Landshut zusammengearbeitet. Ergebnisse der Datenauswertung und –interpretation werden im Laufe des Prozesses immer wieder zusammengebracht, gemeinsam eruiert und angereichert. Als gemeinsamer Output werden auf Basis der Ergebnisse eine Handreichung für Fachkräfte der Sozialen Arbeit, sowie Lehrmaterialien für Studierende erstellt. Diese sollen noch innerhalb des Projekts an der HAW Landshut erprobt und implementiert werden.

Bauer, Petra, & Wiezorek, Christine. (2017). Familienbilder zwischen Kontinuität und Wandel. Analysen zur (sozial-)pädagogischen Bezugnahme auf Familie. Beltz Juventa.

Bird, Katherine, & Hübner, Wolfgang. (2013). Handbuch der Eltern- und Familienbildung mit Familien in benachteiligten Lebenslagen. Barbara Budrich.

Kontakt

+49 89 62306-304
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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