Was bedeutet eigentlich LSBT*Q?


Eine Leseanleitung mit einem Glossar zu den wichtigsten Begriffen.


LSBT*Q steht in dieser Impulse-Ausgabe als Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, transgeschlechtlich und queer. Es gibt etliche andere Varianten dieses Akronyms – im englischsprachigen Raum wird LGBT für lesbian, gay, bisexual and transgender verwendet. Häufig werden noch Buchstaben hinzugefügt, etwa Q wie queer (oder questioning) oder I für intergeschlechtlich.

Diese Abkürzungen stehen auch in der Kritik. Vor allem Personen, die sich in ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit zwischen den etablierten zweigeschlechtlichen Kategorien (lesbisch oder schwul bzw. Trans-Frau oder Trans-Mann) verorten, finden sich in den Buchstaben LSBT nicht gut repräsentiert und wollen häufig nicht auf einen dieser Buchstaben festgelegt werden. Um der von ihnen gewünschten Offenheit ihrer Zugehörigkeiten gerecht zu werden, wird darum ein Sternchen angehängt: LSBT*. Auch gegen diese Ergänzung gibt es aber Argumente: Wenn aus Sorge, jemand könnte von der Definition ausgeschlossen werden, entweder nur noch ein möglichst vollständiges Akronym (z.B. LSBTTIQQAA*) oder „queer“ als eine Art von Sammelbegriff für alle verwendet wird, ist es nicht mehr möglich, die spezifischen Lebenslagen der unterschiedlichen Gruppen zu erkennen und darauf bezogene politische Interessen zu formulieren.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema „Queere Jugend“ ist es wichtig, diese Debatte über Begrifflichkeiten und Symbole zu kennen. Die unterschiedliche Definition von Gruppen spiegelt sich nicht zuletzt in den Stichproben der zitierten Studien.

...fühlen sich zu Personen des gleichen Geschlechts hingezogen.

...fühlen sich zu Personen des gegensätzlichen Geschlechts hingezogen.

...fühlen sich zum gleichen sowie zum gegensätzlichen Geschlecht hingezogen.

...identifizieren sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

...entspricht die geschlechtliche Zugehörigkeit nicht dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Jungen werden mit weiblichen Körpermerkmalen als „Mädchen“ geboren (Trans*-Junge/Mann), Mädchen mit männlichen Körpermerkmalen als „Jungen“ (Trans*-Mädchen/Frau). Im Laufe des Lebens kann der Wunsch nach einer rechtlichen und medizinischen Geschlechtsanpassung entstehen. Die geschlechtliche Zugehörigkeit gibt keine Auskunft über die sexuelle Orientierung.

...ordnen sich keinem der zwei Geschlechter zu, verorten sich „zwischen“ den Geschlechtern oder sind einem weiteren, z.B. einem dritten Geschlecht zugehörig. Die Bezeichnung Transgender umfasst alle transgeschlechtlichen Zugehörigkeiten.

... (auch intersexuellen, intersex oder inter*) entsprechen die körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht den medizinisch etablierten ausschließlich weiblichen oder männlichen Erscheinungsformen. Teils zeigt sich die Intergeschlechtlichkeit schon bei der Geburt, indem sie am äußeren Erscheinungsbild des Körpers erkennbar ist, teils erst später im Leben, häufig während der Pubertät.

...wird heute oft verwendet, um insgesamt von nicht-heterosexuellen und nicht-cisgeschlechtlichen Menschen zu sprechen. Die ursprünglich abwertende Bedeutung des Wortes im Sinne von abweichend, abartig oder schräg wurde seit den 1990er-Jahren in eine selbstbewusste, stärkende Selbstbeschreibung umgedeutet.

...beschreibt die gesellschaftliche Norm der zwei Geschlechterkategorien weiblich und männlich sowie die Norm des gegengeschlechtlichen Begehrens zwischen Frauen und Männern. Beides wird als naturgegeben angesehen und bleibt weitgehend unhinterfragt. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, d. h. eine nicht-heterosexuelle Orientierung und eine nicht-cisgeschlechtliche Zugehörigkeit, weicht von dieser Norm ab.

...bezeichnet das Erkennen (inneres Coming-out) und gegebenenfalls Öffentlich-Machen (äußeres Coming-out) der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit. Im Verlauf des inneren Coming-outs wird sich eine Person darüber bewusst, dass sie nicht-heterosexuell oder cisgeschlechtlich ist und setzt sich mit diesem Empfinden auseinander. Ob und wenn ja
wann und wem gegenüber Personen über ihr Empfinden sprechen wollen, ist eine individuelle Entscheidung.

Wie an vielen Orten wird auch am Deutschen Jugendinstitut darüber nachgedacht, wie eine gute Lösung für eine gendersensible Schreibweise aussehen kann. Dabei gilt es, gleichermaßen sprachliche Kriterien (wie grammatikalische Korrektheit oder Lesefreundlichkeit) und inhaltliche Kriterien (wie Offenheit für die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Zugehörigkeiten) zu erfüllen. Anders als sonst verwenden wir in diesem Dossier den sogenannten Gender_Gap. Diese Schreibweise bringt die im Zusammenhang mit der Thematik notwendige Offenheit zum Ausdruck: Der durch den Unterstrich entstehende Zwischenraum lässt Platz für Selbstdefinitionen jenseits der beiden Optionen Frau und Mann. Die Verwendung des Gender_Gap ist eine von mehreren möglichen Schreibweisen und scheint uns bei diesem Thema ein guter Kompromiss zu sein.

Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 2/2018 der DJI Impulse „Jung und queer – Über die Lebenssituation von Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder queer sind“.

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