Am Übergang von der Schule in den Beruf durchlaufen junge Menschen eine besonders vulnerable biographische Phase, die von zahlreichen Statuswechseln und damit häufig auch dem Verlust von Bezugspersonen sowie mit Orientierungserfordernissen in neuen sozialen Beziehungsgeflechten verbunden ist. Gravierende berufsbiographische Entscheidungen werden - wie auch DJI-Studien dies u.a. belegen - durch Mobbingphänomene negativ mit beeinflusst. Nicht selten sind Abbrüche von Qualifikationsepisoden oder eine Reduzierung des beruflichen Anspruchsniveaus die Folge. Hierbei tritt Mobbing unter Jugendlichen vorrangig in klassenförmig strukturierten Kontexten auf: vor allem in allgemein- und berufsbildenden Schulen, aber auch in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Die Rahmenbedingungen für die Berufsschulsozialarbeit sind dabei denkbar ungünstig. Bei Berufsschulen handelt es sich häufig um anonyme Ausbildungszentren mit mehreren tausend Berufsschülerinnen und -schülern. Gleichzeitig liegt ihr Aufgabenschwerpunkt von Seiten der Angebotsträger oft in der Vermeidung von Abbrüchen der aufgenommenen Berufsausbildung bzw. der berufsbildenden Maßnahmen. Wenngleich inzwischen einige Ansätze - wie etwa No-Blame-Ansatz oder Fairnes- sowie Anti-Aggressionstrainings - zur Prävention und Begegnung von Mobbing entwickelt wurden, fehlt es der Praxis noch an Hintergrundwissen und validierten Interventionsinstrumenten. Hier besteht insbesondere für die Arbeit der Jugendsozialarbeit an beruflichen Schulen ein enormer Erkenntnisbedarf, um Mobbing- Phänomenen unter älteren Jugendlichen begegnen zu können.

In diesem Projekt sollen bundesweit 4 Schulstandorte in zwei Bundesländern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgewählt werden, um Mobbingphänomene zu beschreiben und die Grenzen bestehender Interventionen zu identifizieren. An jeder der 4 Schulen werden 2 Klassen ausgewählt, in denen aktuelle oder zurückliegende Mobbing-Fälle aufgetreten sind – nach Möglichkeit eine im Bereich der Berufsvorbereitung und eine zweite im Bereich der Berufsausbildung. Experteninterviews mit je einem/r Schulsozialarbeiter/in und einem/r Vertrauenslehrer/in der Schule sollen der Gewinnung von Feldwissen sowie von Hinweisen zu konkreten Mobbing-Vorfällen dienen. Es werden daraufhin jeweils zwei narrative Interviews pro Klasse mit beteiligten Jugendlichen durchgeführt. Insgesamt sind somit 24 Interviews vorgesehen. Ein Expert/innen-Workshop mit ca. 25 sozialpädagogischen Fachkräften dient der Weiterentwicklung von geeigneten Interventionsansätzen auf Grundlage der gewonnenen Aufschlüsse. Auf Tagungen werden die Ergebnisse dieser Entwicklungsarbeit pädagogischen Akteur/innen zugänglich gemacht und einer breiten Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Ergebnisse der Studie sollen in Form des zu erarbeitenden Handbuches zum Thema Mobbing an beruflichen Schulen und dem diesbezüglichen Fortbildungskonzept für Pädagoginnen und Pädagogen sowie auch lokalen Akteuren der Sozialen Arbeit zugutekommen.

Kontakt

+49 345 68178-26
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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