Überblick

Die immer größer werdende Heterogenität von Lebensentwürfen spiegelt sich nicht zuletzt in der Ausdifferenzierung verschiedener Familienformen in der Bundesrepublik Deutschland wider. Zwar bleibt die klassische Kernfamilie (leibliche Mutter, leiblicher Vater und Kind/er) weiterhin die am häufigsten gelebte Familienkonstellation, jedoch ist besonders die Zahl der Alleinerziehenden-Familien in Deutschland, wie auch international, in den letzten Jahren stark angestiegen. Bislang wurden Alleinerziehenden-Familien vor allem anhand der Daten verschiedener bevölkerungsrepräsentativer Surveys analysiert. Dabei konnte gezeigt werden, dass diese Familienform häufig mit einer erhöhten Armutsgefährdung in Zusammenhang steht, was auch in der öffentlichen Diskussion am stärksten diskutiert wird. Spezifischere Fragestellungen zur Lebenssituation, beispielsweise zu Unterhaltsregelungen, dem Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil, neuen Partnerschaften der Elternteile, der Aufteilung der Sorge- und Erziehungsarbeit sowie zu Wohn- und Betreuungsarrangements nach Trennung lassen sich mit diesen Studien jedoch nicht beantworten. Diesbezüglich gibt es bisher lediglich sehr wenige Arbeiten (vor allem in Deutschland), die diese Themen in relativ kleinen Stichproben adressiert haben.

Die DJI-Alleinerziehendenstudie

Die vorliegende Zusatzuntersuchung darauf ab, eine Stichprobe von Alleinerziehenden und deren Kindern – neben einer Charakterisierung der ökonomischen Lebensverhältnisse – hinsichtlich dieser intrafamilialen Faktoren zu beschreiben. Die erhobenen Daten sollen dazu genutzt werden, die erschwerten Lebensverhältnisse dieser Familienform differenziert abzubilden, politischen Akteuren eine gesicherte empirische Basis für Entscheidungsprozesse zu liefern sowie einen Betrag zu einer fundierteren wissenschaftlichen Erkenntnislage in diesem Bereich zu leisten.

Methodik

Die Daten der DJI-Alleinerziehendenstudie wurden als Zusatzuntersuchung „Befragung von Zielpersonen aus Trennungsfamilien („Alleinerziehende“)“ im Rahmen der DJI-Kinderbetreuungsstudie U-15 (KiBS) erhoben. Dafür konnten aus den insgesamt 32.800 Familien mit Kindern unter 15 Jahren aus KiBS 1.380 Familien identifiziert und rekrutiert werden, die angegeben hatten, vom anderen Elternteil getrennt und ohne Partner im Haushalt zu leben. Befragt wurden die Bezugspersonen der jeweiligen Familien mithilfe eines eigens für diese Untersuchung entwickelten Fragebogens zum aktuellen Familienstand, Verhältnis zum anderen leiblichen Elternteil, Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil, Coparenting sowie zu elterlichen Konflikten, Unterhaltszahlungen und Erziehungspraktiken. Die oben genannten Fragestellungen werden sowohl deskriptiv als auch inferenzstatistisch analysiert.

Untersuchungsschwerpunkte

Der Auswertungsschwerpunkt Armutsgefährdung soll einen Überblick über die Einkommenssituation Alleinerziehender geben. Konkret sollen mögliche Unterschiede zwischen Alleinerziehenden- und Paar-Familien hinsichtlich der Armutsgefährdung, Einkommensquellen und Einkommenszufriedenheit dargestellt werden. Zudem werden die Hauptursachen dieses Zusammenhangs untersucht.

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Der Aspekt der Unterhaltszahlungen befasst sich mit dem rechtlichen Unterhaltsanspruch von Kindern nach Trennung/Scheidung der Eltern. Konkret soll dabei untersucht werden, in welchem Verhältnis Unterhaltsanspruch, Unterhaltszahlung und Unterhaltsforderung stehen. Darüber hinaus werden die Gründe für den Ausfall von Unterhaltszahlungen sowie Unterhaltsforderungen analysiert und im Zusammenhang mit verschiedenen sozio-demografischen Merkmalen der Eltern untersucht.

Ansprechpartner_innen

Der Untersuchungsschwerpunkt Lebensalltag beschäftigt sich vor allem mit der Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Alleinerziehenden im Vergleich zu "klassischen" Kernfamilien. Einerseits werden dabei die Unterschiede in der Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung analysiert. Andererseits wird untersucht, inwieweit die Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung durch die Erwerbstätigkeit der Kindesmutter bedingt ist. Zudem soll herausgefunden werden, wie sich die vielfältigen Anforderungen bei der Bewältigung des Lebensalltags auf die berufliche Zufriedenheit und das Familienleben auswirken.

Ansprechpartner_innen

Im Rahmen des Schwerpunktes wird untersucht, welche Faktoren sich auf das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen aus Alleinerziehenden-Familien auswirken. Diesbezüglich haben bisherige Studien gezeigt, dass die emotionale Stablilität von Eltern ein wesentlicher Einflussfaktoren für die psychische Gesundheit von Kinder darstellt. Im Zuge dieses Untersuchungsschwerpunktes wird analysiert, inwieweit dieser Zusammenhang in Alleinerziehenden-Familien durch das Erziehungsverhalten und das Coparenting beider Elternteile vermittelt wird.

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Kontakt

+49 89 62306-541
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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