Der Krieg in der Ukraine hat umfangreiche Flüchtlings­bewegungen ausgelöst, auch nach Deutschland. Dies stellt nicht nur die Betroffenen, v.a. Kinder, Jugendliche und Frauen, vor große Herausforderungen, sondern auch die mit ihnen befassten Institutionen und Fachkräfte. Um informierte politische Entscheidungen treffen zu können, braucht es aktuelle Diagnosen zur Situation der Menschen und ihrer Bedarfe.

Das abteilungsübergreifende Projekt „Ukraine-Forschung am DJI (U-Fo)“ setzt hier an. Das Projekt ist in drei Teilprojekten organisiert, in die alle fünf Fachabteilungen des DJI eingebunden sind. Im Zeitraum 1.9.2022-28.2.2023 werden zielgruppenspezifische Bedarfsanalysen durchgeführt und der Umgang von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, kommunalen Verwaltungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren mit den Herausforderungen der Fluchtbewegungen erhoben. Ebenfalls Gegenstand der Befragungen sind bereits greifende Unterstützungsangebote und weitere Handlungsbedarfe. Die Ergebnisse und hieraus abgeleitete politische Handlungsempfehlungen werden in einem Projektbericht zusammengefasst.

Der Krieg in der Ukraine stellt nicht nur eine Zäsur für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik dar, sondern schafft aufgrund der dadurch ausgelösten Fluchtbewegungen auch Herausforderungen für die Sozial-, Familien- und Bildungspolitik. Deutschland kann dabei nur bedingt auf Erfahrungen aus früheren Fluchtwellen zurückgreifen, u.a. wegen der Abweichungen bei demografischer Komposition und aufenthaltsrechtlichem Status der Geflüchteten. Zwischen Ende Februar und dem 10. Oktober 2022 wurden 1.004.026 Geflüchtete aus der Ukraine im Ausländerzentralregister registriert, wobei die tatsächliche Zahl der Geflüchteten höher liegen dürfte. Auch genaue Zahlen zu den inzwischen in andere EU-Länder weitergereisten oder in die Ukraine zurückgekehrten Menschen sind nicht bekannt. Rund 72% der erwachsenen Kriegsflüchtlinge sind Frauen, rund 35% der Geflüchteten sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.[1] Das Bildungsniveau der erwachsenen Flüchtlinge ist hoch und damit auch das Integrationspotenzial, allerdings sind die Bleibeabsichten ungeklärt (Brücker 2022).[2] Viele Menschen leiden an den psychischen Folgen von Krieg und Flucht.

Das DJI widmet sich diesen Fragen im abteilungsübergreifenden, alle fünf Fachabteilungen umfassenden Projekt UA-Fo (Ukraine-Forschung am DJI) im Zeitraum 01.09.2022-28.02.2023.

Das Projekt ist in drei Teilprojekten (TP) mit unterschiedlichen Zielgruppen, Forschungsfragen, Methoden und Zeitplänen organisiert.

Das Fluchtgeschehen und seine Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft werfen zahlreiche Forschungsfragen auf. Neben einer zielgruppenspezifischen Bedarfsanalyse ist dabei nach institutionellen Bewältigungsprozessen und Ressourcen zu fragen, etwa inwieweit passende Unterstützungsangebote in der Kinder- und Jugendhilfe schon greifen oder noch entwickelt werden müssen.

______________________

[1]https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/ukrainische-fluechtlinge.html

[2]https://doku.iab.de/forschungsbericht/2022/fb0422.pdf

 

Die Studie verfolgt zwei Ziele. Zum einen will sie Lebenssituation, Wohlergehen, Belastungen und deren Bewältigung sowie Unterstützungsbedarfe von Kindern, Jugendlichen und Familien, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, erfassen. Dies geschieht durch einen multiperspektivischen Blick, indem sowohl die Zielgruppe als auch die mit ihnen arbeitenden Fachkräfte und ehrenamtlich Tätige befragt werden.

Zum anderen will die Studie die Handlungsmöglichkeiten verschiedener Institutionen eruieren. Sie erfragt den Umgang der Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe und zivilgesellschaftlicher Akteure auf kommunaler Ebene mit den Herausforderungen des Fluchtgeschehens. Aufgegriffen werden hierbei auch institutionelle Lernprozesse im Zusammenhang mit früheren Fluchtbewegungen. In diesem Zusammenhang sollen bereits greifende Unterstützungsleistungen und deren Passung zu den Bedarfen der Kinder, Jugendlichen und Familien erfasst werden. Auch sollen kommunale Good Practice-Beispiele sowie weitere Handlungsbedarfe, u.a. bei Angeboten und im Bereich kommunale Kooperation und Vernetzung der Akteure, aufgezeigt werden.

Auf Basis dieser Ergebnisse wird ein Projektbericht erstellt, der neben der aktuellen Bestandsaufnahme zur Situation der Zielgruppe auch sozial-, familien- und bildungspolitische Handlungsempfehlungen ableitet.

Nachgehende wissenschaftliche Verwertungen (z.B. in Fachzeitschriften) sind geplant.

Kontakt

+49 89 62306-369
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München