Kurzbeschreibung der App

Die Kamera-App gehört zur Grundausstattung eines jedes Tablets. Sie lässt sich auch im pädagogischen Bereich gut einsetzen, denn die Funktionsweise ist, unabhängig vom Betriebssystem und dem Alter des Tablets, immer gleich. Die Bedienung erschließt sich innerhalb von Sekunden und ändert sich auch nicht grundlegend durch Updates. Während andere Apps meist inhaltlich und methodisch spezialisiert sind, bietet die Kamera-App unzählige Einsatzmöglichkeiten.

Bei unserem Praxisbericht kam allein das Fotografieren im Hoch- oder Querformatwurden zum Einsatz. Videoaufnahmen sowie Spezialeffekte, wie Zeitraffer- oder Panoramaaufnahmen, wurden bewusst außen vor gelassen. Dabei wurde stets im Automatikmodus gearbeitet.

 

Rahmenbedingungen

Bei diesem Praxistest sollten unterschiedliche Möglichkeiten ausprobiert werden, die Kamera des Tablets zu nutzen. Die drei beteiligten Erzieherinnen hatten sich jeweils ein eigenes Thema ausgesucht. Neun Kinder in drei Gruppen lernten so nacheinander verschiedene Einsatzmöglichkeiten der Kamera-App kennen. Im Rhythmus von ca. 20 Minuten erprobten die Vier- bis Fünfjährigen das Fotografieren mit dem Tablet in unterschiedlichen Zusammenhängen. Am Ende wurden die Ergebnisse gemeinsam mittels Beamer betrachtet und ausgewertet. Das in der Einrichtung schon vorhandene „Kinder-Tablet“ (Android) wurde dazu um zwei iPads ergänzt.

 

Vorbereitung

Obwohl in der Kita ein Tablet vorhanden ist, ist dieses bisher kaum zum Einsatz gekommen. Der Träger hat das Fotografieren von Kindern mittels Mobilgeräten untersagt, um die ungewollte Verbreitung von Bildern über das Internet zu verhindern.

Im Vorfeld des Projektes wurde über mögliche Aktivitäten gesprochen. Schnell zeigte sich, dass sich vielfältige Möglichkeiten ergeben, mit dem Fotografieren an verschiedenen Bildungsthemen anzuknüpfen. Die drei beteiligten Erzieherinnen wählten Methoden zu den Bereichen Forschen, Mint und emotionale Entwicklung.

Schon während der Vorbereitung wurde deutlich, dass dabei eine Abgrenzung der Bildungsbereiche kaum Sinn macht. Der kreative Umgang mit Medien lässt sich nicht auf einzelne Bereiche begrenzen. Beispielsweise beinhalten alle erprobten Methoden auch eine sprachliche Auseinandersetzung mit den Aktivitäten. Somit erfolgt immer auch eine Förderung der sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen der Kinder.

Ein zusätzliches Tool sollte im Projekt zum Einsatz kommen: die im Fach- oder Versandhandel erhältlichen Aufstecklinsen für Mobilgeräte. Sie lassen sich vor jedes Smartphone oder Tablet klemmen und verändern radikal den Sichtbereich der Kamera, beispielsweise zu einem „180°-Fischauge“ (Weitwinkel) oder zu einer „Lupe“ (10-fach-Makro).

 

Durchführung

Die Fokussierung auf die Kamera-App führte in der Praxis dazu, dass weder lange Erklärungen noch Übungsphasen notwendig waren. Alle Kinder kannten Tablets und wußten, wie sie mit ihnen fotografieren können. Es konnte sofort mit der inhaltlichen Arbeit begonnen werden.

 

Forschen mit der Makrolinse

Die aufgesetzte Makrolinse vor der Tabletkamera ermöglichte ungeahnte Einblicke in die Welt der kleinen Dinge. Das Erforschen begann bei den eigenen Schuhen und wurde dann in der Natur fortgesetzt. Die zehnfache Vergrößerung lässt Grashalme riesig erscheinen, Sandkörner wie Steine aussehen und zeigt Blüten bis ins kleinste Detail. Herausfordernd für die Kinder war der sehr kleine Schärfebereich: Man muss den richtigen Abstand sehr genau treffen, sonst wird das Bild unscharf. So entstand die Idee, eine Halterung aus Büchern zu bauen, unter die die zu untersuchenden Objekte gelegt werden. Damit entstanden faszinierende Bilder, die von den beteiligten Kindern sofort auf dem großen Bildschirm bestaunt werden konnten.

 

Meine Lieblingsbeschäftigung – oder: Wer bin ich?

Eine einfache Frage ermöglichte an der zweiten Station eine Auseinandersetzung mit den eigenen Vorlieben: „Fotografiert eure Lieblingsbeschäftigung im Kindergarten“, lautete die Aufgabestellung. Zunächst durfte jede/r benennen, womit er/sie sich am liebsten beschäftigt. Dabei wurden erwartbare, aber auch überraschende Tätigkeiten genannt. Kinder und Erzieherin staunten z. B., dass gleich mehrere Kinder das Fußballspielen als Lieblingsbeschäftigung nannten. So ermöglichte die offen gestellte Fotoaufgabe den Kindern die Freiheit, eigene Vorlieben zu zeigen. Der Erzieherin eröffneten sich spannende Einblicke in die Wünsche der Kinder. Bei der Suche nach der eigenen Identität wurde das Tablet zum Werkzeug, sich die eigenen Wünsche bewusst zu machen und diese auf ungewohnte Art zu artikulieren.

 

Formen und (Lieblings-)Farben

In der dritten Station wurden Methoden erprobt, auf spielerische und aktive Weise abstrakte Kategorien visuell einzufangen. „Formen und Farben“ wurden als Thema gewählt. Die Kinder überlegten, welche geometrischen Formen sie schon kennen und machten sich anschließend auf die Suche danach in der Kita. Außerdem wurden Farbbeispiele gesammelt. Diese Aufgabe wurde schnell zum Darstellen der eigenen Lieblingsfarben umgedeutet. Hier ließ sich erkennen, wie die Kinder selbstbestimmt mit dem „Werkzeug“ Kamera-App umgehen und dieses gemäß eigener Bedürfnisse einsetzen: Der Bezug zur eigenen Person über die Lieblingsfarbe war den Kindern wichtiger als das reine Sammeln und Forschen.

 

 

Gemeinsamer Abschluss

Nachdem die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der Kamera-App ausprobiert worden waren, wurden die Ergebnisse gemeinsam über einen Beamer betrachet. Diese „Würdigung“ war den Kindern wichtig und so waren sie mit Konzentration und Eifer dabei, obwohl sie an diesem Vormittag schon intensiv „gearbeitet“ hatten. Die verwendeten Tablets ermöglichten auf unkomplizierte Weise das gemeinsame Betrachten, weil sie mittels Adapter direkt an den Beamer angeschlossen werden können und die Fotos nicht erst auf einen Computer überspielt werden müssen. Durch die vielfältigen Ergebnisse ergaben sich interessante Gesprächsthemen. Die großflächige Darstellung ermöglichte es den teilnehmenden Kindern, ihre Ergebnisse mit allen zu teilen und diese gegebenenfalls noch einmal zu erläutern.

 

Auswertung

Die Kamera-App ist ein einfach zu bedienendes Werkzeug, das eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten bietet. Die Kinder gingen wie selbstverständlich damit um. Wenn etwas nicht sofort klappte, unterstützten sie sich gegenseitig. Das Display der Tablets ermöglicht ein sofortiges Betrachten - auch mit mehreren Personen. Die Tatsache, dass die App thematisch und methodisch unspezifisch ist, schränkt nicht ein, sondern eröffnet ein breites Einsatzgebiet. Dies führt auch dazu, dass die Kinder sofort ihre eigenen Ideen einbringen.

Ein Tablet bietet nicht mehr Funktionen als ein digitaler Fotoapparat samt Laptop. Aber die Nutzung ist intuitiv und die Ergebnisse sind direkt verwertbar. Dadurch fand in dem Projekt weniger Auseinandersetzung mit der Technik statt, die Kinder konnten sich auf die Inhalte konzentrieren.

Die Aufstecklinsen gehören nicht zur Standardausstattung der Tablets, ermöglichen aber für etwas mehr als zehn Euro verblüffende Zoom- und Weitwinkelaufnahmen. Allerdings erfordert der Einsatz etwas Übung - auch für die pädagogischen Fachkräfte, um selbst Sicherheit im Umgang damit zu gewinnen. Für die Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren war das kleinere Tablet (7 Zoll) ideal, da sie dieses besser handhaben konnten als die größeren (10 Zoll).

Als Einschränkung zu betrachten ist das grundsätzliche Verbot des Trägers, digitale Fotos von den Kindern anzufertigen. Hier wäre eine Schulung hilfreich, wie sich verhindern lässt, dass Fotos im Internet verbreitet werden. So könnten die Bedenken der Leitung adressiert werden, die Fachkräfte würden zugleich eine größere Sicherheit im Umgang mit den Geräten erreichen. Inhaltlich wäre das ein großer Gewinn, denn Kindern bieten die Fotofunktionen vielfältige Möglichkeiten, sich selbst zu entdecken und neu wahrzunehmen.

Bericht und Fotos: Jochen Wilke im Auftrag des DJI e. V.

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