Bislang kommen Jugendliche mit Behinderungen in „allgemeinen“ quantitativen Jugendstudien kaum vor. Bestehende Forschung zu diesen Jugendlichen verläuft hauptsächlich im Kontext von schulischer Bildung einerseits und Rehabilitation/Förderung andererseits. Demgegenüber fehlt Wissen über den außerschulischen Alltag von Jugendlichen mit Behinderungen, beispielsweise zu Freundschaften, Freizeitaktivitäten, Verselbständigung und Wohlergehen. Auch die Politik sieht in dem bestehenden Mangel an Daten zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderung einen Handlungsbedarf: Das 2006 beschlossene und 2009 in Deutschland in Kraft getretene „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ der Vereinten Nationen verpflichtet Vertragsstaaten „zur Sammlung geeigneter Informationen, einschließlich statistischer Angaben und Forschungsdaten, die [...] ermöglichen, politische Konzepte zur Durchführung dieses Übereinkommens auszuarbeiten und umzusetzen“ (§31). Mit dem derzeit laufenden Bundesteilhabesurvey ist ein wichtiger Schritt getan, die Situation von Menschen mit Behinderungen empirisch genauer beschreibbar zu machen. Allerdings adressiert dieser Survey hauptsächlich Erwachsene, weshalb Jugendliche mit ihren altersspezifischen Bedarfen unberücksichtigt bleiben.

Genau diese Forschungslücke greift die von der Baden-Württemberg Stiftung in Auftrag gegebene quantitativ angelegte Jugendstudie „Aufwachsen und Alltagserfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung“ auf. Das Forschungsvorhaben wird die zu erwartenden Befunde nutzen, um Herausforderungen und Entwicklungsbedarfe in der Fachpraxis zu identifizieren. Aus den Erfahrungen der Jugendlichen können Hinweise für Struktur- und Organisationsentwicklungsprozesse im Sinne von Handlungsbedarfen für die Ausgestaltung von Praxisangeboten erkennbar werden. Angesprochen sind hier vor allem die Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Behindertenhilfe. Mögliche Diskussionszusammenhänge wären etwa eine verstärkte inklusive Ausrichtung von (Freizeit-)Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, die Weiterentwicklung von inklusiven Schul-/Unterrichtsformen oder Entwicklungsbedarfe in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe im Sinne einer Öffnung in den Sozialraum.

Darüber hinaus dienen die Erhebung und Verbreitung von Informationen zur Lebenssituation von Jugendlichen mit Behinderung dazu, die gesellschaftliche Sichtbarkeit einer Gruppe von Jugendlichen zu erhöhen, die oftmals Gefahr läuft, aus dem öffentlichen Blick zu geraten. So können diese Jugendlichen stärker als bisher als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen werden.

Kontakt

+49 89 62306-306
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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