Das Projekt analysiert Erfordernisse und Gelingensbedingungen für die inklusive Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf allgemein und speziell im Bereich emotionale und soziale Entwicklung (ESE) in Deutschland. Bildung ist dabei nicht nur eine Ressource für Teilhabe, sie ist gleichzeitig selbst Ausdruck sozialer Teilhabe (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2021).

Anknüpfend an eine menschenrechtliche Perspektive, wie sie in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist, wird im Projekt inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung, im Zusammenhang mit allgemeinen Inklusionskonzepten und Umsetzungsstrategien betrachtet. 

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, schulische Praxisbeispiele sowie bestehende Inklusionskonzepte aus verschiedenen Bundesländern werden systematisch ausgewertet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie inklusive Lernumgebungen gestaltet werden können, um chancengerechte Teilhabe und individuelle Förderung im allgemeinen Schulsystem zu gewährleisten. 

Die Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für die Bildungspraxis und -politik liefern und Ansätze für eine diskriminierungsfreie, integrative Unterstützung im allgemeinen Schulsystem aufzeigen.

Der Abschlussbericht kann rechts bei “Publikationen” heruntergeladen werden. 

Das Projekt wird im Auftrag des Observatoire national de l'enfance, de la Jeunesse et de la qualité scolaire (OEJQS) in Luxemburg realisiert.

Die Umsetzung von Inklusion in der allgemeinbildenden Schule in Deutschland ist ein vielschichtiger und kontinuierlicher Prozess. Inklusionskonzepte sind beispielsweise verstärkt im Ganztag zu beobachten, auch aufgrund der engmaschigen Kooperation mit der Jugendhilfe. Allerdings muss auch konstatiert werden, dass der Nationale Bildungsbericht für Deutschland trotz der Inklusionsbemühungen für ein gemeinsames Lernen in den letzten beiden Jahrzehnten eine weiterhin hohe quantitative Bedeutung der eigenständigen Förderschulen ausweist (Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung 2022).

Da das Schulsystem deutschlandweit nach wie vor eher in einer Doppelstruktur von Förderschulen und allgemeinbildenden Schulen organisiert ist, sind insbesondere Praxisbeispiele und einzelne Bundesländer relevant, in denen die Etablierung der Inklusion fortgeschritten ist.

Einige zentrale Themen in Bereich der inklusiven Schulbildung sind beispielsweise bildungspolitische Rahmenbedingungen in den einzelnen deutschen Bundesländern, die Zuerkennungspraktiken/Diagnoseverfahren für einen Förderbedarf (vor allem im Bereich Lernen und sozial-emotionale Entwicklung), Erfahrungen mit verschiedenen Modellen in der Umsetzung von Inklusion an allgemeinbildenden Schulen und die Rolle unterschiedlicher Akteure, vor allem der Kinder- und Jugendhilfe. In der durchgeführten Meta-Analyse wird diesen Themen systematisch nachgegangen.

Es erfolgt eine Literaturrecherche und eine dementsprechende Meta-Analyse von quantitativen und qualitativen Forschungsergebnissen bezogen auf die letzten beiden Dekaden. In den Blick genommen werden vor allem auch Ergebnisse wissenschaftlicher Begleitungen und Evaluationen von Modellen im Kontext inklusiver Schulbildung. Der Schwerpunkt der Recherche liegt auf Deutschland und seinen bundeslandspezifischen Umsetzungsbedingungen. Punktuell werden auch internationale Befunde einbezogen und dargestellt.

Im ersten Schritt der Analyse wird die bisherige Umsetzung von Inklusion im Schulsystem eingeschätzt. Hierbei werden auch Daten der bundesweiten, bevölkerungsrepräsentativen Befragung „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" (AID:A) des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2023 verwendet (Kuger u.a. 2024), um einen Einblick auf die Erfahrungen im inklusiven Schulkontext aus Sicht von Schüler:innen mit und ohne Beeinträchtigung zu geben.

Die Literaturrecherche wird durch die Verwendung eines im Projekt erarbeiteten Suchrasters geleitet. Dafür werden verschiedene Systematisierungen schulischer Inklusion aus der Literatur, wie beispielsweise die Betrachtung von Handlungsebenen (Prengel 2022) oder indikatorengestützte Modelle (Boots und Ainscow 2019) gesichtet und zusammenfassend dargelegt. Die Literaturrecherche konzentriert sich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, die sich mit der Umsetzung von Inklusion in der Praxis befassen.

Parallel dazu werden als Praxisbeispiele einzelne Bundesländer, Kommunen und Schulen in den Blick genommen, die nicht nur eigene Ziele inklusiver Schulentwicklung konzeptionell verfolgen, sondern auch bereits auf mehrjährige Erfahrungen in der Umsetzung der inklusiven Entwicklungsprozesse zurückblicken können.

In Hinblick auf den Förderbereich „emotionale und soziale Entwicklung“ wird zusätzlich eine Literaturrecherche zu der Frage vorgenommen, welche Handlungsansätze und -möglichkeiten speziell für die inklusive Beschulung der Kinder und Jugendlichen mit emotionalem und sozialem Förder- oder Unterstützungsbedarf vorliegen und auch bereits erprobt und – idealerweise – wissenschaftlich evaluiert wurden.

Als Ergänzung wird die Umsetzung inklusiver Schulbildung in Schweden und Italien, als Länder, denen oft ein Vorbildcharakter zugeschrieben wird, recherchiert und beschrieben. 

Aus der systematischen Ausarbeitung wissenschaftlicher Beiträge zur inklusiven Beschulung in Deutschland im Allgemeinen und speziell bezogen auf den Förderbereich emotionale und soziale Entwicklung sowie zu den Umsetzungserfahrungen im Ausland werden weitere Entwicklungsbedarfe benannt. 

Autor: innengruppe Bildungsberichterstattung (2022): Bildung in Deutschland 2022: Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zum Bildungspersonal. wbv Publikation.

Booth, Tony/Ainscow, Mel (2019): Index für Inklusion. Ein Leitfaden für Schulentwicklung. Mit Online-Materialien. Auch für Kindergärten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen übertragbar. Weinheim.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2021): Dritter Teilhabebericht der Bun-desregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen. Teilhabe – Beeinträchtigung – Behinderung. Bonn. Verfügbar über: a125-21-teilhabebericht.pdf (bmas.de) [27.05.2024].

Kuger, Susanne/Bernhardt, Janine/Herz, Andreas/Linberg, Anja/Recksiedler, Claudia/Simm, Inga/Ulrich, Susanne/Braun, Dominik/Fischer, Andreas/Schacht, Diana/Quellenberg, Holger (2024): AID:A 2023 Design des Surveys. In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): AID:A 2023 Blitzlichter. Zentrale Befunde des DJI-Surveys zum Aufwachsen in Deutschland. München, S. 7–15.

Prengel, Annedore (2022): Schulen inklusiv gestalten. Eine Einführung in Gründe und Handlungsmöglichkeiten. Opladen/Berlin/Toronto.

Kontakt

+49 345 68178-33
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13
06110 Halle (Saale)

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