Die Pubertät markiert den Auftakt des Jugendalters, das auf biologischer, sozialer und psychologischer Ebene mit vielfältigen Veränderungen verbunden ist. Im Zuge der Geschlechtsreifung vollziehen sich markante körperliche und neurologische Entwicklungen, die ein verändertes Selbstverständnis und Verhalten im sozialen Kontext mit sich bringen. Vor allem die Eltern-Kind-Beziehungen, aber auch die Freundschafts-beziehungen erfahren einen merklichen Umbruch (Steinberg 2008; Steinberg 2002).

Die Jugendphase ist im Wesentlichen geprägt durch Verselbstständigung und Autonomieentwicklung, durch das Verhandeln von Privatheit und Unabhängigkeit von der elterlichen Kontrolle sowie einer stärkeren Hinwendung zu Gleichaltrigen (Bacigalupe 2011, S. 12).

Für Eltern ist diese Phase im Spannungsfeld zwischen elterlicher Verantwortung und Förderung der Verselbständigung ihrer Kinder mit beträchtlichen Herausforderungen verbunden und bringt oft Verunsicherungen mit sich (Walper/Gniewosz 2018). Entsprechend steigt mit dem Eintritt der Kinder in das Jugendalter auch der Orientierungs- und Beratungsbedarf der Eltern (Neumann/Smolka 2016).

Das Projekt nimmt Familien mit jugendlichen Kindern in den Blick. Konkret werden im Rahmen des Projektes folgende Fragen gestellt:

  1. Wie gestalten sich die Beziehungen und Interaktionen in Familien mit jugendlichen Kindern?
  2. Welche Erziehungsthemen werden für Eltern in dieser Familienphase relevant, wie geht es ihnen damit und welche Lösungswege finden Sie?
  3. Welche Themen nehmen die Expertinnen und Experten der Familienbildung und –beratung in Familien mit jugendlichen Kindern aktuell war und welche Lösungsansätze empfehlen sie?
  4. Wie verändern sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Familien mit jugendlichen Kindern, z.B. in Bezug auf Haftbarkeit, auf den Konsum von Genussmitteln wie Rauchen, Alkohol u.a.?

Zur Beantwortung dieser Fragestellungen verfolgt das Projekt „Familien in der Pubertät“ einen Mixed-Methods-Ansatz und bringt Ergebnisse aus bevölkerungsrepräsentativen Analysen des DJI-Surveys AID:A mit qualitativen Befunden, die in Fokusgruppendiskussionen gewonnen werden, zusammen.

In den Fokusgruppendiskussionen sollen zunächst Expertinnen und Experten aus der Familienbildung und der Erziehungsberatung zu Wort kommen, die vor allem über den Wandel der „Problemzonen“ in der Erziehung von Jugendlichen und „typische Erziehungsthemen“, mit denen die Eltern in die Beratung kommen, Auskunft geben können. Weitere Fokusgruppendiskussionen sind mit Eltern jugendlicher Kindern geplant, die über für sie aktuell relevante Erziehungsthemen und Lösungsstrategien diskutieren sollen. Wichtig ist dabei auch, über welche Kanäle sich die Eltern zu Erziehungsthemen informieren und wo sie Bedarfe sehen.

In dem quantitativen Teilprojekt sollen mithilfe von Sekundärdaten des Deutschen Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) sowie des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A)) die Erziehungsstile- und konflikte, Eltern-Kind-Beziehungen, gemeinsame Aktivitäten von Familien mit Kindern bzw. Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren genauer beleuchtet werden. Die Auswertungen sollen verschiedene Milieus (sozial, kulturell) sowie Familienformen (Kernfamilien, Stieffamilien, Alleinerziehende) und –größen (Ein-, Zwei-, Drei- und Mehrkindfamilien) vergleichen.

Bacigalupe, Gonzalo (2011): Families, Emergent Technologies, and Adolescence. In: The Family Psychologist, 27. Jg., H. 2, S. 11–13

Kleinschrot, Leonie/Castiglioni, Laura (2020): Ergebnisse der Evaluationsstudie "Stark durch Erziehung". Deutsches Jugendinstitut e.V.

Neumann, Regina/Smolka, Adelheid (2016): Familienbildung aus Sicht Bayerischer Mütter und Väter. ifb Bamberg

Steinberg, Laurence D. (2002): Adolescence. 6. ed. Boston

Steinberg, Laurence (2008): A Social Neuroscience Perspective on Adolescent Risk-Taking. In: Developmental review : DR, 28. Jg., H. 1, S. 78–106

Walper, Sabine/Gniewosz, Burkhard (2018): Die Bedeutung der Familie im Jugendalter. In: Gniewosz, Burkhard/Titzmann, Peter (Hrsg.): Handbuch Jugend. Psychologische Sichtweisen auf Veränderungen in der Adoleszenz. Stuttgart, S. 71–88

 

 

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Kontakt

+49 89 62306-317
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
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