Vielfalt im Sport


Die starre Einteilung in Männer- und Frauenteams gerät in Kritik. Denn transgeschlechtliche und intersexuelle Sportler_innen passen nicht in dieses System.


Von Birgit Taffertshofer

Es gibt im Sport immer wieder Athlet_innen, die nicht in das zweigeschlechtliche System aus Mann und Frau passen und deren Leistungen deshalb infrage gestellt werden. Bekanntestes Beispiel ist wohl die südafrikanische Leichtathletin Caster Semenya, zweimalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin über 800 Meter, deren Körper mehr von dem männlichen Sexualhormon Testosteron produziert als durchschnittlich für Frauen üblich. Mit Anfeindungen und Spott sehen sich aber nicht nur Spitzensportler_innen konfrontiert. Im konservativen US-Bundesstaat Texas ringt der 19-jährige Mack Beggs, ein junger Transgender-Mann, seit Jahren um die Anerkennung seiner sportlichen Leistungen – und seines Geschlechts.

Beggs ist Ringer. Geboren in einem weiblichen Körper, identifiziert er sich schon länger als Mann und unterzieht sich seit dem Jahr 2015 einer Hormontherapie. Im Februar 2018 gewann Beggs zum zweiten Mal die Meisterschaft der Mädchen in seiner Gewichtsklasse. Dies löste erneut Debatten und Kritik an der für Wettkämpfe der öffentlichen texanischen High Schools zuständigen University Interscholastic League (UIL) aus. Sie ist Beggs‘ Anfrage, an Wettkämpfen der männlichen Ringer teilnehmen zu dürfen, nicht nachgekommen. Ihre Entscheidung hat sie aufgrund des eingetragenen weiblichen Geschlechts in dessen Geburtsurkunde getroffen. Da der UIL nur die öffentlichen Schulen in Texas unterstehen, kann Beggs seit seinem Wechsel an ein privates College in einem Männer-Team ringen – doch für die Rechte von Transgender-Jugendlichen will er sich weiter einsetzen.

Die öffentliche Diskussion hat erst begonnen und reicht bis zu ganz praktischen Fragen nach gendersensiblen Umkleiden, Waschräumen oder Toiletten.

Tatsächlich hat die öffentliche Diskussion über die starre Einteilung in Männer und Frauen im Sport erst begonnen und reicht bis zu ganz praktischen Fragen nach gendersensiblen Umkleiden, Waschräumen oder Toiletten. Die sind nicht nur für transgeschlechtliche, sondern auch für intersexuelle Sportler_innen von Bedeutung. Intersexuelle Athlet_innen beziehungsweise Athletinnen mit Hyperandrogenämie wie Caster Semenya geraten momentan unter anderem unter Druck, weil eine Studie ihnen deutliche Leistungsvorteile gegenüber anderen Athletinnen nachweist. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF will vom 1. November 2018 an neue Zulassungskriterien für Mittelstreckenläuferinnen einführen.

Tritt die Regel tatsächlich in Kraft, müsste Caster Semenya ihren Blut-Testosteron-Spiegel medikamentös unter einen Grenzwert senken. Der Wissenschaftler Stéphane Bermon, der die Studie für die IAAF verfasst hat, sagte in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“, es gebe in der Leichtathletik eine Vielzahl von Frauen mit überdurchschnittlich hohem Testosteron-Level. Deren Anteil sei dort 140-mal höher als in der durchschnittlichen weiblichen Bevölkerung. Der Sportmediziner gibt sich deshalb überzeugt, dass es zumindest in der Leichtathletik künftig eine dritte „Intersex-Kategorie“ geben werde. Die Zeit sei dafür aber noch nicht reif.

Neben dem Geschlecht gibt weitere Faktoren, die im Sport über Leistungsvorteile entscheiden.

Männer, Frauen, divers: Das ist immerhin eine Idee, doch es gibt viele Faktoren neben dem Geschlecht, die im Sport über Leistungsvorteile entscheiden. Mal sind es besonders lange Beine wie bei Usain Bolt, mal besonders große Füße wie bei dem Schwimmer Michael Phelps. Die Varianz der Natur ist groß, und nicht zuletzt beeinflussen auch sozialisatorische Faktoren die Leistungen im Sport, beispielsweise ungleiche Förder- und Trainingsmöglichkeiten für Mädchen und Jungen. Eine neue dritte Kategorie im Sport dürfte damit noch längst nicht der letzte Schluss sein. 

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