Das Forschungsprojekt ging von der Dunkelfeldschätzung aus, daß jedes vierte Mädchen in Deutschland von sexuellem Mißbrauch betroffen ist. Sexueller Mißbrauch wurde dabei definiert als jede aus sexuellen Motiven eines Erwachsenen/Jugendlichen vorgenommene Handlung an einem Kind oder die entsprechende Benutzung des Kindes. Es wurde davon ausgegangen, daß der sexuelle Mißbrauch ein Mißbrauch der Machtposition des Täters sowie der Unwissenheit, der Abhängigkeit, des Vertrauens und des natürlichen Bedürfnisses nach Wärme und Geborgenheit des Kindes ist. Der sexuelle Mißbrauch an Mädchen hat, neben der Gefahr des Todes und schwerer körperlicher Verletzungen sowie psychischer Schädigungen eine Vielzahl von Problemen zur Folge, die das weitere Frauenleben des Mädchens bestimmen und begleiten: Angstzustände, Depressionen, Prostitution, Drogenabhängigkeit, Autoaggression, Suizidgefährdung, Schlaf-, Eß- und Lernstörungen, soziale Isolation, z.T. schwere Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls, der emotionalen Integrität und der sexuellen Entwicklung. Um Ansatzpunkte für Prävention zu finden, stand in dem Forschungsprojekt die Auseinandersetzung mit den Erklärungsansätzen für die Ursachen sexueller Gewalt, sowie mit den gesellschaftlichen Strukturen, die die Gewalt tragen und perpetuieren, im Vordergrund.


Das Projekt wurde in zwei Teilen konzipiert:
a. Forschung über (potentielle) Täterschaft b. Forschung über das strukturelle Bedingungsgefüge sexuellen Mißbrauchs.
a. Der Projektteil zur Erforschung (potentieller) Täterschaft
Dieser Forschungsstrang ging in Übereinstimmung mit einem Großteil der vorliegenden Forschung davon aus, daß sexueller Mißbrauch zu 80-90% von Jungen und Männern ausgeübt wird, ferner daß es hierbei im Prinzip um keine Handlung von Männern geht, die als psychiatrische Fälle bezeichnet werden können. Vielmehr wird davon ausgegangen, daß das Delikt im Wesentlichen von durchaus als „normal“ – im Sinne der Norm entsprechend – geltenden Männern verübt wird. Aus dieser Annahme wurde die Schlußfolgerung abgeleitet, daß Elemente in der männlichen Regelsozialisation eine Prädisposition zur Ausübung sexueller Gewalt herstellen. In diesem Kontext wurde die männliche (insbesondere sexuelle) Sozialisation beleuchtet und der Prozeß in dem Jungen sich an das andere Geschlecht annähern. Es ging um die Herausarbeitung von Schaltstellen, an denen eine Prädisposition zum potentiellen Täter sexueller Gewalt möglicherweise entstehen könnte.

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