Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte „Kompetenzzentrum Bildung im Strukturwandel“ soll die Braunkohleregionen bei der Entwicklung regionaler Bildungsleitbilder und Bildungsstrategien sowie beim Aufbau eines Bildungsmanagements und Bildungsmonitorings auf regionaler Ebene unterstützen. Das Kompetenzzentrum besteht aus drei Netzwerkbüros – dem für das Lausitzer Braunkohle Revier, für das Rheinische Revier und das Mitteldeutsche Revier. Das Netzwerkbüro für das Mitteldeutsche Revier trägt die Bezeichnung „BiSMit – Bildung im Strukturwandel in Mitteldeutschland“. Neun Revierkommunen zählen zum Mitteldeutschen Braunkohlerevier, die bereits auch in kooperativen Beziehungen zur Transferagentur Mitteldeutschland (TransMit) im Rahmen der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement stehen. Insgesamt kann auf bereits vorhandene Managementstrukturen aufgebaut werden, da diese in 18 der 22 Kommunen der drei Reviere bereits im Rahmen der Transferinitiative gefördert werden oder im Vorgängerprogramm „Lernen vor Ort“ gefördert wurden.

Auf der Basis verschiedener Erhebungen und Studien soll BiSMit die Kommunen und die Region befähigen, eine regionale Bildungsstrategie für den Strukturwandel zu entwickeln. Weiterhin unterstützt BiSMit bei der Erstellung eines Masterplans. Konkret für das Mitteldeutsche Revier wird der Masterplan „Perspektive 2040“ federführend durch die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD) erarbeitet.

Im Zusammenhang mit dem Gesetzgebungsverfahren „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ (Gesetz beschlossen Anfang Juli 2020), welches den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis zum Jahr 2038 regelt, haben verschiedene Bundesministerien ihre laufende Programmförderung um gezielte und auf den Strukturwandel gerichtete Sonderprogramme ergänzt. In Bezug auf die Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement des BMBF betrifft dies die Etablierung eines Kompetenzzentrums „Bildung im Strukturwandel“ mit drei Netzwerkbüros (Reviere Lausitz, Rheinland, Mitteldeutschland).

Vor dem Hintergrund des beschlossenen Kohleausstiegs stehen den betroffenen Regionen tiefgreifende strukturelle Wandlungsprozesse bevor. Diese stellen die Kommunen auch vor große Anforderungen im Bildungsbereich. Dabei geht es z.B. um die Etablierung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten, die veränderte fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten erfordern. Insofern ist der Strukturwandel eng verknüpft mit Bildungsfragen.

 

„Bildung im Strukturwandel in Mitteldeutschland“ soll das Reviere dabei unterstützen, auf der Basis einer Status-quo-Analyse und weiterer Methoden eine regionale Bildungsstrategie für den Strukturwandel zu entwickeln. Die Ergebnisse von BiSMit fließen u.a. in den federführend durch die EMMD zu erstellenden Masterplan „Perspektive 2040“ ein. Es geht darum herauszuarbeiten, wie die mit dem Strukturwandel einhergehenden Herausforderungen der Anpassung und Steuerung von Bildungslandschaften bewältigt werden können. Neben der Integration der bereits vorhandenen Gremienstrukturen sollen relevante Bildungsakteure aus der Region in die ganzheitlichen Bildungsstrategien eingebunden werden. Ein regionales Bildungsmonitoring als kontinuierlich nutzbare Datengrundlage zur Gestaltung des Strukturwandels wird aufgebaut. Als Basis für die Umsetzung der Arbeit von BiSMit sind mehrere Forschungsansätze vorgesehen. In einem ersten Schritt wird eine Status-quo-Analyse durchgeführt. Fragestellungen, die beantwortet werden sollen, sind u.a.:

  • Wo befinden sich die Kommunen im Kontext des Strukturwandels?
  • Wodurch zeichnet sich die bisherige Kooperation der Kommunen untereinander bzw. die der verschiedenen Akteure der Bildungslandschaft aus?
  • Welche zukünftigen Herausforderungen bestehen?

Ein thematischer Schwerpunkt wird auf der Berufsorientierung und Fachkräftentwicklung liegen. Hierzu findet sich vor Ort ein breites Feld an Akteuren, die z.T. aus unterschiedlicher Perspektive mit diesen Themen beschäftigt sind. In diesem Zusammenhang ist eine entsprechende empirische Studie vorgesehen, die folgenden Fragen nachgehen soll:

  • Welche aktuellen und zukünftigen Fachkräftebedarfe werden von den verschiedenen Akteuren wahrgenommen?
  • Welche spezifischen Ansätze und Strukturen der Fachkräftegewinnung bzw. beruflichen Orientierung gibt es bei den einzelnen Akteuren?
  • Gibt es Kooperationsbezüge zwischen einzelnen Akteuren?
  • Wie gestaltet sich die Koordinationsrolle der Kommunen?
  • Welche Weiterentwicklungsbedarfe werden gesehen? Welche Strategien sind dazu vorgesehen?

Der Strukturwandel stellt eine Reihe von Anforderungen an die Bürgerinnen und Bürger in den betreffenden Kommunen. Ein wichtiges Vorgehen zur Gestaltung dieser Prozesse ist, nicht allein über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu agieren, sondern sich in einen engen Austauschprozess mit den Menschen vor Ort zu begeben. Daraus gewonnene Erkenntnisse können in die Entscheidungsfindung einfließen. Entsprechend soll mit künftigen Kooperationspartnern ein partizipativer Prozess in der Kommune initiiert werden. In der wissenschaftlichen Auswertung dieses Prozesses steht für BiSMit vor allem die Frage nach den bildungsrelevanten Anforderungen, die sich daraus für die Kommunen und die Region insgesamt ergeben, im Fokus.  

Durch die enge Kooperation von BiSMit und der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD) werden Entwicklungsprozesse angestoßen und Planungsprozesse initiiert und begleitet. BiSMit ist somit ein regionaler Bildungsakteur, der aktiv in den bestehenden Netzwerken sowie Steuerungsgremien mitarbeitet, neue Netzwerke initiiert und dabei alle relevanten Akteure einbezieht (Bildungseinrichtungen, Verwaltungen, Kammern, Wirtschaftsförderung, Arbeitsagentur u.a.m.) sowie eigene (Studien-)Ergebnisse fortlaufend in den Prozess einbringt. Die Innovationsregion Mitteldeutschland als Teil der EMMD mit dem Zusammenschluss der neun Revierkommunen stellt dabei den Kern der Akteure dar.

Für den Aufbau eines regionalen Bildungsmonitorings und -managements sind verschiedene Methoden und Formate geplant. Dabei handelt es sich um eine mit wissenschaftlichen Methoden zu realisierende Status-quo-Analyse sowie zwei wissenschaftliche Studien – eine zum Thema Berufsorientierung junger Menschen: In allen neun Kommunen des Mitteldeutschen Reviers, mit denen BiSMit zusammenarbeitet, sollen neben Vertretern der Kommune (z.B. Akteure des Regionalen Übergangsmanagements) relevante Akteure im Feld der beruflichen Orientierung, aber auch der beruflichen Weiterbildung interviewt werden. Aus den jeweiligen Expertinnen- und Experteninterviews entstehen über inhaltsanalytische Auswertungen Fallstudien zu den einzelnen Kommunen. Diese bilden eine entscheidende Basis einmal für den Austausch und die Weiterentwicklung der Ansätze in den Kommunen, aber auch für die Erarbeitung gemeinsamer Strategien der Kommunen im Mitteldeutschen Revier, die u.a. Eingang in die Bildungsleitbilder finden sollen. Eine weitere Studie wird zur Partizipation junger Menschen im Strukturwandel durchgeführt. Die Prozessbegleitung der neun Revierkommunen wird mit dem Format Kennzahlenvergleich „Bildung im Mitteldeutschen Revier“ realisiert, welcher gleichzeitig eine der Grundlagen für den Aufbau des regionalen Bildungsmonitorings und somit datenbasierten regionalen Bildungsmanagements ist.

Die mit dem Strukturwandel einhergehenden Herausforderungen der Anpassung und Steuerung von Bildungslandschaften stehen im Fokus von BiSMit. Im Ergebnis steht ein regionales Bildungsmonitoring als kontinuierlich nutzbare Datengrundlage zur Gestaltung des Strukturwandels für alle Akteure zur Verfügung. Erstes sichtbares Ankerprodukt wird der kompakt gehaltene „Bildungsbericht 2021 Mitteldeutsches Revier“ (Arbeitstitel) sein. Dieser wird sich analog zur Nationalen und Kommunalen Bildungsberichterstattung am Lernen im Lebenslauf und dem Prozess-Kontext-Modell orientieren (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2018; TI Kommunales Bildungsmanagement 2017). Darüber hinaus werden die Erkenntnisse zum Strukturwandel im Bildungssektor regional/überregional publiziert bzw. als gelingende Praxis transferiert.

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2018): Bildung in Deutschland 2018. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung. S. 1ff. https://www.bildungsbericht.de.

 

BMWi (2020): Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen (BT-Drucksache 19/13398).

 

Innovationsregion Mitteldeutschland (2019): Positionspapier der Innovationsregion Mitteldeutschland und ihrer neun Gebietskörperschaften.

Kreisz, H./Gawronski, K. (2018): Grundsatzfragen des Kommunalen Bildungsmonitorings. In: Stadtforschung und Statistik 1/2018.

Niedlich, S. (2020): Neue Ordnung der Bildung. Zur Steuerungslogik der Regionalisierung im deutschen Bildungssystem. Wiesbaden.

Reißig, B./Mahl, F. (2020): Berufsorientierung im Regionalen Übergangsmanagement. Anforderungen, Handlungsaufgaben und Entwicklungsperspektiven. In: Brüggemann, T./Rahn, S. (Hrsg.): Berufsorientierung. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, 2. überarbeitete Auflage, Münster.

Tippelt, R. (2011): Bildungsmonitoring zur Steuerung regionaler Bildungsentwicklungen. In: Hessische Blätter zur Volksbildung 04/11, S. 347–352, Bielefeld.

Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement (2017): Anwendungsleitfaden zum Aufbau eines kommunalen Bildungsmonitorings. S.12. ff. https://www.transferinitiative.de/media/content/DLR_Anwendungsleitfaden.pdf.

Kontakt

+49 345 68178-33
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

Mehr zum Projekt

Diese Seite verwendet Cookies um die Funktionalität sicherzustellen, Zugriffe zu analysieren und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Durch die weitere Verwendung stimmen Sie der Verarbeitung von Cookies zu. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerspruch finden Sie in der Datenschutzerklärung.