Die demografische Entwicklung mit einer steigenden Lebenserwartung älterer Menschen führt zu dem relativ jungen Phänomen, dass heutige Großeltern eine sehr lange Zeitspanne zusammen mit ihren Enkelkindern verbringen können. Noch vor der Mitte des 20. Jahrhunderts waren eigenständige, von der Elterngeneration losgelöste Großeltern-Enkel-Beziehungen eher die Ausnahme. Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob und wie Familien dieses neue Potenzial der von den verschiedenen Generationen gemeinsam verbrachten Zeit nutzen. Die konkrete Gestaltung der Beziehung zu Enkelkindern erlaubt heute überraschend viele Freiräume. Immer häufiger gestalten Großväter und Großmütter diese generationenübergreifenden Beziehungen gezielt und aktiv. Allerdings muss hierfür die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme ohne größeren Aufwand bestehen. Von den Betroffenen wird die Großelternrolle zumeist als positiv erlebt. Zudem konnten verschiedene Studien zeigen, dass eine positive Großelternidentität sowie Nähe zwischen Großeltern und Enkeln zu Wohlbefinden und psychischer Gesundheit beitragen.

Die Studie zur Generationenübergreifenden Zeitverwendung soll dazu dienen, den Kenntnisstand zur Situation von Großeltern, Eltern und Enkel zu verbessern. Insbesondere sollen Fragen zur Kontakthäufigkeit und Ausgestaltung von Großeltern-Enkel-Beziehungen in den Blick genommen werden, wobei der Fokus auf die Veränderung der Zeitverwendung zwischen Großeltern und Enkel über die letzten Jahre gerichtet ist. Dabei werden mögliche Einflussfaktoren wie beispielsweise das Alter und Geschlecht von Großeltern und Enkelkindern, die Wohnortdistanz, der Gesundheitszustand der Großeltern sowie sozioökonomische Faktoren untersucht. Darüber hinaus wird auch die Bedeutung der Eltern für die Gestaltung der Großeltern-Enkel-Beziehung betrachtet. Ziel der Studie ist es, Anknüpfungspunkte für die Verbesserung der Generationenbeziehungen zu erarbeiten, welche als Grundlage für eine gelingende Generationenpolitik dienen sollen. Im Rahmen einer Fachtagung soll die Möglichkeit dafür geboten werden, die Ergebnisse der Studie in den Zielgruppen Politik, Fachpraxis und Zivilgesellschaft zu diskutieren, sich interdisziplinär, und detailliert über den aktuellen Forschungsstand auszutauschen und konkrete Anregungen für die verschiedenen Handlungsfelder zu erhalten.

Um die dargestellten Untersuchungsschwerpunkte zu erforschen, wird eine sekundärdatenanalytische Auswertung zweier Langzeitstudien durchgeführt. Zum einen wird hierfür der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beauftragte „Deutsche Alterssurvey (DEAS)“ des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) verwendet, welcher Einblicke in die subjektiven und objektiven Lebensbedingungen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte gibt. In dem kohortensequenziellen Stichprobendesign werden die Teilnehmenden unter anderem zum Themenbereich „Kinder und Enkelkinder“ befragt, wodurch ein Einblick in die Ausgestaltung der Großeltern-Enkelkind-Beziehung möglich ist. Desweiteren werden Daten der DFG-geförderten Panelstudie „Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics (pairfam)“ zur Analyse herangezogen. Das Kohortendesign der Studie ermöglicht es, neben querschnittlichen Analysen auch Veränderungen im Längsschnitt abzubilden und die Einflussfaktoren auf die Kontakthäufigkeit und Qualität der Großeltern-Enkel-Beziehung zu untersuchen. Zudem können durch das Multi-Actor-Design Angaben der Großeltern zu den Angaben von Eltern und Enkeln in Beziehung gesetzt werden. Die quantitativen Analysen werden schließlich um sechs Experteninterviews mit drei Großelternpaaren aus dem Großraum München ergänzt, um tiefer greifende Informationen zur Qualität der Großeltern-Enkel-Beziehung zu erlangen.

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+49 89 62306-542
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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