Zielsetzung

Ziel des vorliegenden Projekts ist es, eine umfassende Bestandsaufnahme von einschlägigen Angeboten sowie wissenschaftlichen Studien im Bereich der Online-Paarberatung sowie Trainingsangeboten vorzulegen. Darüber hinaus soll auch der Kontext der offline Angebote für Paare sowie Misch- und Hybridformen der Beratung in die Recherche einbezogen werden.

Wie gut Eltern ihre Aufgaben der Fürsorge, Erziehung und Bildung der Kinder erfüllen können, hängt maßgeblich von der Qualität der partnerschaftlichen Beziehung der Eltern ab, denn Partnerschaftskonflikte gefährden die Kooperation in der Erziehung und damit die Qualität des Coparenting (Langmeyer, 2014; Teubert & Pinquart, 2009) und haben auch Einfluss darauf, wie die Eltern ihre Beziehung zu den Kindern gestalten können (Shelton & Harold, 2008; Walper & Beckh, 2006). Die zufriedenstellende Kommunikation der Eltern, ihre Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Regelung von Konflikten und die Fähigkeit zur nachhaltigen Gestaltung tragfähiger Beziehungen in der Familie haben sich für den Verlauf von Entwicklungsprozessen im Kleinkind- und Schulkindalter sowie bei der Bewältigung des Übergang ins Jugendalter als maßgebliche Größen erwiesen (Buehler & Gerard, 2002; Davies et al., 2002; Walper, 2016).

Anhaltende, destruktive Konflikte, die nicht selten auch zu Trennung oder Scheidung führen, gehen mit zahlreichen negativen Folgen für die Betroffenen – die Partner wie die Kinder – einher: mit einer erhöhten Rate gesundheitlicher und speziell psychischer Belastungen der Eltern und Kinder, ungünstigen Bildungsverläufen der Kinder sowie – im Fall einer elterlichen Trennung – negativen ökonomischen und psychosozialen Konsequenzen für Mütter und Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten. Insofern sind – insbesondere wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind – präventive Ansätze zur Stärkung und Unterstützung von Partnerschaften sinnvoll.

Mütter und Väter haben nach § 17 SGB VIII im Rahmen der Jugendhilfe Anspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft, um ihre Handlungskompetenz, ihre Kommunikations- und Kooperationsfertigkeiten sowie ihre Kompetenz zur eigenständigen und einvernehmlichen Konfliktregelung zu sichern und zu fördern. Familienpolitisch relevant können in diesem Zusammenhang insbesondere Online-Angebote sein. Sie haben mehrere Vorteile: Gerade für zeitknappe Paare mit Kindern bieten sie niederschwellige, orts- und zeitunabhängige Beratung und können individuell an die Bedürfnisse der Eltern angepasst werden. Darüber hinaus können mit Online-Angeboten Zielgruppen in strukturschwachen Regionen mit fehlender Infrastruktur an Beratungsdiensten sowie Paare mit hoher Schamschwelle bei Face-to-Face-Beratungsangeboten zu einem frühen Erosionsstadium angesprochen werden.

Über die Nutzung und Wirkung von Online-Angeboten speziell zur Stärkung von Partnerschaftsbeziehungen in Deutschland ist noch kaum etwas bekannt. Um Aufschluss über das Potenzial dieser Ansätze zu gewinnen und damit Anregungen für Praxisentwicklung, Politik und Forschung geben zu können, soll im Rahmen des vorgeschlagenen Projekts

  • das national und international verfügbare Online-Angebot gesichtet und analysiert werden sowie
  • die verfügbaren Evaluationsstudien in diesem Bereich recherchiert und mit Blick auf die Wirksamkeit der Angebote ausgewertet werden.

Die Studie umfasst vier Recherchebausteine:

1.    Systematische Recherche der Online und Offline-Angebote

Die Bestandsaufnahme fokussiert auf digitale Beratungs- und Trainingsangebote für Paare im Online-Bereich, berücksichtigt aber auch wesentliche Angebote und Formate im traditionellen Feld der Face-to-Face Beratung und der Seminarangebote. Das Vorgehen umfasst eine Internetrecherche ebenso wie eine systematische Recherche in Literaturdatenbanken. Die inhaltliche Auswertung und Aufbereitung erfolgt in Form von strukturierten Kurzprofilen sowie überblicksartig in Form einer Matrix.

2.    Experten/innengespräche mit Vertreter/innen aus Wissenschaft und Praxis

Nicht alle wesentlichen Aspekte der Bestandsaufnahme werden allein über die Literatur- und Internet-Recherche abgebildet werden können. Aus diesem Grund sollen zu den verschiedenen Aspekten ergänzend Experten/innengespräche mit einschlägigen Vertreter/innen aus Wissenschaft und Praxis geführt werden, um die Bestandsaufnahme an wesentlichen Punkten zu vertiefen.

 

3.    Systematisch Zusammenschau vorliegender wissenschaftlicher Un-tersuchungen und Evaluationen

In diesem Projektmodul werden wissenschaftliche Evaluationsstudien sowie Meta-Analysen aus dem Themenfeld der Online-Paarberatung (inklusive Mischformen) so-wie zu einzelnen Programmen im Rahmen eines qualitativen Reviews recherchiert und ausgewertet. Dabei wird insbesondere das Augenmerk auf Befunde zur Wirksamkeit der Ansätze und Programme gerichtet.

4.    Explorative Auswertung der pairfam-Daten zur Inanspruchnahme von Beratungsangeboten

In der 8. Welle 2015/2016 des deutschen Familienpanels pairfam wurde das Fragen-modul zur Inanspruchnahme von Angeboten abgefragt, bei dem auch nach Online-Angeboten sowie thematisch zu „Problemen in der Partnerschaft/Sexualität“ gefragt wurde. Anhand dieser Datenbasis wird das Projekts die soziodemographischen Profile die Nutzer/innen der Paar- und Sexualberatung identifizieren sowie Auswertungen zu den Ausgangsbedingungen und Veränderungen in der Partnerschaftsqualität vornehmen.

Kontakt

+49 89 62306-408
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Mehr zum Projekt

Diese Seite verwendet Cookies um die Funktionalität sicherzustellen, Zugriffe zu analysieren und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Durch die weitere Verwendung stimmen Sie der Verarbeitung von Cookies zu. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerspruch finden Sie in der Datenschutzerklärung.