„Die Kita-Plätze reichen längst noch nicht aus“
Der Bedarf an Plätzen in der Kindertagesbetreuung ist immer noch deutlich größer als das Angebot, mahnt DJI-Wissenschaftlerin Christiane Meiner-Teubner anlässlich neuer Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Christiane Meiner-Teubner (Foto: Sebastian Volberg)
Meiner-Teubner: Stimmt, in den vergangenen Jahren wurde eine hohe Anzahl zusätzlicher Plätze geschaffen. Das heißt, wir beobachten seit Jahren einen ständigen Anstieg der Anzahl der unter 3-Jährigen in der Kindertagesbetreuung. Seit 2006 sind es fast eine halbe Million mehr Kinder geworden. Nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes besuchten im Frühjahr 2018 33,6 Prozent – also mehr als jedes dritte unter 3-jährige Kind – eine Kita oder Kindertagespflege. 2006 lag die Quote noch bei knapp 14 Prozent – also etwa jedes siebte Kind. Doch weiterhin reicht das verfügbare Platzangebot nicht aus, um allen Eltern, die einen Platz für ihr unter 3-jähriges Kind wünschen, einen solchen bereitzustellen.

Neben den gestiegenen Inanspruchnahmequoten steigen auch die Elternwünsche. Nach einer jährlich vom DJI durchgeführten Elternbefragung wünschen sich immer mehr Eltern für ihre Kinder einen Platz in der Kindertagesbetreuung: Im Jahr 2017 haben 45 Prozent der Eltern von unter 3-Jährigen diesen Wunsch geäußert, im Jahr 2006 waren es nur 36 Prozent der Eltern. Darüber hinaus haben zwei weitere Entwicklungen dazu beitragen, dass zusätzliche Plätze geschaffen werden müssen. Erstens sind die Geburten in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als erwartet und zweitens sind vor allem in den Jahren 2015 und 2016 überdurchschnittliche viele Familien mit jungen Kindern zugewandert. Beides hat dazu geführt, dass die Anzahl der Kinder in der Bevölkerung stark gestiegen ist, sodass zusätzliche Plätze geschaffen werden müssen, damit erst einmal die Inanspruchnahmequote konstant gehalten werden kann. Und das betrifft sowohl die Altersgruppe der unter 3-Jährigen als auch die Kinder zwischen 3 Jahren und dem Schuleintritt. Die Kita-Plätze reichen deshalb auch in den kommenden Jahren längst noch nicht aus.
Nein, das können wir so nicht beobachten. Das Personal in den Kitas ist nach wie vor fast ausschließlich fachlich einschlägig qualifiziert, das heißt, die pädagogisch Tätigen haben einen Abschluss als Erzieherin bzw. Erzieher, eine akademische Ausbildung im pädagogischen Bereich, sind Sozialassistentinnen bzw.-assistenten oder Kinderpflegerinnen bzw. -pfleger. In der Kindertagespflege ist das Ausbildungsniveau zwar geringer, doch hier sehen wir einen deutlichen Anstieg an Tagesmüttern und -vätern, die mindestens einen Qualifizierungskurs absolviert haben. 2006 waren es noch 43 Prozent – also nicht einmal die Hälfte der Tagespflegepersonen – und heute sind es etwa 85 Prozent. Auch die Ausstattung mit Personal in den Gruppen konnte in den vergangenen Jahren immer wieder zumindest leicht verbessert werden. Problematisch sind allerdings die starken regionalen Unterschiede. Schaut man allein auf die Landesebene, ist beispielsweise in Baden-Württemberg rechnerisch eine vollzeittätige Person für drei ganztagsbetreute Kinder unter 3 Jahren zuständig – demgegenüber sind es in Sachsen doppelt so viele Kinder. Aber auch innerhalb der Bundesländer existieren große Unterschiede, sodass es vom Wohnort der Kinder abhängig ist, welche Qualität ihnen in einer Kita geboten wird. Ein Ziel des Gesetzes ist es, diese Spannbreite zu reduzieren.
Innerhalb der Bundesländer existieren große Unterschiede, sodass es vom Wohnort der Kinder abhängig ist, welche Qualität ihnen in einer Kita geboten wird.
Hier stehen wir tatsächlich vor einer großen Herausforderung. Wir gehen davon aus, dass auch in den nächsten Jahren noch mindestens 65.000 zusätzliche Fachkräfte gefunden werden müssen, allein um den Geburtenanstieg, der Zuwanderung und der Erfüllung des Rechtsanspruchs gerecht zu werden. Für Qualitätsverbesserungen wird noch einmal erheblich mehr Personal benötigt. Aktuell ist nicht absehbar, dass diese zusätzlichen Fachkräfte allein durch das Ausbildungssystem bereitgestellt werden können. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren Frauen, die aufgrund einer Familienphase nicht in ihrem Beruf gearbeitet haben, frühzeitig wieder zurückgeholt worden. Diese Reserve ist allerdings mittlerweile nahezu ausgeschöpft, sodass nun neue Wege gefunden werden müssen. Sowohl Bund, Länder, Träger als auch weitere Akteure in der Kindertagesbetreuung versuchen verschiedene Strategien zu entwickeln, wie sie diese Herausforderung bewältigen können.
Kontakt
Dr. Christiane Meiner-Teubner
Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
0231/755-8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de