Der Übergang in Ausbildung gilt als wichtige Weichenstellung im Lebenslauf. Jugendliche niedriger und mittlerer Bildungsgänge haben häufiger Probleme, diesen Übergang zu bewältigen. Non-formale Bildungsprozesse in organisierten Freizeitaktivitäten können bei der Bewältigung dieses Übergangs unterstützendes Potenzial entfalten (u.a. Farb/Matjasko 2012).

Die quantitative Längsschnittstudie zielt zum einen auf die Analyse der Nutzung organisierter Aktivitäten von Absolvent/innen mit Haupt- und Realschulbildung sowie zum anderen auf die Effekte dieser Aktivitäten auf berufsrelevante personale und soziale Ressourcen sowie auf den Übergang in Ausbildung auf der Grundlage des Ressourcenmodells der Lebensbewältigung (Fend/Berger/Grob 2009).

In Anlehnung an Studien zu Bildungsprozessen in non-formalen Settings wird davon ausgegangen, dass außerschulische Aktivitäten positive Entwicklungseffekte auf berufsrelevante Ressourcen sowie auf den Übergang in Ausbildung haben können. Das Projekt reiht sich damit ein in sozialwissenschaftliche Studien zu positiven Effekten außerschulischer Aktivitäten auf die jugendliche Entwicklung und ergänzt diese mit Fokus auf das Übergangsgeschehen.

Hier finden Sie die englische Projektwebseite.
 

*der Originalprojekttitel lautet: Effekte von Bildungsprozessen in non-formalen Settings auf berufsrelevante Ressourcen im Übergang in die berufliche Ausbildung von Jugendlichen mit nicht-gymnasialen Abschlüssen

Im Herbst 2020 und im Herbst 2021 finden zwei telefonische Wiederholungsbefragungen mit den Jugendlichen statt, die dafür in der schulischen Befragung ihr Einverständnis gegeben hatten. Die Telefonbefragungen werden vom Zentrum für empirische Sozialforschung der Humboldt-Universität zu Berlin (ZeS) durchgeführt. In den beiden Befragungen geht es um die Erfassung der Übergangswege der Jugendlichen seit der ersten Befragung im Schuljahr 2019/20: Welche beruflichen Wünsche und Ziele verfolgen die Jugendlichen? Wie erfolgreich sind sie bei der Zielerreichung? Welche Übergangsstationen durchlaufen die Jugendlichen? Wie bewältigen sie dabei die Herausforderungen, die durch die Corona-Pandemie entstehen?

Die erste Telefonbefragung fand im November/Dezember 2020 statt. 169 Jugendliche haben an der Befragung teilgenommen. Vielen Dank für die Unterstützung!

Die zweite Telefonbefragung findet im Herbst 2021 statt.

Im Rahmen des Projektes fand im Schuljahr (2019/20) in Sachsen und Sachsen-Anhalt an 71 weiterführenden Schulen (Oberschulen, Sekundarschulen, Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen) eine schriftliche Befragung in den 10. Realschulklassen sowie 9. Hauptschulklassen statt. Die Befragung wurde gemeinsam mit den teilnehmenden Schulen organisiert und durch DJI-Mitarbeiter/innen durchgeführt. Die Befragung dauerte eine Schulstunde. In der Befragung ging es um Freizeitaktivitäten und Berufsorientierung der Jugendlichen sowie um ergänzende familiäre und persönliche Rahmenbedingungen.

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Befragungen im März 2020 leider vorzeitig abgebrochen werden. Eine Fortsetzung der Erhebung nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs im Mai 2020 war aufgrund der fortbestehenden Einschränkungen nicht möglich. Aus forschungsmethodischen Gründen (u.a. Einhaltung des Projektzeitplans, Vergleichbarkeit der Daten) und anhaltender Corona-bedingter Einschränkungen konnte die Befragung auch nicht im Schuljahr 2020/21 nachgeholt werden. Entsprechend wurde die schulische Befragung mit einer reduzierten aber für die geplanten Analysen ausreichenden Stichprobe von n=1.547 beendet.

Wir bedanken uns bei allen beteiligten Schüler/innen, Eltern, Lehrer/innen und Schulleitungen sowie bei den verantwortlichen schulfachlichen Referenten für die Unterstützung der Studie!

Folgende Forschungsfragen stehen im Zentrum:

(a) Wie nutzen Jugendliche in Haupt- und Realschulbildungsgängen organisierte Freizeitangebote von der 1. bis zur 9./10. Klasse, und welche Freizeittypen ergeben sich?

(b) Wie beeinflusst soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital in der Familie die Nutzung organisierter Freizeitaktivitäten?

(c) Welchen Einfluss haben organisierte Aktivitäten, die im Verlauf der Schulzeit ausgeübt wurden, auf berufsrelevante Ressourcen?

(d) Welchen Einfluss haben die Nutzung organisierter Aktivitäten und berufsrelevante Ressourcen auf den Übergang in Ausbildung ein-zwei Jahre nach dem letzten Schuljahr?

Um die Fragen zu beantworten werden Schüler/innen in nicht-gymnasialen Bildungsgängen in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu drei Messzeitpunkten mit einem standardisierten Fragebogen untersucht. T1 erfolgte im Schuljahr 2019/2020 als schriftliche Befragung im Klassenverband im letzten Schuljahr (9./10. Klasse), t2 und t3 als telefonische Wiederholungsbefragungen ein bzw. zwei Jahr/e später im Herbst 2020 und im Herbst 2021.

Insgesamt haben 1.547 Schüler/innen an 71 Schulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt an der schulischen Befragung teilgenommen. Die Dateneingabe ist abgeschlossen. Derzeit sind wir mit der Aufbereitung der Daten und ersten Analysen beschäftigt. Es ist geplant, Anfang 2021 einen Bericht mit ersten Ergebnissen der schulischen Befragung zu erstellen und an alle beteiligten Schulen zu versenden.

Erste Ergebnisse werden hier in Kürze präsentiert.

Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten. Göttingen, S. 183–198

Farb, Amy F./Matjasko, Jennifer L. (2012): Recent advances in research on school-based extracurricular activities and adolescent development. In: Developmental Review, 32. Jg., 1–48

Fend, Helmut/Berger, Fred/Grob, Urs (2009): 1527 „Lebensgeschichten“ von der späten Kindheit ins Erwachsenenalter. In: Fend, Helmut/Berger, Fred/Grob, Urs (Hrsg.): Lebensverläufe, Lebensbewältigung, Lebensglück. Ergebnisse der LifE-Studie. Wiesbaden, S. 9–34

Kontakt

+49 345 68178-51
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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