Seit vielen Jahren untersucht das Deutsche Jugendinstitut – gefördert vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) – die Betreuung von Kindern. Bereits im Jahr 2005 (siehe Grafik unten auf dieser Seite) beschrieb das DJI die Betreuungssituation von Familien mit Kindern unter sieben Jahren auf der Basis der DJI-Kinderbetreuungsstudie 2005, der ersten bundesweiten Elternbefragung zu diesem Thema. Um die soziale Chancengerechtigkeit zu vergrößern, Kinder frühestmöglich zu fördern und um Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen wurde 2008 das Kinderförderungsgesetz (KiföG) verabschiedet, das einen allgemeinen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung für ein- und zweijährige Kinder ab August 2013 festlegte. Die als Zusatzerhebungen zu AID:A konzipierte Elternbefragung sowie die KiföG-Länderstudie waren Teil der KiföG-Evaluation, die zwischen 2009 und 2015 stattfand. Hierbei begleitete das DJI den Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige (U3), indem es die Elternperspektive mithilfe jährlicher Befragungen abbildete und u.a. den elterlichen Betreuungsbedarf erhob, an dem sich der bundesweite Ausbau mit orientierte.

Seit 2016 firmiert das Projekt unter dem Namen DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) und schließt damit direkt an das bis dahin durchgeführte KiföG-Monitoring an. KiBS nimmt mehrere Altersgruppen in den Blick: neben U3- auch Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt (U6) sowie Grundschulkinder (GS). In den Jahren 2016 und 2017 war das Altersspektrum noch umfassender: es wurden zusätzlich Eltern von Kindern, die die Sekundarstufe I besuchen und bis unter 15 Jahre alt waren, befragt.

Die jährliche Erhebung ist deutschlandweit die größte ihrer Art im fokussierten Altersbereich. KiBS hat sich zu einem aktuellen, verlässlichen und flexiblen Instrument zur Beobachtung der Situation der Kindertagesbetreuung in Deutschland aus Elternsicht entwickelt. Mithilfe der jährlichen, bundeslandrepräsentativen Befragung werden regelmäßig indikatorengestützte Berichte zur Entwicklung der elterlichen Bedarfe und der in Anspruch genommenen Betreuungsarrangements vorgelegt. Neben diesen im Trendvergleich berichteten Kernindikatoren werden je nach aktueller Situation, gesellschaftlichem Diskurs oder politischen Vorhaben wechselnde Themenschwerpunkte gesetzt oder inhaltliche Ergänzungen vorgenommen. So dient KiBS auch der Beobachtung der von Eltern im System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) wahrgenommenen Qualitätsentwicklung und stellt eine der Grundlagen für die Abschätzung der für den Ausbau der Ganztagsbetreuung im Grundschulalter notwendigen Aufwendungen dar.

Neben den aktuellen Betreuungsarrangements und den Betreuungsbedarfen im Hinblick auf Umfang, (Rand-)Zeiten und Formen beinhaltet die DJI-Kinderbetreuungsstudie weitere wichtige Themen wie z.B. bestehende Betreuungslücken, die von den Eltern wahrgenommene Qualität institutioneller Betreuung sowie die Gründe der Nichtnutzung von Kindertagesbetreuung.

Die wichtigste Veröffentlichung des Projektes ist der jährlich erscheinende DJI-Kinderbetreuungsreport (zu finden im Reiter „Ergebnisse“ oder unter „Publikationen“ auf der rechten Seite). Seit 2020 weist dieser eine neue Veröffentlichungsstruktur auf: er erscheint nun nicht mehr als ein einzelner Bericht, sondern wird kapitelweise als einzelne Hefte herausgegeben


Eigene Veröffentlichungen auf der Basis der DJI-Kinderbetreuungsstudie finden Sie auf der rechten Seite unter dem Link „Publikationen“.

 

DJI-Kinderbetreuungsreport

 

Kindertagesbetreuung Kompakt

Andere Veröffentlichungen:

Interaktive Karten: frühe-chancen.de

 

Berichte der KiföG-Evaluation mit Ergebnissen der Elternbefragung und der KiföG-Länderstudie

Falls Sie Interesse an der Nutzung der KiBS-Daten haben, wenden Sie sich bitte an das Forschungsdatenzentrum.

Mitte März 2020 fand aufgrund der Corona-Pandemie eine flächendeckende Schließung fast aller Betreuungseinrichtungen statt, die viele Wochen andauerte. Die Eltern waren in dieser Zeit zumeist vollständig alleine für die Betreuung ihrer Kinder verantwortlich. Seit dem Sommer wurden die Kinder nach und nach wieder institutionell betreut. Es gilt der sogenannte – eingeschränkte oder vollständige – Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen verbunden mit einer reduzierten Verlässlichkeit des Betreuungsangebots, da Verdachtsfälle oder bestätigte Corona-Infektionen jederzeit und sofort zum Ausschluss von Kindern aus der Betreuung oder zur vollständigen Schließung einzelner Gruppen oder gar der gesamten Einrichtung führen können. Der Normalzustand, den KiBS üblicherweise erhebt, wurde fast vollständig außerstand gesetzt. Dies belegen erste Auswertungen der KiBS-Daten von 2020 eindrücklich.

Die Corona-KiTa-Studie setzt genau hier an und wird im Verlaufe der nächsten Monate wiederholte Online-Befragungen durchführen, um die Organisation der Kinderbetreuung in dieser außergewöhnlichen Zeit abbilden und unser Wissen zu dieser wichtigen Thematik erweitern zu können. Ebenfalls erforscht die Studie die Entwicklung der Lebenssituation und die Bewältigung des Alltags von Familien mit Nichtschulkindern unter Pandemiebedingungen sowie Maßnahmen zur Prävention. Mehr Informationen zur Corona-KiTa-Studie erhalten Sie hier: https://corona-kita-studie.de/.

Bei Fragen, Anmerkungen oder Anregungen wenden Sie sich bitte an kibs@dji.de.

 

Bien, Walter/ Rauschenbach, Thomas/ Riedel, Birgit (Hrsg.) (2006): Wer betreut Deutschlands Kinder? DJI-Kinderbetreuungsstudie. Weinheim und Basel: Beltz.

Busse, Anna/Gathmann, Christina (2018). Free Daycare and Its Effects on Children and Their Families. IZA Discussion Paper 11269.

Camehl, Georg/Peter, Frauke H. (2017). Je höher die Kita-Qualität, desto prosozialer das Verhalten von Kindern. DIW-Wochenbericht, 84. Jahrgang, H. 51/52, S. 1197-1204.

Jessen, Jonas/ Schmitz, Sophia/ Spieß, C. Katharina/ Waights, Sevrin (2018): Kita-Besuch hängt trotz ausgeweitetem Rechtsanspruch noch immer vom Familienhintergrund ab. DIW-Wochenbericht 38/2018, S. 825-836.

Jessen, Jonas/ Schmitz, Sophia/ Waights, Sevrin (2019): Understanding Day Care Enrolment Gaps. DIW Discussion Papers 1808, https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.635046.de

Menne, Klaus (2015). Betreuungsumfang-Teil 1. Eine vernachlässigte Dimension der Krippenerziehung. Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, H. 7, S. 256-261.

Menne, Klaus (2015). Betreuungsumfang-Teil 2. Eine vernachlässigte Dimension der Krippenerziehung. Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, H. 8, S. 296-302.

Münder, Johannes (2017): Bedarfsdeckende Förderung und Betreuung für Grundschulkinder durch Schaffung eines Rechtsanspruchs. Berlin.

Roth, Tobias/ Klein, Oliver (2018): Effekte politischer Reformen auf die außerfamiliäre frühkindliche Betreuungsbeteiligung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.  Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 70. Jg., H. 3, S. 449–467.

Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München
Sekretariat
Martina Speier
+49 89 62306-233

Bisherige Phasen des Projekts