Angesichts des stetigen gesellschaftlichen Wandels, muss die Situation von Kindern, Jugendlichen und Familien als ihr primärer Aufwachsenskontext immer wieder neu betrachtet werden, um Bedingungen gelingenden Aufwachsens und erfolgreicher Sozialisation analysieren zu können. Bei allen Fragen des gelingenden Aufwachsens, des Erwachsenwerdens und des Erwachsen­seins ist das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen von besonderem Forschungsinteresse. Zum einen leben hier zahlenmäßig die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter – aus Sicht des Bildungssystems und des Systems der Kinder- und Jugendhilfe – relativ einheitlichen Bedingungen. Zum anderen zeigen sich aber auch innerhalb des Bundeslandes starke regionale Disparitäten zwischen Metropolregionen und ländlichen Regionen sowie zwischen Großstädten unterschiedlicher Entwicklungsdynamiken und -perspektiven.

Im Rahmen von AID:A wird der Auftrag zur Beschreibung der aktuellen Situation in regelmäßigen Abständen durch integrierte Surveyforschung unterstützt. Die neueste Welle von AID:A liegt Ende 2019 vor. Der Wert der Studie liegt in seiner konzeptionellen und technischen Abgrenzung zu anderen Studien in Deutschland und zeigt sich nicht zuletzt auch in der deutschlandweit repräsentativen Stichprobe. Im Rahmen der Haupterhebung von AID:A 2019 sind die erhobenen 6.000 Haushalte über ganz Deutschland verteilt. Für einen vertieften Einblick in regionale Aufwachsensbedingungen eines bestimmten Bundeslandes ist diese Stichprobe allerdings bei weitem nicht ausreichend.

In Ergänzung zur AID:A 2019 Hauptstichprobe wird daher Ende 2019 eine Ergänzungsstichprobe zusätzlicher Haushalte in NRW erhoben. Das Design ist so angelegt, dass alle im Rahmen von AID:A 2019 verfolgten Arbeitsschwerpunkte vertieft ausgewertet und darüber hinaus regional kontextualisiert werden können. Mithilfe dieser Ergänzung liegt eine ausreichende Abdeckung auch weniger dicht besiedelter Gebiete in NRW vor, um gezielte Analysen für ein einzelnes Bundesland sowie kleinräumigeren Gebietseinheiten darin durchführen zu können.

Zudem sollen Fragestellungen vertieft ausgewertet werden, die speziell für den hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Gesamtbevölkerung von NRW relevant sind. Besonders im Fokus des Projekts stehen daher Nutzungsmuster sowie mittelfristige Effekte der Nutzung von Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Jugendarbeit. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe liegen nur wenig empirisch begründete Erkenntnisse zu ihren Effekten auf ihre Adressat(inn)en vor. Zwar wird ihr eine wichtige gesellschaftliche Funktion für das Aufwachsen junger Menschen zugeschrieben (Deutscher Bundestag 2017; Rauschenbach et al. 2010), die Literaturlage ist jedoch äußert heterogen. AID:A 2019 bietet die Gelegenheit über Surveys zu Freizeitgestaltung und freiwilliges Enengagement von Kindern und Jugendlichen hinaus (z. B. Albert 2015) weitere Rahmenbedingungen der Lebenslagen, Wertvorstellungen und Zukunftsperspektiven der Befragten zu berücksichtigen. Weitere Verknüpfungen der Auswertung von Aspekten der Nutzung von Angebtoten der Kinder- und Jugendhilfe bzw. der Jugendarbeit werden daher sein die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen, ihre Bildung in verschiedenen (v.a. auch non-formalen) Kontexten und ihre soziale Beziehungsgestaltung.

Um weiterreichende Analysen der Population der Kinder, Jugendlichen und Familien in Nordrhein-Westfalen zu ermöglichen, wird nach der Feldphase der Hauptstichprobe von AID:A 2019 eine Erweiterungsstichprobe speziell in NOrdrhein-Westfalen rekrutiert. Dafür werden weitere 1.300 Haushalte in NRW so gezogen, dass zusammengenommen mit der AID:A 2019 Hauptstichprobe alle Kreise und kreisfreien Städte berücksichtigt sind und Gebiete gröberer Clusterung (Regierungsbezirke oder Regionen) vergleichend analysiert werden können. Das Gesamtdesign der Erhebung orientiert sich auch im weiteren Vorgehen an der AID:A 2019 Haupterhebung. Mittels des AID:A 2019 Instrumentariums werden persönliche Interviews in den Haushalten der befragten Personen durchgeführt. Es kommen alle Haushaltsangehörigen und damit Zielpersonen selbst, Auskunftspersonen stellvertretend für junge Kinder und Eltern von Minderjährigen Zielpersonen zu Wort.

Die Datenerhebung für die Ergänzungsstichprobe AID:A 2019 NRW+ wird im Herbst 2019 beginnen und voraussichtlich noch vor dem Jahreswechsel abgeschlossen sein. Eine erste Datenlieferung ist für den Anfang des Jahres 2020 zu erwarten. Es folgen dann die Schritte der Datenbereinigung und -aufbereitung, so dass im Frühjahr 2020 mit ersten auswertbaren Daten zu rechnen ist, die im Lauf des Frühsommers noch hinsichtlich der Prüfung der Repräsentativität und der Gewichtung zu erweitern sind. Dementsprechend kann im Frühsommer eine erste Vorabauswertung erfolgen, die sowohl den Wert des Datensatzes beschreibt, als auch einen ersten Einblick in die empirischen Grundlagen für einen eigenen Kinder- und Jugendbericht des Bundeslandes ermöglicht.

In Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen des Forschungsverbunds mit der TU Dortmund werden in der zweiten Jahreshälfte Fragen der Bedeutung kumulierter Erfahrungen in non-formalen Bildungsangeboten der Jugendarbeit für die Bildungs- und Erwerbskarrieren von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorangetrieben.

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.) (2018): Bildung in Deutschland 2018. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung

Fasang, Anette Eva/Huinink, Johannes/Pollmann-Schult, Matthias (2016): Aktuelle Entwicklungen in der deutschen Familiensoziologie. Theorien, Daten, Methoden. In: Zeitschrift für Familienforschung ZfF, 28. Jg., S. 197–210

Kluczniok, Katharina/Lehrl, Simone/Kuger, Susanne/Roßbach, Hans-Günther (2013): Quality of a Home Learning Environment During Preschool Age – Domains and Contextual Conditions. In: European Early Childhood Education Research Journal, 21. Jg., H.3, S. 420–438

Kuhnt, Anne-Kristin/Steinbach, Anja (Hrsg.) (2017): Die Rolle von Familien für Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 38. Jg. H. 3, S. 232–251

Simonson, Julia/Vogel, Claudia/Tesch-Römer, Clemens (Hrsg.) (2017): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden

Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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