In der aktuellen Jugendforschung existieren nur vereinzelte empirische Befunde zu Alltagspraxen Jugendlicher mit Behinderungen. Auch in Standardwerken und Handbüchern der Kindheits- und Jugendforschung fehlen vielfach klassische Themen der Jugendforschung bezogen auf Jugendliche mit Behinderungen. Offizielle Quellen zur Situation von Menschen mit Behinderungen wie der Teilhabebericht der Bundesregierung sowie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen weisen dezidiert auf das Fehlen inklusiver Forschungsstrategien, eine unzureichende Datenlage und die Notwendigkeit von differenzierten Forschungsdaten zu Menschen mit Behinderungen hin.

Ein naheliegender Grund für die Abstinenz der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung ist ein Mangel an angemessenen, insbesondere quantitativen Erhebungsmethoden und -instrumentarien. Die bisherige Perspektive, dass Menschen mit Behinderungen aufgrund ihrer Beeinträchtigung für die Teilnahme an standardisierten Befragungen nicht ausreichend kompetent seien, gilt es dahingehend zu verändern, dass es Aufgabe „inklusiver“ Forschung ist, angemessene Erhebungsinstrumente zu entwickeln, die den individuellen Möglichkeiten junger Menschen mit Behinderungen gerecht werden. Inklusive Forschungsstrategien führen dann nicht zu einer systematischen Exklusion von (jungen) Menschen mit Behinderungen aus Forschungsdesigns und Stichproben aufgrund „methodischer Barrieren“, sondern bieten Befragungsmodi an, die den Möglichkeiten von Menschen mit unterschiedlichen Formen von Behinderungen angemessen sind. 

Die Methodenstudie soll anhand einer exemplarischen Fragestellung zu Freundschaften und Peerbeziehungen die Entwicklung von quantitativen Instrumenten zur Befragung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Formen von Beeinträchtigung befördern. Ziel ist es, künftig geeignete Instrumente für die Befragung dieser Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.

Im Anschluss an die Methodenstudie ist eine bundesweite Studie zur Lebenssituation von jungen Menschen mit Behinderung angedacht.

Kontakt

+49 89 62306-306
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München