„Es fehlen Strategien, wie die Personallücke zu schließen ist“
DJI-Direktor Thomas Rauschenbach über Herausforderungen der Frühen Bildung im Jahr 2018 und wie diese bewältigt werden können
Thomas Rauschenbach (Foto: David Ausserhofer)
Im Jahr 2017 signalisierten bundesweit 45 Prozent der Eltern von ein- und zweijährigen Kindern den Wunsch nach einem Kita-Platz oder einer Tagespflege, 2005 waren es nur 35 Prozent.
Wir müssen die Anstrengungen verstärken, den Arbeitsmarkt noch attraktiver zu machen, beispielsweise indem Fachkräfte tariflich wie andere Bildungsberufe eingruppiert werden.
Wie kann man das drohende Platz- und Personalproblem lösen? Wir brauchen meines Erachtens hierfür ein mehrdimensionales Konzept. Zunächst müssen die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten ausgeweitet und reformiert werden. Zudem müssen wir versuchen, mehr ausländische Fachkräfte mit guten Deutschkenntnissen zu gewinnen; es müssen aber auch für Fachkräfte, die nicht mehr berufstätig sind, Anreize zur Rückkehr geschaffen werden; daneben sollten Teilzeitkräfte – auch durch Geld – motiviert werden, mehr Stunden zu arbeiten; und schließlich müssen die Anstrengungen verstärkt werden, diesen Arbeitsmarkt noch attraktiver zu machen, indem Fachkräfte tariflich wie andere Bildungsberufe eingruppiert werden.
Zunächst muss man sehen, dass die Unterschiede in den Kita-Besuchsquoten keineswegs durchgängig so groß sind, wie oft unterstellt wird. Im Alter ab drei Jahren besuchen 84 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund eine Kita; das sind 14 Prozentpunkte weniger als bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Das heißt aber auch, dass inzwischen acht von zehn dieser Kinder mehrere Jahre lang in eine Kita gehen. Bei den unter Dreijährigen ist der Abstand mit 20 Prozentpunkten größer. Dennoch sehen wir, dass in den vergangenen Jahren verstärkt Kinder in die Kitas gekommen sind, die zu Hause meist kein Deutsch sprechen – hier geht der Trend eindeutig in die richtige Richtung. Letztlich ist es sicher nicht nur die Frage, ob die zugewanderten Familien erreicht werden und sie einen Platz in der Kita möchten. Denn die Unterschiede bei den Besuchsquoten gehen trotz des Rechtsanspruchs auch darauf zurück, dass die „einheimischen“ Eltern im Gerangel um die zu knappen U3-Plätze erfolgreichere Strategien haben.