Was wir geforscht haben

Wie handeln Kinder ohne deutschen Paß in einem sozialen Milieu, das durch Multikulturalität geprägt ist? Wie gestalten sie ihre Freundschaftsnetze, und wie nutzen sie die kinderkulturelle Infrastruktur ihres Wohnumfeldes? Das waren die Leitfragen unseres Forschungsprojekts. Mit der Methode der Kinderbefragung haben wir die Beantwortung dieser Fragen an die Kinder selbst weitergegeben. Es ging uns dabei sowohl darum, wie Kinder die kulturelle Vielfalt ihrer Umgebung wahrnehmen, als auch um die individuellen Umgangsformen, die sich am Handeln der Kinder erkennen lassen. Wir haben kulturelle Vielfalt oder kulturelle Besonderheiten nicht als Begründungskonzept abgefragt. Unser Ausgangspunkt war die Perspektive der Kinder bei Aspekten, die für ihr alltägliches Handeln wichtig sind, wie ihre Freundschaftskontakte, ihre Aktivitäten im Umfeld und in der Familie. Uns ging es darum, aufzuspüren, was Kultur und unterschiedliche Herkunft für die Kinder praktisch bedeuten, ob und wo sie Unterschiede bemerken, welche Kulturvermischungen oder auch kulturelle Abgrenzungen sie vornehmen und welche Bedingungen sich in ihrem regionalen Lebensumfeld und in ihrem Aktivitätsspielraum bemerkbar machen. Den kindspezifischen Umgang mit den unterschiedlichen Kulturen betrachten wir als einen Aspekt heutiger Kinderkultur.


Wie wir geforscht haben

Im Zentrum des in der Untersuchung eingesetzten Methodensets stand eine mündliche Kinderbefragung in den Familienhaushalten mit einem umfangreichen standardisierten Fragebogen (Mai/Juni 1999). Zusätzlich wurden die Eltern um Sozialdaten gebeten. Ergänzend wurden qualitative Einzel- und Gruppeninterviews mit Kindern geführt. Die drei ausgewählten Untersuchungsregionen Köln-Nippes, Frankfurt-Höchst/Unterliederbach und München-Obergiesing zeichnen sich durch eine gemischte Bevölkerungsstruktur aus. Die Verteilung der Nationalitäten in den Stadtteilen spiegelt ein multikulturelles Umfeld wider. Eine Begründung der Auswahl sowie eine ausführliche Beschreibung der Stadtteile und ihrer Angebotsstruktur für Kinder haben wir im Projektheft 1 veröffentlicht. Ein Anliegen des Projekts war es, die Differenziertheit des konkreten Kinderalltags in seinem Bezug auf die regionalen Bedingungen des Wohnumfeldes aufzuzeigen. Diese Differenzen ergeben sich zum einen aus der unterschiedlichen Nutzung durch die Kinder selbst und zum anderen aus den strukturellen Unterschieden zwischen den Regionen. Unsere Untersuchungsgruppe stellten alle Kinder zwischen 5 und 11 Jahren dar, die beim Einwohnermeldeamt in den drei Stadtvierteln mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit gemeldet waren. Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, wurden aus dem Sample herausgenommen. Ihre besondere Lebenssituation wurde in einer vom Projekt in Auftrag gegebenen Expertise in den Blick genommen (Projekt