App-Kurzbeschreibung

Die iOS App „iMovie“ gehört zur Standardausrüstung von iPads und ermöglicht das Zusammenstellen und Nachbearbeiten von Video- und Fotodateien. Die Clips können mit verschiedenen Farbfiltern versehen, durch Übergänge verbunden und mit Audioaufnahmen und/oder Musik unterlegt werden. Die App stellt außerdem eine Auswahl an Trailern zur Verfügung, die bereits vorstrukturiert und musikalisch unterlegt sind. Hier können eigene Fotos und Videosequenzen eingebunden und die Texte angepasst werden. Die App ist offline nutzbar, enthält weder Werbung noch In-App-Käufe, bietet allerdings bei bestehender Internetverbindung die Möglichkeit, Videos auf YouTube hochzuladen.

Die App ist übersichtlich im Aufbau, die Grundfunktionen können von den Kindern nach einer kurzen Einführung selbstständig bedient werden. Auch die Trailer lassen sich schon mit Kindergartenkindern nutzen. Einen ausführlichen  Steckbrief zum Programm mit Anleitungen und Ideen zum Einsatz gibt es hier: www.blickwechsel.org/images/Medienpaedagogik/BildungshAPPchen/Steckbriefe/iMovie_Steckbrief.pdf.

 

Rahmenbedingungen

Gruppengröße: 12 Kinder, 2 Erzieherinnen

Alter: 4 bis 6 Jahre

Dauer: 90 Minuten

Material: 3 Tablets mit der App iMovie (iOS)

Idee: Kinder setzen sich mit ihren Medienvorlieben auseinander. Sie führen Ergebnisse aus mehreren Arbeitsphasen zu einem iMovie-Superheld*innen-Trailer zusammen.

 

Die App wurde im Dezember 2018 in einer Bremer Kita mit 12 Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren getestet.

 

Zur Kita:

Das städtische Kinder- und Familienzentrum in Bremen betreut 140 Elementarkinder und 40 Hortkinder. Von den 180 Kindern haben 27 Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit und 178 Familien sind beitragsfrei. Der Stadtteil, in dem die Kita liegt, gehört zu denjenigen, die einen hohen Rang auf dem Bremer Benachteiligungsindex einnehmen, in denen also besonders viele Familien in prekären Lagen leben. Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die mehrsprachig aufwachsen, stellen die Mehrheit. Die Familiensprachen sind überwiegend Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Bulgarisch, Serbokroatisch, afrikanische Sprachen, Englisch und Französisch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Türkisch und Arabisch.

 

Vorbereitung

Für die Aktion steht ein etwa 40 qm großer Raum zur Verfügung, in dem die Gruppe ungestört arbeiten und sich zwischendurch auch bewegen und spielen kann.

Im Vorfeld wurde überprüft, dass alle Akkus geladen sind und die App läuft. Ein Tablet wurde mit einem Beamer verbunden, Tablet und Projektion so ausgerichtet, dass die Kinder sich beim Hereinkommen sofort sehen und der komplette Stuhlkreis im Bild ist.

Für den Spiderman-Trick wird eine schlichte Wand im Flur vor dem Raum so vorbereitet, dass keine Bilder o.Ä. mehr daran hängen. Der Trick wirkt besser, wenn nicht durch Bilder, Möbel, Fenster o.Ä. im Hintergrund sofort zu erkennen ist, dass die Kinder nicht wirklich an einer Wand hochklettern.

 

Was bisher geschah …

In mehreren Sitzungen haben sich die Kinder mit ihren Medienvorlieben auseinandergesetzt: Sie haben sich gegenseitig zu ihren Lieblingssendungen und -spielen interviewt, ihre Medienidole und Medienerlebnisse beschrieben und gemalt. Die Interviews und Fotos von den Zeichnungen haben sie zu einem kurzen Film zusammengestellt (siehe Praxisbericht „Über Medien reden – mit iMovie einen Film über Medienvorlieben machen“).

Dabei wurden sie auf die Trailer aufmerksam, die iMovie im Repertoire hat. Diese wollten sie auch noch gerne ausprobieren.

 

Einstieg: Huch, ich seh´ mich selber!

Das Tablet ist mit dem Beamer verbunden. Als die Kinder den Raum betreten, sehen sie sich auf der Projektionsfläche. Sofort beginnen sie, vor der Kamera zu agieren. Sie schneiden Grimassen, winken und zappeln. Die Erzieherin bittet die Kinder nach einigen Minuten des freien Ausprobierens, sich in den Stuhlkreis zu setzen. Eigentlich müssten nun alle Kinder im Bild sein. Aber die Erzieherin hat einen Ausschnitt herangezoomt und fragt erstaunt: „Ups! Wo seid ihr denn hin?“ Die Kinder rufen durcheinander: „Hier! Hier sind wir doch!“ Die Erzieherin zeigt auf die Projektion und fragt: „Aber ich sehe euch nicht?!“ Die Kinder rufen durcheinander. Ein Kind weiß, dass es einen Zoom gibt! Die Erzieherin zoomt langsam etwas auf, sodass nach und nach alle Kinder wieder im Bild sind. Sie erklärt den Kindern, dass die Kamera immer nur einen Ausschnitt zeigt und dadurch für uns am Fernseher nicht alles zu sehen ist - und dass es beim Film noch mehr Tricks gibt. Sie fragt, ob die Kinder Lust hätten, ein paar Tricks auszuprobieren, z.B. so heldinnenhaft zu sein wie Ladybug oder wie Spiderman an Hauswänden hochklettern zu können. Die Kinder stimmen begeistert zu.

 

Aktivphase: Was Super-Held*innen so alles können …

Es liegen verschiedene Verkleidungsutensilien bereit und das Tablet bleibt mit dem Beamer verbunden, sodass sich die Kinder immer direkt sehen können. Sie experimentieren mit Kostümen und agieren vor der Kamera. Dabei fotografieren sie sich selbst und gegenseitig.

Die Erzieherin regt an, verschiedene Haltungen auszuprobieren: breitbeinig und mit angestrengt aussehendem Gesicht wird ein Kind aus der Froschperspektive, also von unten, aufgenommen. Es wirkt so viel mächtiger als aus der Normalperspektive oder womöglich sogar von oben geknipst. Die Vogelperspektive von oben lässt uns eher klein und ängstlich erscheinen.

Einige Kinder probieren den „Spiderman-Trick“: Dazu legt sich ein Kind auf den Boden und drückt sich mit Händen und Füßen ein bisschen vom Boden ab. In der Haltung bewegt es sich – natürlich mit angestrengter Mine – frontal auf ein Tablet zu, mit dem ein anderes Kind am Boden auf Augenhöhe des Kindes filmt.

 

Parallel: Einführung in die App

Nachdem die Kinder etwa 10 Minuten Verkleidungen probiert und fotografiert haben, testet die eine Hälfte der Gruppe mit einer Erzieherin Superheld*innen-Posen und -Tricks aus. Mit der anderen Hälfte der Gruppe startet die andere Erzieherin die App iMovie, die den Kindern noch vom letzten Mal bekannt ist. Das Startfenster mit dem großen Plus ist eindeutig. Die Kinder tippen auf das Plus, die Erzieherin zeigt in dem Fenster, das sich daraufhin öffnet, auf den Trailer.

Sie wählt den Trailer „Superhelden“, weil der gut zum Thema passt und ein Vorführen aller Optionen an dieser Stelle die Kinder überfordern und mit zu viel Auswahl konfrontieren würde. Sie zeigt, wie die Vorlage aussieht und erklärt, dass nun gemeinsam ein eigener kurzer Film mit den Fotos und Filmchen von heute und den Ergebnissen vom letzten Mal gemacht werden kann.

Es öffnet sich ein Fenster, in dem Titel, Darsteller*innen und weitere Mitwirkende aufgeführt werden. An dieser Stelle haben die Kinder, da sie noch nicht lesen und schreiben können, wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten. Aber die Erzieherin nimmt das Gespräch über die Medienvorlieben noch einmal auf und tippt dabei einen Filmtitel und die Namen der Kinder ein. Dann wechselt sie zum Storyboard und gemeinsam werden kurze Sequenzen ausgewählt und eingefügt. Die ergänzenden Textpassagen füllt sie mit Aussagen der Kinder.

Nach etwa einer halben Stunde machen die Kinder zehn Minuten Pause und wechseln dann die Gruppen. In der Pause lädt die Erzieherin über Air Drop die Fotos und Filmchen, die heute entstanden sind, auf das iPad, an dem die erste Gruppe den Trailer begonnen hat.

 

Kreativphase: verkleiden, fotografieren, filmen, inszenieren …

Nach der Pause experimentieren die Kinder in den getauschten Arbeitsgruppen nochmal für etwa 20 Minuten. Dabei lädt die Erzieherin zwischendurch ein paar Fotos und Filmchen aus der zweiten Superheld*innen-Posen und -Tricks-Gruppe auf das Trailer-iPad, um auch diese zusammen mit den Kindern der zweiten Trailer-Gruppe integrieren zu können.

Das Integrieren der Fotos und Clips ist nicht schwierig. Ein Fingertipp auf einen grauen Kasten im Storyboard, dann ein Tipp auf die ausgewählte Sequenz. Ein kleines Pluszeichen erscheint unter der Sequenz. Wird dieses angetippt, „springt“ die Sequenz in das zu füllende Feld im Storyboard. Handelt es sich dabei um eine Videoszene, kann dann noch genau ausgewählt werden, welcher Ausschnitt  es sein soll. Dazu wird ein gelber Rahmen auf der Sequenz nach links oder rechts geschoben. In dem Rahmen sieht man die ausgewählte Szene.

Die Kinder sind aktiv an der Auswahl beteiligt und holen mit Unterstützung der Erzieherin weitere Fotos und Videosequenzen in die Arbeitsdatei. Einige Kinder haben mehr Spaß an den Verkleidungsspielen und wechseln wieder in die andere Gruppe. Die übrigen sind hochkonzentriert bei der Sache. Als der Film fertig ist, speichern wir ihn ab und räumen alle gemeinsam die Verkleidungssachen auf.

 

Abschluss

Wir bauen den Stuhlkreis so auf, dass alle gut die Projektion sehen können und dunkeln den Raum noch ein bisschen ab. Dann schauen wir uns zunächst die einzelnen Fotos und kurzen Filme mit den Posen und Tricks an.

Die Erzieherin fragt die Kinder, wie es sein kann, dass einige da an der Wand hochklettern und lässt sich die Posen und Tricks nochmal erklären. Die Beschreibung der Arbeitsschritte macht den Kindern die Abläufe bewusst und regt sie dazu an, sich nochmal mit dem zu befassen, was sie in dieser Aktion gelernt haben.

Anschließend startet die Erzieherin den Superheld*innen-Film. Die Kinder sind begeistert. Die Kombination aus eigenen Fotos und Filmen mit der Musik, den Effekten und dem Vor- und Abspann wirkt so professionell, dass es die Kinder fasziniert. Das wird sicherlich nicht der letzte Trailer sein, den sie erstellt haben.

 

Auswertung

Die App erschließt sich den Kindern in ihren Grundfunktionen schnell. Voraussetzung ist allerdings, dass die Betreuungspersonen sich vorher mit der App ausführlich befasst und die Grundfunktionen und Einstellungen verstanden haben. Dann wissen sie genau, worauf sie sich konzentrieren müssen und können die Kinder gut anleiten.

Kindergartenkindern ist der Begriff Trailer nicht unbedingt bekannt, für sie handelt es sich hier einfach um einen kurzen Film mit Effekten und Musik. Sie können so sehr einfach einen eindrucksvollen kleinen Film erstellen, der sehr professionell wirkt und dadurch eine hohe Faszination ausübt.

Dennoch braucht es ein bisschen Geduld, um den Trailer zusammen zu stellen und dabei halten nicht alle Kinder gleich konzentriert durch. Deshalb sollten unbedingt Parallelangebote, wie hier die Verkleidungsaktion, bereitgehalten werden, damit die Kinder je nach Interesse agieren und dabeibleiben können.

Die Sequenzen können immer sofort angesehen werden, so konnten die Kinder begutachten, wie die Auswahl zusammen mit Musik und Effekten wirkt. Das hat ihnen Spaß gemacht und sie motiviert, dran zu bleiben und weiter zu machen. Die App eignet sich gut, um kreativ und kooperativ ein Gemeinschaftsprojekt zu gestalten, in dem Fotos und Videos von allen Kindern der Gruppe kombiniert werden können. Die Kinder tauschen sich über bisherige Arbeitsphasen aus und sprechen sich ab. Sie agieren gemeinsam und erfreuen sich zusammen an den Ergebnissen.

Es sind Absprachen zwischen den Kindern notwendig, Aushandeln von Reihenfolgen und Einigen über Zuständigkeiten. Medienarbeit ist Teamarbeit, stärkt soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeiten sowie technisches Verständnis und regt die Auseinandersetzung mit medialen Inszenierungen an.

Bericht und Fotos: Susanne Roboom im Auftrag des DJI e. V.


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