Wie Paare Erwerbs-, Familien- und Hausarbeit aufteilen, hängt nicht allein von den Rahmenbedingungen ab, die Politik und Arbeitgeber vorgeben, sondern wird auch durch Geschlechternormen mitbestimmt (z. B. Kühhirt 2012; Schulz & Blossfeld 2006). Doch wie werden diese Geschlechterrollenvorstellungen herausgebildet? Internationale Studien weisen darauf hin, dass dabei die genderspezifische Sozialisation während der Kindheit und Jugend eine große Rolle spielt (z. B. Cunningham 2001; Platt & Polavieja 2016) .

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt „Entwicklung von Familienbildern - AID:A-Panel III“, welchen Einfluss die Rolleneinstellungen und Arbeitsteilungsmuster der Eltern auf die Vorstellungen ihrer Kinder zu Partnerschaft, Elternschaft und familialer Arbeitsteilung haben. Es wird davon ausgegangen, dass ein solcher Zusammenhang insbesondere bei jungen Erwachsenen gut nachzuweisen ist, da sich deren Leitbilder zu Partnerschaft und Familie noch eher an den Erfahrungen in ihrer Kindheit orientieren als beispielweise jene von Frauen und Männern, die sich bereits in der „Rush-Hour des Lebens“ befinden. Bei Letzteren dürften vor allem berufliche, finanzielle und  partnerschaftliche Rahmenbedingungen für das Aufteilungsarrangement bedeutend  sein.

Um den skizzierten Zusammenhang zu untersuchen, werden Daten der ersten (2009) und zweiten Welle (2013/14) des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) ausgewertet. Außerdem wird die im Rahmen des Projekt eigens erhobene dritte Befragungswelle (2018) einbezogen, in der die heute 16-27-Jährigen gezielt nach ihren Vorstellungen zu Geschlechter- und Elternrollen sowie zur angestrebten Arbeitsteilung in ihrer (künftigen) Partnerschaft bzw. Familie befragt wurden. Das Multi-Actor-Design, bei dem  verschiedene Familienmitglieder befragt wurden, und der lange Erhebungszeitraum von fast zehn Jahren ermöglichen es, Aspekte der Transmission von Geschlechterrollen im Längsschnitt zu erheben und zu analysieren.

Hängen die Vorstellungen junger Erwachsener zur Aufteilung der Erwerbsarbeit damit zusammen, wie ihre Eltern diese aufgeteilt haben? Sind diese Zusammenhänge durch die eigenen Gender- und Paarkonzepte der Kinder vermittelt?

Inwieweit hängen Vorstellungen junger Erwachsener zur Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung damit zusammen, wie ihre Eltern diese aufgeteilt haben? Sind eher die Einstellungen der Eltern oder deren Verhalten relevant? Welchen Einfluss hat die eigene Beteiligung an der Hausarbeit? Welche Rolle spielen Geschwister?

Welchen Einfluss hat die Beziehung zur Mutter bzw. zum Vater auf die Vorstellungen junger Erwachsener zur Betreuungs- und Erziehungsrolle ?

Erste Ergebnisse zeigen einen robusten Zusammenhang zwischen dem elterlichen Erwerbsarrangement und den Vorstellungen ihrer Kinder. Jugendliche, deren Eltern die Erwerbsarbeit egalitär aufteilten (in den überwiegenden Fällen bedeutet dies, dass beide Elternteile vollzeiterwerbstätig waren), befürworten ein höheres Erwerbsarbeitszeitvolumen für Mütter als jene, die in einem männlichen Alleinverdienermodell groß wurden. Zudem ist von allen bei der Mutter gemessenen Dimensionen der Geschlechterrolleneinstellungen nur eine relevant, dies ist die Zustimmung zu mehr Frauen in öffentlichen und politischen Führungspositionen: Je progressiver hierzu die Einstellungen der Mutter ausfallen, desto höher der Erwerbsumfang, den die männlichen Jugendlichen für Mütter als ideal ansehen. Zu den Vorstellungen weiblicher Jugendlicher zeigten sich diesbezüglich keine signifikanten Assoziationen. Hingegen unterstützen die Daten beim erlebten elterlichen Erwerbsarrangement einen signifikanten Zusammenhang zu den Vorstellungen sowohl der Söhne als auch der Töchter. Insgesamt stützen die Ergebnisse die These, dass der Fortbestand geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungsmuster neben strukturellen Bedingungen auch durch Sozialisationserfahrungen im Elternhaus bedingt ist.

Cunningham, Mick (2001): The Influence of Parental Attitudes and Behaviors on Children's Attitudes Toward Gender and Household Labor in Early Adulthood. In: Journal of Marriage and Family, 63.Jg., H.1, S. 111–122

Kühhirt, Michael (2012): Childbirth and the Long-Term Division of Labour within Couples. How do Substitution, Bargaining Power, and Norms affect Parents' Time Allocation in West Germany? In: European Sociological Review, 28.Jg. H.5, S. 565–582

Platt, Lucinda/Polavieja, Javier (2016): Saying and Doing Gender: Intergenerational Transmission of Attitudes towards the Sexual Division of Labour. In: European Sociological Review, 32.Jg., H.6, S. 820–834

Schulz, Florian/Blossfeld, Hans-Peter (2006): Wie verändert sich die häusliche Arbeitsteilung im Eheverlauf? Eine Längsschnittstudie der ersten 14 Ehejahre in Westdeutschland. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 58.Jg., H.1, S. 23–49

 

 

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