Regionale Kooperationsstrukturen für eine bessere MINT-Förderung
Der Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf ist eine entscheidende Phase für die berufliche Orientierung junger Menschen. Ob und wie sie dabei ihre Potenziale entfalten können, hängt maßgeblich davon ab, ob Zugänge offenstehen oder strukturelle Barrieren wirksam werden – insbesondere in naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern.
Das Projekt ReKo_MINT erforscht Kooperationsstrukturen im Übergangsbereich, die sich explizit mit der Inklusion (im erweiterten Sinne) in der MINT-Förderung sowie der Berufsorientierung im MINT-Bereich beschäftigen. Den Ausgangspunkt der Betrachtung bilden die Erfahrungen und Wahrnehmungen junger Menschen mit Bildungsbenachteiligungen (zum Beispiel Behinderung, Beeinträchtigung, (soziale) Herkunft, fehlende Sprachkompetenz). Es werden die regionalen Angebots- und Unterstützungsstrukturen dahingehend analysiert, wie sie zu Barrieren von jungen Menschen werden können, um sich im MINT-Bereich zu qualifizieren.
Als Ergebnis wird in enger Kooperation mit den Praxispartnern ein Rahmenkonzept zur Fachkräftesicherung im MINT-Übergangsbereich erarbeitet, welches Maßnahmen zur Inklusion berücksichtigt.
Regionalen Übergangsnetzwerken liegt die Annahme zugrunde, dass eine vernetzte Infrastruktur der Berufsbildung unter Einbezug informeller sowie sozial- und förderpädagogischer Angebote die Teilhabechancen junger Menschen verbessert (Emminghaus/Tippelt 2009). Bisher werden jedoch weder die Entwicklungen in einzelnen Berufsfeldern noch Barrieren im Zugang zu MINT-Berufen aus der Perspektive junger Menschen systematisch berücksichtigt; auch veränderte Benachteiligungsstrukturen und Inklusionsanforderungen bleiben weitgehend unbeachtet (Muche/Oehme/Truschkat 2016).
Das Forschungsvorhaben nimmt daher regionale Übergangsstrukturen als Netzwerk in den Blick und analysiert deren Entwicklungspotenziale mit Blick auf ein inklusives Übergangsmanagement. Konzeptionell orientiert sich das Projekt am Educational-Governance-Ansatz, der Bildungswandel vor dem Hintergrund veränderter staatlicher Steuerung und sozialer Wirklichkeiten erklärt (Fend 2014).
Das Projekt verfolgt dabei folgende Fragestellungen:
- Welche schulischen und außerschulischen Übergangs- und Kooperationsstrukturen bestehen in der Untersuchungsregion, und wie unterstützen sie die Berufsorientierung in technisch-naturwissenschaftlichen Berufsfeldern?
- Welche Formen der Kooperation zwischen Berufsbildung, sozialen Diensten und zivilgesellschaftlichen Akteuren lassen sich identifizieren?
- Welche Bildungsbarrieren werden adressiert, und welche Unterstützungsansätze werden verfolgt?
- Wie nehmen junge Menschen Barrieren im Übergangssystem wahr, und welche Ansatzpunkte zu deren Überwindung ergeben sich aus ihrer Perspektive?
Zur Verfolgung der Forschungsfragen werden in vier Untersuchungsregionen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zunächst die vorliegenden MINT-Übergangsangebote systematisch erfasst und analysiert. Zudem werden durch Gruppendiskussionen und Leitfadeninterviews unter jungen Teilnehmenden von MINT-bezogenen Übergangsmaßnahmen (insbesondere Angebote der schulischen Berufsorientierung) die individuellen Bildungshemmnisse rekonstruiert. Dieser Aspekt wird zusätzlich durch quantitative Sekundäranalysen von Längsschnittbefragungen unterfüttert. Darüber hinaus werden Fachkräfte und Institutionen des Übergangsfeldes anhand eines Onlinesurveys unter anderem zu ihren Kooperationsstrukturen befragt.
In der Zusammenführung der Ergebnisse werden Standortkarten zu den Kooperationsnetzwerken im regionalen Übergangsbereich entwickelt, um damit kommunalpolitischen Akteuren ein Planungs- und Steuerungsinstrument zur Verfügung zu stellen.
ReKo_MINT ist ein Verbundprojekt der Stiftung Universität Hildesheim und des Deutschen Jugendinstituts. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit einer Laufzeit von drei Jahren gefördert und ist verankert innerhalb der Richtlinie „Forschung zu Gelingensbedingungen guter MINT-Bildung“.
- Emminghaus, Christoph/Tippelt, Rudolf (2009): Lebenslanges Lernen in regionalen Netzwerken verwirklichen. Abschließende Ergebnisse zum Programm "Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken". wbv Media: Bielefeld.
- Fend, Helmut (2014): Die Wirksamkeit der neuen Steuerung. Theoretische und methodische Probleme ihrer Evaluation. In: Maag Merki, Katharina/ Langer, Roman/ Altrichter, Herbert (Hrsg.). Educational Governance als Forschungsperspektive. Strategien, Methoden, Ansätze. Springer: Wiesbaden, S. 27-50.
- Muche, Claudia/ Oehme, Andreas / Truschkat, Inga (2016): Übergang, Inclusiveness, Region. Eine empirische Untersuchung regionaler Übergangsstrukturen. Beltz Juventa: Weinheim/Basel.