Die Kindertagespflege nimmt im Sektor der pädagogischen Kindertagesbetreuung eine besondere Stellung ein, die sich aus ihrem nicht-institutionell organisierten Charakter und der Nähe zu familialen Strukturen ergibt. Obwohl sie mittlerweile mit 16% einen nicht zu vernachlässigenden Teil der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Deutschland stellt (Kinder- und Jugendhilfestatistik 2019), ist sie in der Datenlage im Vergleich zu institutionell-organisierten Betreuungsformen jedoch eher unterrepräsentiert.
Thematisch abgegrenzte Teilbereiche der inhaltlichen, personellen und strukturellen „Vielgestaltigkeit“ (Heitkötter/Pabst 2014, S. 91) von Kindertagespflege beleuchten neben dem regelmäßig erscheinenden Fachkräftebarometer Frühe Bildung (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2019) auch vereinzelte Studien zu Teilsystemen, wie der Fachberatung (Schoyerer/Wiesinger 2016), oder zu speziellen Themen, wie Gesundheitsfragen in der Kindertagespflege (Viernickel u.a. 2019).
Hinzu kommt, dass es keine bundeseinheitliche Einbettung der Kindertagespflege in das Betreuungssystem gibt. Die organisatorische Verankerung nach §26 SGB VIII obliegt dabei den einzelnen Bundesländern und differenziert sich in den Kommunen weiter aus.

Für einen ersten Überblick über die heterogenen Formen kommunaler Kindertagespflegeorganisation wurde im Projekt Basismodul Kindertagespflege mittels einer Dokumentenanalyse kommunaler Satzungen und Richtlinien zur Kindertagespflege die Betreuungsform der Großtagespflege in den Fokus genommen. Diese Analyse wurde im Rahmen des Projektes Kernmodul Kindertagespflege weiter vertieft.

Die Implementierung des Qualifizierungshandbuches Kindertagespflege (QHB) (Schuhegger u.a. 2019; Schuhegger u.a. 2015) für die Weiterentwicklung der Grundqualifizierung von Kindertagespflegepersonen führt zu Veränderungen der Organisationsstrukturen und rückt damit zunehmend in den sozialpolitischen Fokus.

Vor dem Hintergrund komplexerer Veränderungsprozesse fehlt dabei eine bundesweite und regelmäßige Bündelung von Daten zur Kindertagespflege, die dazu beitragen kann, das Feld dieser Betreuungsform besonders für politische Entscheidungsprozesse zugänglich zu machen. Zudem hat die zunehmende Verberuflichungs-Tendenz im Tätigkeitsfeld der Kindertagespflege zur Folge, dass bereits erarbeitete Praxismaterialien, die von Jugendämtern u. a. für die Fachberatung der Kindertagespflegepersonen genutzt werden, den immer neuen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, beispielsweise den sich verändernden rechtlichen Vorgaben.

Unter dem Kernmodul Kindertagespflege werden folgende Teilprojekte zusammengefasst:

Der Datensatz, der im Rahmen des DJI-Projektes „Qualität in der Kindertagespflege“ (QuidKit) Strukturdaten zur Kindertagespflege bundesweit erfasste, wurde bisherin Teilen analysiert und publiziert. Mit seiner Fülle an Daten ermöglicht er durch Reanalysen und dem Vergleich mit dem analog gestalteten Datensatz des Projekts „Methodenstudie: Qualität in der Kinderbetreuung“ (MS-Kita) vertiefte Einblicke in die kontrastierenden Aspekte unterschiedlicher Kinderbetreuungsformen. Dadurch kann die Kindertagespflege in ihren speziellen organisatorischen und praxisrelevanten Strukturen beschrieben werden.

Als zusätzlicher Baustein wurden weiterführenden Analysen der Landes- und ausgewählter örtlichen Regelungen zur Kindertagespflege vorgenommen.

Um die vielschichtigen Veränderungsprozesse im Hinblick auf die Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen zu begleiten, die Auswirkungen der Kindertagespflege auf die sozialpolitische Ebene zu beobachten und in der Bündelung von gewonnenen Daten neue Forschungsdesiderate zu identifizieren, ist ein regelmäßig erscheinender Report zu Kindertagespflege vorgesehen. Basierend auf den Überlegungen im Basismodul Kindertagespflege wurden im Kernmodul Kindertagespflege  konzeptionelle und inhaltliche Vorarbeiten für den ersten Prototyp geleistet, in Anlehnung an das Fachkräftebarometer Frühe Bildung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2019) und die Bildungsberichterstattung

Mit der stetigen Veränderung im Feld, beispielsweise auf struktureller Ebene, wird die Anpassung und Aktualisierung ausgewählter Praxismaterialien, die im Rahmen des Aktionsprogrammes Kindertagespflege erarbeitet wurden, notwendig. Das 2009 erstmals erschienene Material „Eignung von Tagespflegepersonen in der Kindertagespflege“ (Schnock 2009) wurde in Abstimmung mit mit Expertinnen und Experten aus der Fachpraxis im Hinblick auf die notwendigen Überarbeitungs- und Aktualisierungsbedarfe diskutiert und überabeitet. Rechtsanwältin Iris Vierheller brachte ihre juristische Expertise dazu ein.

Autorengruppe Fachkräftebarometer (2019): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2019. München

Burgi, Martin (2019): Kommunalrecht. 6. Auflage. München

Frech, Siegfried/Salamon-Menger, Philipp/Schöne, Helmar (2018): Kommunalpolitik. Politik vor Ort. Stuttgart

Schuhegger, Lucia/Hundegger, Veronika/Lipowski, Hilke/Lischke-Eisinger, Lisa/Ullrich-Runge, Claudia (2019): Qualität in der Kindertagespflege. Qualifizierungshandbuch (QHB) für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei. Hannover

Viernickel, Susanne/Ihm, Maria/Böhme, Martin (2019): Gute gesunde Kindertagespflege. Bildung und Gesundheit in der Kindertagespflege. Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt. Berlin/Leipzig

Überarbeitete und aktualisierte Auflage des Praxismaterials "Eignung von Tagespflegepersonen in der Kindertagespflege"

Die Handreichung „Eignung von Kindertagespflegepersonen“ liegt nun als vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage des Praxismaterials Nr. 2 vom Oktober 2009 „Eignung von Tagespflegepersonen in der Kindertagespflege“ vor. Die Handreichung wendet sich an öffentliche Jugendhilfeträger, freie Träger und alle Akteure in der Kindertagespflege. Sie liefert Hintergrundinformationen und Anregungen zur Umsetzung der Eignungsprüfung. In der Aktualisierung wurden Praxiserfahrungen öffentlicher und freier Träger der Kindertagespflege, neuere Entwicklungen, unter anderem auf Basis relevanter Gerichtsentscheidungen, sowie die besondere Bedeutung der Kindertagespflege für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren berücksichtigt. Zusätzlich wurden aktuelle Überlegungen ergänzt, die sich aus der Qualifizierung nach dem Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB) ergeben. Durch Rechtsanwältin Iris Vierheller erfolgte eine eingehende und umfassende rechtliche Beratung und Begleitung.

Schnock, Brigitte (2021): Eignung von Kindertagespflegepersonen. Vollständig überarbeitete und aktualisierte Fassung des Praxismaterials Nr. 2 vom Oktober 2009 für Jugendämter „Eignung von Tagespflegepersonen in der Kindertagespflege“. München

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