Kurzbeschreibung der App

Mit der iOS-App „Book Creator“ von Red Jumper Limited können bereits Kindergartenkinder ein eigenes E-Book erstellen. Texte, Bilder, Audiodateien, Filme und Comic-Elemente können, wie bei einem Baukastensystem, beliebig eingefügt werden. Die erstellten Bücher lassen sich auf dem Tablet betrachten (z. B. mit iBooks), aber auch ausdrucken oder als PDF oder Film exportieren. Book Creator eignet sich sehr gut für Dokumentationen, Portfolios, Projektpräsentationen oder zum Erstellen von erzählerischen Projekten.

(c) Red Jumper Limited

Der Startbildschirm der App ist gleichzeitig die Bibliothek. Hier kann ein vorhandenes Buch zur Bearbeitung ausgewählt werden. Ein neues Buch erstellt man mithilfe des „+“-Symbols. Dabei stehen drei Formate zur Auswahl: hoch, quer und quadratisch. Nach der Auswahl öffnet sich das Bearbeitungsfenster. Über die Plustaste in der rechten oberen Ecke lassen sich nun Fotos und Videos, die auf dem iPad gespeichert sind, wie auch direkt mit der Kamera aufgenommene Fotos oder Videos einfügen. Weiterhin ist es hier möglich, zu malen, zu schreiben oder Audiosequenzen einzufügen (aus iTunes oder über das Mikrofon selbst aufgenommen).

Ist das eBook fertiggestellt, kann man es speichern und auch exportieren. Eine ausführliche Anleitung zum Programm gibt es hier: www.rananmausundtablet.de/41-0-Multimediale-Buecher-erstellen-mit-dem-Book-Creator.html

Die App ist relativ einfach und übersichtlich im Aufbau. Schon Kindergartenkinder können sie nach kurzer Einführung selbstständig bedienen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig, sie kann verwendet werden, um Ergebnisse aus verschiedenen Aktionen zusammenzustellen und zu präsentieren, Projekte zu dokumentieren, eigene Geschichten zu inszenieren. Die App ist kostenpflichtig, werbefrei, offline zu nutzen und enthält keine In-App-Käufe.

Rahmenbedingungen

Gruppengröße: eine Gruppe mit sechs Kindern

Alter: fünf und sechs Jahre

Dauer: mehrmals je 90 Minuten

Material: zwei Tablets mit der App Book Creator (iOS)

Idee: das Kita-Forschungsprojekt „Regenwürmer“ begleiten, dokumentieren und präsentieren

Die App wurde im Mai 2018 in einer Bremer Kita mit sechs Kindern im Alter von fünf und sechs Jahren getestet.

 

Zur Kita

In der Kita werden 135 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren betreut und gefördert. Träger ist die evangelische Kirche. Die Einrichtung arbeitet nach einem halboffenen Konzept.

Der Kindergarten bietet eine Ganztagsbetreuung von 8.00 – 16.00 Uhr an sowie bei Bedarf einen Früh- und Spätdienst. Die meisten Kinder stammen aus bildungsnahen Familien, überwiegend sind beide Eltern berufstätig.

 

Vorbereitung

Für die Aktion steht ein etwa 20 qm großer Raum zur Verfügung, der sogenannte „Forscherraum“. Hier finden regelmäßig Forschungsaktivitäten statt, überwiegend für die angehenden Schulkinder. Das Forschungsteam, bestehend aus sechs fünf- und sechsjährigen Kindern, hat bereits im Vorfeld der Aktion mehrere Treffen mit der Erzieherin gehabt und zum Thema Regenwürmer Bilderbücher betrachtet, gemalt und auf dem Freigelände der Kita Regenwürmer gesammelt. Diese Aktionen haben die Kinder mit dem Tablet dokumentiert: Sie haben Fotos und kurze Videosequenzen aufgenommen.

 

 

Einstieg: Was haben wir bisher gemacht?

Die Kinder setzen sich im Kreis zusammen, in der Mitte liegt eine große blaue Folie, auf der eine transparente Kiste steht, gefüllt mit Erde und den gesammelten Regenwürmern, sowie das Forschungszubehör: Schaufel, Lupen, Schalen, Lineal, Tablet. Zum Einstieg erzählt eines der Kinder, was sie bisher gemacht haben. Sie haben Bilderbücher angeguckt und herausgefunden, was Regenwürmer fressen und dass sie nicht in hellem Sand, sondern in dunkler feuchter Erde zu finden sind. Sie haben schließlich Regenwürmer in einer Kiste voller Erde gesammelt. Schon beim Suchen und Sammeln haben die Kinder abwechselnd fotografiert und gefilmt.

 

Start: Forschen und Dokumentieren

Diese Regenwürmer sollen heute genauer unter die Lupe genommen werden. Die Erzieherin erinnert die Kinder noch einmal daran, dass diese ganz vorsichtig zu behandeln sind. Gemeinsam wird abgesprochen, wer mit dem Fotografieren beginnt. Vorsichtig suchen die Kinder nach den Würmern, nehmen einzelne heraus und vergleichen sie. Sie entscheiden, den Kisteninhalt auf der Folie auszukippen, weil die Würmer so auch besser in Aktion beobachtet werden können. Ein Kind macht Fotos von den Würmern und einen kurzen Film von einem einzelnen Wurm, der beim Kriechen beobachtet wird. Dann sucht sich jedes Kind behutsam einen Wurm und trägt ihn zusammen mit ein bisschen Erde zu seinem Arbeitsplatz. Die Würmer werden beobachtet, mit der Lupe vergrößert, vermessen, gewogen, fotografiert. Als die geplanten Beobachtungen abgeschlossen sind und alle Kinder mindestens ein Foto aufgenommen haben, legen sie die Würmer zurück in ihre Kiste.

 

Einführung in die App

Nun sollen die bisherigen Ergebnisse zusammengestellt werden. Dazu arbeiten drei Kinder zusammen an einem Tablet und starten Book Creator. Wir einigen uns auf ein Querformat für das eBook. Die Erzieherin zeigt den Kindern, wie sie über das Pluszeichen oben rechts in der Ecke die Fotos und Videos nacheinander in das eBook einbinden. Die Symbole sind eindeutig, die Kinder erkennen den Stift sofort, mit dem auch Zeichnungen ergänzt werden können und die Musiknote, über die Ton integriert werden kann. Das T steht für Text und auf die Kamera wird getippt, wenn direkt aus der App fotografiert werden soll. Das ist allerdings nicht geplant, denn so kann das Foto nur auf der jeweiligen Seite eingefügt und nicht an anderer Stelle verwendet werden.

 

Arbeiten mit der App

Nach dem jedes der drei Kinder einige Fotos eingefügt hat, wird gewechselt, die anderen drei Kinder vervollständigen die Fotodokumentation. Die Kinder, die gerade nicht am eBook arbeiten, malen in der Zeit jeweils Regenwurmbilder. Hier haben sie die Wahl zwischen einem Tablet und Stift und Papier. Die Kinder haben viel Spaß beim Betrachten und Einfügen der Fotos und variieren auch mit Größen, Positionen und Kombinationen der Fotos.

Nun sollen die Forschungserkenntnisse der Kinder noch in das eBook eingefügt werden. Gemeinsam gehen die Kinder die Fotos durch und erzählen, was da jeweils passiert ist, was sie in Erfahrung gebracht haben und überlegen eine kurze Zusammenfassung. Die Erzieherin tippt jeweils einzelne Worte oder kurze Sätze ein. Man hätte auch Audiokommentare aufnehmen können, allerdings soll das Regenwurmbuch gedruckt werden, deshalb entscheiden wir uns für Text. Zum Schluss werden auch noch die Regenwurmbilder und die Regenwurmbilderbücher fotografiert, um das eBook zu ergänzen.

 

Weitere Planung besprechen

Da das Forschungsprojekt noch nicht abgeschlossen ist, werden die nächsten Schritte besprochen: der Bau eines Terrariums, eine weitere Regenwurm-Beobachtungssitzung und Regenwurm-Bewegungsspiele. Auch diese Schritte sollen wieder dokumentiert und ebenfalls noch in das eBook aufgenommen werden.

 

Abschluss

In der Abschlussrunde sehen wir uns das noch nicht fertige eBook gemeinsam an. Ein Beamer steht dafür nicht zur Verfügung, aber alle rücken dicht zusammen und sehen auf das Display, das klappt sehr gut. Wir fragen die Kinder, wie ihnen die Aktion gefallen hat. Sie haben bisher immer Mappen von ihren Forschungsprojekten angefertigt und zeigen sich nun begeistert von der multimedialen Dokumentation, weil hier mehr Fotos und auch kurze Videos zu sehen sind. Sie sollen auch noch einmal erklären, wie sie das eBook erstellt haben. Die Beschreibung der Arbeitsschritte macht den Kindern die Abläufe bewusst und regt sie dazu an, sich noch einmal mit dem zu befassen, was sie in dieser Aktion gemacht und gelernt haben. Zum Abschluss singen wir das Regenwurmlied „Hört ihr die Regenwürmer husten“. Die Aktion hat insgesamt etwa anderthalb Stunden gedauert.

 

Auswertung

Die App ist einfach und übersichtlich aufgebaut, sie erschließt sich den Kindern schnell. Auch Vorschulkinder können nach einer kurzen Einführung eigenständig Seiten gestalten und Fotos, Text, Sprachaufnahmen und Videos einbinden.

Die App eignet sich sehr gut, um Projekte Schritt für Schritt zu dokumentieren, Arbeitsergebnisse festzuhalten oder ein digitales Portfolio zu erstellen. Die Planung, welche Elemente in welcher Reihenfolge in das eBook Eingang finden sollen, regt die Auseinandersetzung der Kinder mit den Inhalten an. Darüber hinaus lernen sie Medien auch als kreatives Werkzeug kennen und setzen sich mit Fragen der Gliederung und Gestaltung auseinander.

Es sind Absprachen zwischen den Kindern notwendig: die Einigung über Zuständigkeiten und das Aushandeln der Auswahl von Bildern, Videos, Text und Gestaltungselementen. Medienarbeit ist Teamarbeit und stärkt soziale Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeiten sowie technisches Verständnis und regt die Auseinandersetzung mit medialen Inszenierungen an.

Das Erforschen der Regenwürmer
Austausch über Beobachtungen in der Gruppe
Zeichnungen des Forschungsprojekts

Bericht und Fotos: Susanne Roboom im Auftrag des DJI e. V.

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