UNICEF Deutschland setzt sich seit 70 Jahren für eine gute Kindheit weltweit ein. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die UN-Kinderrechtskonvention, in welcher die Rechte der Kinder und Jugendlichen verankert sind, und auch die Nachhaltigkeitsziele der UNO. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht UNICEF einen Bericht zur Lage der Kinder. Es werden hier vielfältige Aspekte des kindlichen Aufwachsens in den Blick genommen und die Frage gestellt, wie allen jungen Menschen in Deutschland vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft ein gutes Aufwachsen ermöglicht werden kann.

Der "UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025" wurde am Deutschen Jugendinstitut (DJI) erstellt. Ein Team von Autor:innen wertete auf Grundlage des von UNICEF entwickelten Konzepts des kindlichen Wohlbefindens sowie der daraus abgeleiteten Indikatordimensionen (Bertram, 2016) Daten des DJI-Surveys "Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" (AID:A) sowie weiterer repräsentativer Studien und amtlicher Statistiken aus. Dazu zählen unter anderem die "EU-Statistik zu Einkommen und Lebensbedingungen" (EU-SILC), die Studie "Health Behavior in School-aged Children" (HBSC) und das "Programme for International Student Assessment" (PISA).

Am 12. November wurde der UNICEF-Bericht 2025 im Rahmen einer Bundespressekonferenz in Berlin veröffentlicht.
Bericht, Zusammenfassung und Online-Anhang stehen unten zum Download zur Verfügung.

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Zweifelsohne zählt Deutschland zur Gruppe der wohlhabenden Staaten mit demokratischer Grundordnung, die eine Vielzahl positiver Bedingungen für das Aufwachsen der Kinder und Jugendlichen bieten. Dennoch sind bei einem Teil der jungen Menschen auch in Deutschland die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen ungünstig und die Verwirklichung der Kinderrechte ist daher zum Teil problematisch. Dies sind vor allem Kinder und Jugendliche, die Deutsch nicht als Erstsprache sprechen, deren Eltern ein niedriges Einkommen zur Verfügung haben oder die mit mehr als zwei Geschwistern aufwachsen. Besonders gefährdet sind elternlose Kinder und Jugendliche oder diejenigen alleinerziehender Eltern sowie junge Menschen mit Fluchterfahrung.

Der regelmäßig erscheinende UNICEF-Bericht zeigt, welche Aspekte des kindlichen Aufwachsens genauer betrachtet werden müssen und an welchen Stellen dringende Investitionen notwendig sind, um allen Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen in Deutschland vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu ermöglichen.

Wie in den letzten Berichten zeichnet eine Sekundäranalyse international vergleichender Daten ein umfassendes Bild der Bedingungen des Aufwachsens für Kinder und Jugendliche in Deutschland und ermöglicht den Vergleich mit anderen Ländern. Hierzu wurden auf Basis empirischer Daten Aussagen zum Wohlbefinden von jungen Menschen getroffen, zentrale Trends und Herausforderungen beschrieben sowie politische und gesellschaftliche Handlungsoptionen abgeleitet.

Grundlegend hierfür ist das von UNICEF entwickelte Konzept zum kindlichen Wohlbefinden sowie die daraus abgeleiteten Indikatordimensionen (Bertram 2016). Letztgenannte bilden einzelne Aspekte gelingender kindlicher Entwicklung und ihrer sozialen Bedingungen empirisch ab. Sie erlauben eine an der Verbesserung der Lebensbedingungen von jungen Menschen orientierte Sozialberichterstattung und die Ableitung von entsprechenden politischen und gesellschaftlichen Handlungsoptionen.

Zudem wurden Kinder und Jugendliche selbst im Rahmen mehrerer Workshops an der Erstellung des UNICEF-Berichts 2025 entsprechend der 1998 verabschiedeten Kinderrechtskonvention beteiligt (Kinder- und Jugendworkshops).

Ein Team aus 23 Jugendlichen aus dem Kontext von UNICEF hat den Bericht im Rahmen einer konsultativen Beteiligung begleitet. Die Arbeit bis zur Berichtsveröffentlichung fand im Rahmen von zwei Workshop-Treffen statt:

  • Workshop 1 (September 2024): Einordnung der geplanten Themenschwerpunkte aus der Perspektive von Jugendlichen, ergänzende relevante aktuelle gesellschaftliche und individuelle Herausforderungen aus dem Blickwinkel der Jugendlichen, die eine breite jugendspezifische Einordnung der geplanten Themen erlauben
  • Workshop 2 (März 2025): Interpretation der Ergebnisse im Rahmen einer lebensweltlichen Einordnung durch Jugendliche, erweiterte Deutungsoptionen und alternative Relevanzsetzungen

Die Ergebnisse aus Workshop 1 und Workshop 2 wurden dokumentiert und sind in den Bericht 2025 eingeflossen.

Nach der Berichtsveröffentlichung werden die Ergebnisse in einem dritten Workshop (erstes Quartal 2026) einem breiteren Kreis von Kindern und Jugendlichen vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Ziel ist die Einholung einer individuellen Einordnung der Themen aus einer lebensweltnahen Perspektive, sowie einer Dokumentation zur inhaltlichen und methodischen Planung des Folgeberichts.

Bertram, Hans (2016): Kindliches Wohlbefinden: Von Kinderarmut und Fürsorge zur kindlichen Teilhabe. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 11. Jg., H. 3, S. 269-285

Walper, S., Kuger, S., Naab, T., Weis, M., Wölfl, J., Chabursky, S., Langmeyer, A., Braukmann, J. & Sedlmayr, S. (2025). Eine Perspektive für jedes Kind: UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025. Köln: UNICEF.

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