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Qualität der Kindertagesbetreuung in Deutschland

Rahmenbedingungen für eine gute Qualität in der Kindertagesbetreuung

Was zeichnet gute Kindertagesbetreuung aus und wie lässt sie sich weiterentwickeln? Diesen Fragen mit Blick auf strukturelle Parameter des Systems geht das ERiK-Projekt (Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung) anlässlich des Monitorings zum „Gesetz zur Fortsetzung und Weiterentwicklung des KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetzes“ (KiQuTG) nach. Dieses ist im Januar 2025 in Kraft getreten und hat damit das sogenannte „Gute-KiTa-Gesetz“ (2019 – 2022) und „Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ (KiTa-Qualitätsgesetz; 2023-2024) abgelöst. Das Gesetz zielt wie bereits seine Vorgänger darauf ab, die Rahmenbedingungen für Qualität und Teilhabe in der Kindertages­betreuung zu verbessern.

Um diese Ziele zu erreichen, besteht Handlungs­bedarf in verschiedenen Bereichen des Systems der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Daher umfassen die Rege­lungsbereiche des Gesetzes unterschiedliche Handlungsfelder, wie beispielsweise die Ver­besserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels, die Stärkung der Leitung oder auch der Kindertages­pflege (siehe Abbildung „Handlungsfelder des Gesetzes“). Der Bund stellt den Ländern bis 2026 insgesamt rund 4 Milliarden Euro zur Verfügung, über deren Einsatz die Länder selbst entscheiden. Voraussetzung ist, dass mindestens die Hälfe der Mittel in die sieben vorrangigen Handlungsfelder fließen (siehe weiße Felder in der Abbildung), die für die Qualitätsentwicklung von besonderer Bedeutung sind. Auch neue Maßnahmen dürfen nur in diesen Handlungsfeldern ergriffen werden.

Der „Instrumentenkasten“ des KiTa-Qualitätsgesetzes stellt ein relativ neues steuerungs­politisches Instrument dar, das die Erkenntnisse langjähriger Forschung berücksichtigt und eine gezielte Förderung struktureller Qualitätsbereiche in der Kindertagesbetreuung ermöglicht.
 

Ziel des ERiK-Projekts ist es, seit 2019 die Veränderungen und Herausforderungen in den ver­schiedenen Handlungsbereichen im bundesdeutschen FBBE-System fortlaufend darzustellen. Dies erfolgt durch den gesetzlich verankerten Auftrag eines indikatorengestützten Monitorings, das sowohl bundeslandspezifisch als auch bundeslandübergreifend ausgerichtet ist und verschiedene Datenquellen nutzt. Zentral ist dabei der multiperspektivische Ansatz, der die Sichtweisen der beteiligten Personen auf den unterschiedlichen Ebenen des Systems der Kindertagesbetreuung berücksichtigt: So werden alle zwei Jahre Jugendämter, Kindertagespflegepersonen, Träger von Kindertageseinrichtungen, Leitungen und pädagogisches Personal sowie Eltern um ihre Meinung gebeten. 

ERiK-Forschungsbericht V

Mit den Daten der Erhebungsjahre 2020, 2022 und 2024 stehen für den ERiK-Forschungsbericht V erstmals drei Messzeitpunkte zur Verfügung. Dadurch können sowohl mittelfristige Entwicklungen seit dem Ausgangsjahr 2020 als auch kurzfristige Veränderungen gegenüber der Vorerhebung 2022 untersucht werden. „Die Besonderheit des Monitorings liegt in seiner Multiperspektivität, mit der es sich den Inhalten der Handlungsfelder nähert“, so die Herausgeberin Dr. Sina Fackler. Neben den jährlich erhobenen amtlichen Daten, unter anderem der Kinder- und Jugendhilfestatistik oder des Mikrozensus, fließt auch die Perspektive von rund 20.000 Eltern in das Monitoring ein. Diese werden im Rahmen eines Zusatzmoduls der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) jährlich befragt. Die eigens entwickelten fünf ERiK-Surveys nehmen zudem die Perspektive von Leitungen von Kindertages­einrichtungen, pädagogischem Personal, Trägern, Jugendämtern und Kindertagespflegepersonen in den Blick. „Die Daten der mittlerweile dritten ERiK-Befragungen ermöglichen es uns erstmals, an­hand eigener Befragungen sowohl kurzfristige Entwicklungen seit der letzten Datenerhebung wie auch mittelfristige Entwicklungen seit Beginn der Förderphase darzustellen. Durch die Einbindung verschiedener Akteurinnen und Akteure der Kindertagesbetreuung in die Befragungen erhalten wir einen Datenschatz, der uns bisher nicht vorhandene Einblicke in die Grundlagen von Qualität in der Kindertagesbetreuung in Deutschland ermöglicht,“ betont Fackler.

Mit Blick auf zentrale Themen wie der Situation von Leitungen und Personal, der sprachlichen Bildung oder Förderung der Gesundheit, Ernährung und Entwicklung lassen sich einige Ver­änderungen feststellen.

  • Fachkraft-Kind-Schlüssel

Verbesserungen zeigen sich dem Bericht zufolge unter anderem beim Fachkraft-Kind-Schlüssel, also dem Verhältnis von pädagogischem Personal zu betreuten Kindern. Er gilt als zentrales strukturelles Qualitätsmerkmal der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung, weil er darüber entscheidet, ob und inwiefern das Kita-Personal den Kindern positive pädagogische Interaktionen und bildungsan­regende Aktivitäten ermöglichen kann. Während sich im Jahr 2019 in Gruppen für unter 3-Jährige eine pädagogisch tätige Person um durchschnittlich 4,2 Kinder kümmerte, waren es im Jahr 2024 nur noch 3,8. In Gruppen mit Kindern von 3 Jahren bis zum Schuleintritt hat sich der Fachkraft-Kind-Schlüssel von 8,4 auf 7,5 Kinder verbessert. Die Fachkraft-Kind-Schlüssel unterscheiden sich weiter­hin deutlich zwischen den Bundesländern, wenngleich sich die Abstände etwas verringert haben. Auch mit Blick auf Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache sowie Kinder mit Anspruch auf Ein­gliederungshilfe zeigt sich den Daten zufolge ein positiver Trend: Gruppen mit mindestens einem Kind, das Eingliederungshilfe erhält, sowie Gruppen mit einem höheren Anteil an Kindern, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, sind inzwischen personell besser ausgestattet.

  • Sprachliche Förderung

Im Hinblick auf die sprachliche Bildung zeigt das Monitoring, dass kindliche Sprachentwicklung, Sprachbeobachtung, Dokumentation und Förderung einen festen Platz in der Ausbildung von Erzieher:innen haben. Insbesondere das Thema „Mehrsprachigkeit“ hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen und war bei rund 61% des jüngeren pädagogischen Personals Bestandteil der Ausbildung. Zudem sind mehrsprachige Materialien und Aktivitäten besonders in Einrichtungen mit einem hohen Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache vergleichsweise etabliert. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass dort Fördermaßnahmen früher einsetzen und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Während die sprachliche Förderung im Allgemeinen ab dem 49. Lebensmonat der Kinder beginnt, setzt sie in Einrichtungen mit mehr als 30% Kindern mit nicht­deutscher Familiensprache bereits ab dem 41. Lebensmonat ein und dauert dort rund 20 Monate – gegenüber 14 Monaten in Einrichtungen mit einem geringeren Anteil von Kindern mit nicht­deutscher Familiensprache. Obwohl das Thema fest verankert ist, schätzt das pädagogische Personal den Fortbildungsbedarf zum Thema „Sprache/Literacy“ konstant im mittleren Bereich ein. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer differenzierten Sprachstandsbeobachtung und einer bedarfsgerechten Förderung für die Unterstützung von Chancengerechtigkeit.

  • Gesundheitsförderung 

Auch im Bereich Gesundheit, Ernährung und Bewegung zeigen die Ergebnisse positive Entwick­lungen. Bewegungsförderung ist in den meisten Einrichtungen fest im pädagogischen Alltag verankert und wird von den Fachkräften als wichtiger Bestandteil frühkindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse angesehen. Zudem orientierten sich im Jahr 2024 bundesweit 54% der Kindertageseinrichtungen mit Mittagsverpflegung an Qualitätsstandards für die Verpflegung. Gegenüber 2020 entspricht dies einem Anstieg um 10 Prozentpunkte (2020: 44%). Gleichzeitig sehen pädagogische Fachkräfte in verschiedenen gesundheitsbezogenen Themenfeldern weiteren Entwicklungsbedarf. So nennen 53% die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern, 45% die Gesundheitsförderung und 37% den Bereich Bewegung, Motorik und Psychomotorik als Themen, bei denen das pädagogische Konzept ihrer Einrichtung verbessert werden könnte. Im Vergleich zu 2020 sind die Anteile in allen drei Bereichen deutlich gestiegen.
 

Projekt „Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung (ERiK)“ mit Downloadmöglichkeit aller Forschungs- und Methodenberichte


Kontakt
Dr. Franz Classe
Projektleitung ERiK
Tel.: 089/62306-207
classe@dji.de

Dr. Yasmin Öztürk
Projektleitung ERiK
Tel.: 089/62306-209
oeztuerk@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de