In der Jugendforschung existieren nur vereinzelte empirische Befunde zu Alltagspraxen Jugendlicher mit Behinderungen. Auch in Standardwerken und Handbüchern der Kindheits- und Jugendforschung fehlen vielfach klassische Themen der Jugendforschung bezogen auf Jugendliche mit Behinderungen (Hurrelmann/Quenzel 2013; Krüger/Grunert 2010). Offizielle Quellen zur Situation von Menschen mit Behinderungen wie der Teilhabebericht der Bundesregierung (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2013) sowie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2011) weisen dezidiert auf das Fehlen inklusiver Forschungsstrategien, eine unzureichende Datenlage und die Notwendigkeit von differenzierten Forschungsdaten zu Menschen mit Behinderungen hin.

Ein naheliegender Grund für die Abstinenz der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung ist ein Mangel an angemessenen, insbesondere quantitativen Erhebungsmethoden und -instrumentarien. Die bisherige Perspektive, dass Menschen mit Behinderungen aufgrund ihrer Beeinträchtigung für die Teilnahme an standardisierten Befragungen nicht ausreichend kompetent seien, gilt es dahingehend zu verändern, dass es Aufgabe „inklusiver“ Forschung ist, angemessene Erhebungsinstrumente zu entwickeln, die den individuellen Möglichkeiten junger Menschen mit Behinderungen gerecht werden. Inklusive Forschungsstrategien führen dann nicht zu einer systematischen Exklusion von (jungen) Menschen mit Behinderungen aus Forschungsdesigns und Stichproben aufgrund „methodischer Barrieren“, sondern bieten Befragungsmodi an, die den Möglichkeiten von Menschen mit unterschiedlichen Formen von Behinderungen angemessen sind. 

Die Methodenstudie sollte anhand einer exemplarischen Fragestellung zu Freundschaften und Peerbeziehungen die Entwicklung von quantitativen Instrumenten zur Befragung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Formen von Beeinträchtigung befördern. Ziel war es, künftig geeignete Instrumente für die Befragung dieser Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (2013): Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen. Teilhabe - Beeinträchtigung – Behinderung. Bonn

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (2011): Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Bonn

Gerich, Joachim/Lehner, Roland/Fellinger, Johannes/Holzinger, Daniel (2003): ANIMAQU - eine computerbasierte Befragung als Möglichkeit zur Erfassung besonderer Zielgruppen: ein Beispiel einer Anwendung bei gehörlosen Menschen. In: ZUMA Nachrichten, 27. Jg., H. 52, 35-54

Hurrelmann, Klaus/Quenzel, Gudrun (2013): Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim

Krüger, Heinz-Hermann/Grunert, Cathleen (2010): Handbuch Kindheits- und Jugendforschung. Wiesbaden

Schröttle, Monika/Hornberg, Claudia (2013): Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland. Ergebnisse der quantitativen Befragung. Endbericht. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). Berlin

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+49 89 62306-306
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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