Obwohl Frauen heute häufiger als Männer das Abitur erreichen, lassen sich nach wie vor deutliche Unterschiede hinsichtlich der Erwerbstätigkeit von Frauen und der von Männern feststellen (Charles/Grusky, 2004; Jarman et al, 2012). Der geschlechtersegregierte Arbeitsmarkt ist jedoch nicht nur unter dem Aspekt der sozialen Ungleichheit problematisch, sondern auch ökonomisch ineffizient (Anker, 1997). Neben Interventionen, die das geschlechterstereotype Nachfrageverhalten von Betrieben durchbrechen, ist es daher notwendig, die Ursachen geschlechtsbezogener Unterschiede im Berufswahlverhalten in den Blick zu nehmen. Geschlechterdifferenzen im Berufsfindungsprozess wurden bislang überwiegend im Kontext der Strukturen des Bildungs- und Ausbildungssystems analysiert. Wenig erforscht ist dagegen, welche Rolle außerinstitutionelle Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen bei der Entwicklung von Berufsaspirationen spielen. Der Sozialisationstheorie folgend sind geschlechtstypische Berufsentscheidungen das Ergebnis eines durch schulische und außerschulische Instanzen und Aktivitäten geprägten Prozesses, in dem kulturell festgelegte Geschlechterstereotype hinsichtlich Kompetenzen und Lebenszielen vermittelt werden (Marini/Brinton 1984, Correll 2004). Sozialisationstheoretische Ansätze bieten auf individueller Ebene aber auch eine Erklärung für geschlechtsuntypisches Berufswahlverhalten, sofern z.B. geschlechtsuntypische Lernerfahrungen gemacht wurden oder entsprechende Rollenvorbilder bestehen.

Im Rahmen des Projekts werden folgende Forschungsfragen verfolgt:

  • Welche Mechanismen führen zur Entwicklung geschlechts(un)typischer Berufsaspirationen
  • Inwieweit lassen sich an informellen und nonformalen Lernorten Ansatzpunkte zur Erweiterung des Berufswahlspektrums von jungen Frauen und Männern finden
  • Welchen Herausforderungen stehen Jugendliche mit geschlechtsuntypischen Berufsaspirationen am Übergang in Ausbildung und Erwerbsarbeit gegenüber?

Datengrundlage für die Analysen bilden die beiden Erhebungswellen aus den Jahren 2009 und 2014 des DJI-Surveys "Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)".

Anker, Richard (1997): Theories of Occupational Segregation by Sex: An Overview.

Charles, Maria /Grusky, David B. (2004): Occupational Ghettos: The Worldwide Segregation of Women and Men. Stanford: Stanford University Press.

Correll, Shelley J. (2004): Constraints into Preferences: Gender, Status and Emerging Career Aspirations. American Sociological Review 69, 1, S. 93-113

Jarman, Jennifer/Blackburn, Robert/Racko, Girts (2012): The Dimensions of Occupational Gender Segregation in Industrial Countries. Sociology 46, 6, S. 1003-1019

Marini, Margaret M./Brinton, Mary C. (1984): Sex Typing in Occupational Socialization. In: Reskin, B.F. (Hrsg.): Sex Segregation in the Workplace: Trends, Explanations, Remedies. Washington DC: National Academy Press






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Deutsches Jugendinstitut
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