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Pädagogische Teams im Umbruch

Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Grundschule steigt der Bedarf an Personal erheblich, während Fachkräfte vielerorts fehlen. Als Reaktion gewinnen multiprofessionelle Teams an Bedeutung, die auch zeitweise oder geringfügig Mitarbeitende einbeziehen. Warum diese Personalstrategie bislang nur begrenzt gelingt – und wie sich gegensteuern lässt. 

Von Christine Steinerund Katja Tillmann 

Der Personalmangel ist ein Thema, das die Verantwortlichen und Mitarbeitenden in Kitas, Horten und Schulen in den letzten Jahren intensiv beschäftigt hat. Es fehlen Lehrer:innen ebenso wie Sozialpädagog:innen und – trotz des starken Ausbaus an Ausbildungsmöglichkeiten – auch Erzieher:innen (Fuchs-Rechlin 2024). Dringend gesucht werden zudem Ergänzungskräfte und Mitarbeitende, die in der amtlichen Statistik als „übriges pädagogisch tätiges Personal“ bezeichnet werden: Praktikant:innen, Auszubildende, Personen im Freiwilligendienst sowie freiwillig Engagierte (Steiner u.a. 2024). 

Ein Grund für den Personalmangel, insbesondere in den westdeutschen Bundesländern, ist der Ausbau von Bildungsangeboten in vielen pädagogischen Bereichen, darunter auch in der ganztägigen Bildung und Betreuung von Grundschulkindern. Auch wenn Vertreter:innen der Bundesländer die Deckung des Personalbedarfs im Ganztag derzeit recht optimistisch einschätzen (BMBFSFJ 2025, S. 41 ff.), gehen verschiedene Prognosen von einem weiter steigenden Bedarf an Mitarbeitenden in den kommenden Jahren aus (etwa Bock-Famulla u.a. 2022). Prognosen sind stets mit Unsicherheiten verbunden, insbesondere dann, wenn, wie im Bereich der ganztägigen Bildung und Betreuung, keine verlässlichen und kontinuierlich erhobenen Statistiken vorliegen.

Die Unsicherheiten sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Personalbedarf nicht nur von demografischen Entwicklungen und prognostizierten Elternbedarfen abhängt, sondern auch, ob bereits vorhandene Mitarbeitende durch attraktive Beschäftigungsbedingungen an Schulen und Einrichtungen gehalten und neues Personal gewonnen werden kann. Zudem resultiert der Personalbedarf aber auch aus den Lern- und Unterstützungsbedarfen der Kinder. Ganztägige Bildung und Betreuung ist nicht nur mit dem Anspruch gestartet, Eltern eine verlässliche Betreuung für ihr Kind anzubieten, sondern Kinder besser zu fördern. Der Blick auf die fachbezogene Kompetenzentwicklung von Grundschüler:innen (dazu Freundl u.a. 2023), aber auch auf die Folgen der multiplen Krisen für ihre psychosoziale und gesundheitliche Entwicklung (Gossmann u.a. 2023) zeigt, dass die Unterstützungsbedarfe zugenommen haben.

Hier sollten insbesondere multiprofessionelle Teams zu einer besseren, passgenaueren Förderung und Unterstützung beitragen. Mit der Zusammenarbeit über Professionsgrenzen und Arbeitsbereiche hinweg verband sich zudem die Erwartung, Ressourcen – auch personelle – effektiver nutzen zu können. Empirische Untersuchungen zur multiprofessionellen Zusammenarbeit an Ganztagsschulen zeigen jedoch, dass es sich bei diesen Annahmen eher um einen theoretischen Fluchtpunkt als um ein realistisches Szenario handelt: Oft wird auf mögliche Erträge fokussiert, ohne die notwendigen Bedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen. Der Ganztag ist bis heute nicht in ausreichendem Maß strukturell abgesichert (Speck 2020). Aus Sicht der Mitarbeitenden zeigt sich dies vor allem als Mangel an Zeit für Austausch, für Konzeptentwicklung und vor allem für die Arbeit mit den Schüler:innen.

Der schulische Ganztag ist geprägt durch prekäre Beschäftigung

Ein Grund dafür sind die Arbeitszeitstrukturen, die im Ganztag für Grundschulkinder stark durch Teilzeitbeschäftigung geprägt sind (Autor:innengruppe Fachkräftebarometer 2025, S. 115). Das wird deutlich, wenn man den Beschäftigungsumfang der an Grundschulen Tätigen mit dem in der Frühen Bildung Beschäftigter vergleicht. Auswertungen des Mikrozensus durch die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte zeigen, dass Teilzeitarbeit an Grundschulen nicht nur weitaus ausgeprägter ist, sondern auch mit einem deutlich geringeren Stundenumfang einhergeht (siehe Abbildung 1). Besonders auffällig ist der höhere Anteil von Beschäftigten mit einem geringen Stundenumfang unter zehn Stunden im Hauptberuf.

Teilzeitarbeit wird von vielen Beschäftigten gewünscht, auch um Erwerbsarbeit und Familienleben besser vereinbaren zu können. Der in Abbildung 2 dargestellte Vergleich mit Beschäftigten in der Frühen Bildung zeigt jedoch, dass für Beschäftigte an Grundschulen eine bessere Vereinbarkeit seltener der Grund für Teilzeitarbeit ist, auch weil sie im Durchschnitt älter sind als die Mitarbeitenden in der Frühen Bildung. Während in der Frühen Bildung jede:r zweite Beschäftigte (50 Prozent) familiäre Care-Tätigkeiten als Grund nannte, waren es an Grundschulen nur 28 Prozent. Das legt nahe, dass es sich zumindest teilweise um unfreiwillige Teilzeit handelt. Dafür spricht, dass der Anteil derjenigen, die keine Vollzeitstelle fanden, unter Beschäftigten an Grundschulen höher ist als in der Frühen Bildung (14 versus 5 Prozent); Gleiches gilt für den Wunsch nach einer Erhöhung der Arbeitszeit (9 versus 3 Prozent). Unfreiwillige Teilzeit zählt ebenso wie Befristung zu Merkmalen prekärer Beschäftigung. Auch beim Anteil befristeter Verträge besteht mit 14 versus 8 Prozent ein deutlicher Unterschied zwischen Beschäftigten in der Kinderbetreuung an Grundschulen und in der Frühen Bildung. Insgesamt lässt sich festhalten, dass der schulische Ganztag in erheblichem Umfang durch prekäre Beschäftigung geprägt ist.

Jede fünfte an Grundschulen tätige Person hat keinen beruflichen Ausbildungsabschluss

Zugleich ist die qualifikatorische Zusammensetzung der Mitarbeitenden an Ganztagsgrundschulen vielfältiger als in der Frühen Bildung. Das galt zu Beginn des bundesweiten Ausbaus von Ganztagsschulen als vielversprechende Innovation, die Personen mit anderen als pädagogischen Hintergründen, inzwischen auch als pädagogische Laien bezeichnet, explizit einschloss. Gleichzeitig war damit schon damals die Befürchtung einer Deprofessionalisierung pädagogischer Arbeit verbunden (zum Beispiel Knauf 2004). Angesichts des Mangels an Lehrenden sowie pädagogischen Fach- und Ergänzungskräften wurde diese Befürchtung zuletzt lauter und die Frage nach dem Anteil nicht einschlägig pädagogisch qualifizierter Mitarbeitender im Ganztag dringlicher. Bislang existieren keine bundesweit verbindlichen Regelungen zu Qualifikationsanforderungen für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern (Autor:innengruppe Fachkräftebarometer 2025, S. 108). 

Und auch verlässliche Zahlen zur Qualifikation des Personals im schulischen Ganztag liegen nicht vor. Aus den im Laufe der Jahre entstandenen Analysen verschiedener Forschungsprojekte ergeben sich allenfalls Hinweise auf den ungefähren Umfang, wobei unterschiedliche Definitionsansätze zugrunde gelegt wurden. So wurde etwa auf Basis einer StEG-Befragung ein Anteil von 15 Prozent pädagogischer Laien ermittelt. Dazu zählten Personen ohne einschlägigen pädagogischen Berufs- oder Studienabschluss, ohne Arbeitserfahrung an Schulen und ohne bisherige fachlich einschlägige Fortbildung (Steiner 2013). 

In der Regionalstudie des Projekts „Laien als Akteure im Ganztag“ (LAKTAT) wurde ein Anteil von 23 Prozent pädagogischer Laien festgestellt; darunter wurden Personen ohne einschlägige Aus- und Weiterbildung verstanden (Danner u. a. 2022). Im aktuellen Fachkräftebarometer Frühe Bildung (Autor:innengruppe Fachkräftebarometer 2025) wird darauf hingewiesen, dass jede fünfte Person (20 Prozent), die im Jahr 2022 in der Kinderbetreuung an Grundschulen tätig war, über keinen beruflichen und damit auch keinen pädagogisch einschlägigen Ausbildungsabschluss verfügt. Der Anteil ist damit doppelt so hoch wie in außerschulischen Einrichtungen der Kinderbetreuung (ebd., S. 111).

In Schulen in herausfordernden sozialen Lagen arbeiten besonders viele befristet Tätige

Pädagogische Laien sind zwar sowohl im Haupt- und Nebenerwerb als auch als freiwillig Engagierte im Ganztag tätig, an Schulen überwiegend jedoch im Nebenerwerb (Steiner 2013). Nicht alle gehen einer weiteren Erwerbstätigkeit nach. Einige sind bereits im Ruhestand, aus verschiedenen Gründen nicht erwerbstätig oder in Ausbildung. Auf diesen Personenkreis wurde weiter oben bereits hingewiesen. Daher ist zu fragen, ob es sich bei dem hohen Anteil an pädagogischen Laien teilweise um ein vorübergehendes Phänomen handelt, vor allem, wenn sich die Personen in einer pädagogisch einschlägigen Ausbildung befinden. In Abbildung 2 ist zu erkennen, dass die Ausbildung insbesondere für an Schulen Tätige ein Grund für Teilzeitarbeit ist.

In der Tat ist die Zusammenarbeit von Ganztagsschulen sowie außerschulischen Ganztagseinrichtungen mit beruflichen Schulen und Hochschulen durchaus üblich, etwa um Praktikant:innen zu gewinnen. Mitunter ergibt sich daraus auch ein weiteres Engagement im Nebenerwerb oder im freiwilligen Einsatz. Allerdings lässt sich der Unterstützungsbedarf dadurch allein nicht decken. Gerade Schulen und Einrichtungen in sogenannten herausfordernden sozialen Lagen greifen auf einen deutlich weiter gefassten Kreis an Honorarkräften, Praktikant:innen und Engagierten zurück (Steiner, in Begutachtung). Für die Einrichtungen entsteht damit ein hoher und wiederkehrender organisatorischer wie fachlicher Aufwand, um zeitlich befristet Tätige angemessen einsetzen zu können.

Zu den vielfältigen Maßnahmen, die in allen Bundesländern zur Bekämpfung des Mangels an pädagogischen Fachkräften und Lehrpersonen eingerichtet wurden, gehört auch die Möglichkeit zum Quer- beziehungsweise Seiteneinstieg. Sie richtet sich in der Regel an Berufserfahrene und verbindet den Berufswechsel mit ergänzenden oder grundständigen Qualifizierungen. Inwieweit der Ganztag für Interessierte sowie bereits dort tätige Laien nicht nur Beschäftigungs-, sondern auch Qualifizierungsgelegenheiten bietet, ist offen. 

Es braucht tragfähige Personalkonzepte, um die Schulen nicht zu überfordern

Aktuell ist der Anteil von Berufswechsler:innen sowohl im Bildungssystem insgesamt als auch in einzelnen Einrichtungen noch vergleichsweise gering (Autor:innengruppe Fachkräftebarometer 2025, Destatis 2025). Allerdings scheinen deutliche regionale beziehungsweise sozialräumliche Unterschiede beim Einsatz von Quer- und Seiteneinsteiger:innen zu bestehen. So zeigen Analysen von Helbig und Nicolai (2019), dass der Anteil quereingestiegener Lehrpersonen an Schulen mit hohem Anteil lernmittelfreier Schüler:innen besonders hoch ist; zugleich ist dort auch zivilgesellschaftliche Unterstützung ausgeprägt. Forschungsbefunde zur Kindertagesbetreuung zeigen zudem, dass der Quereinstieg sowohl für Einrichtungen als auch für Lernende mit erheblichen Belastungen einhergeht und die Doppelbelastung von Arbeit und Lernen so hoch sein kann, dass Ausbildungen abgebrochen werden (Grgic u.a. 2018).

Insofern ist es zwar möglich, dass aus den aktuellen pädagogischen Laien künftige Lehrpersonen und pädagogische Fachkräfte werden, der Weg dahin ist aber nicht einfach. Für die Laien ist er durchaus mit persönlichen Risiken verbunden, für die Schulen und Einrichtungen mit Aufwendungen, auf die sie nur bedingt vorbereitet sind, für die sie vor allem aber nur wenige Ressourcen haben. Jenseits der gegenwärtig häufig verfolgten Strategie, durch Quereinsteiger:innen, Ehrenamtliche oder Praktikant:innen das „Kerngeschäft“ sicherzustellen, wäre die Entwicklung von tragfähigen Personalkonzepten notwendig, die auch zeitweise oder geringfügig Mitarbeitende einbeziehen. Das gilt umso mehr, da viele Einrichtungen, die verstärkt mit pädagogischen Laien arbeiten, Schüler:innen betreuen, die dringend mehr Unterstützung benötigen.

Autor:innengruppe Fachkräftebarometer (2025): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. Bielefeld

Bock-Famulla, Kathrin u.a. (2022): Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2022. Gütersloh

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) (2025): Dritter Bericht der Bundesregierung zum Ausbaustand der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder nach § 24a SGB VIII. Berlin

Danner, Annalena u.a. (2022): Laien als Akteure im Ganztag. Explorative Analysen im multiperspektivischen Mixed-Methods-Design (LAKTAT). In: Soziale Passagen, 15, S. 281–287

Destatis (2025): Gut jede zehnte Lehrkraft an allgemeinbildenden Schulen war im Schuljahr 2023/24 Quer- oder Seiteneinsteigerin und -einsteiger. Pressemitteilung Nr. N030 vom 4. Juni 2025

Freundl, Vera u.a. (2023): Sinkendes Leistungsniveau, hohe Chancenungleichheit – Stand der Handlungsoptionen für die deutsche Schulbildung. In: Wirtschaftsdienst, Jg. 103, H. 4, S. 233–237

Fuchs-Rechlin, Kirsten (2024): Offen für alle? Personalgewinnung in der Frühen Bildung. In: DJI Impulse, Die Fachkräftelücke. Perspektiven und Lösungsansätze für die Kinder- und Jugendhilfe, Nr. 135, H. 2, S. 14–18

Gossmann, Emily u.a. (2023): Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Krisenzeiten. Direkte und indirekte Auswirkungen und ihre Prävention. In: Nervenheilkunde, Jg. 42, H. 10, S. 685–694

Grgic, Mariana u.a. (2018): Quereinsteigende auf dem Weg zur Fachkraft. Ergebnisse einer qualitativen Studie in den Berufsfeldern Kindertagesbetreuung und Altenpflege. Düsseldorf

Helbig, Marcel / Nicolai, Rita (2019): Bekommen die sozial benachteiligten Schüler*innen die „besten“ Schulen? Eine explorative Studie über den Zusammenhang von Schulqualität und sozialer Zusammensetzung der Schüler*innen am Beispiel von Berlin. Berlin

Knauf, Tassilo (2004): Eine Stadt setzt auf die Offene Ganztagsgrundschule. In: Appel, Stefan u.a. (Hrsg.): Jahrbuch Ganztagsschule 2005. Investitionen in die Zukunft. Schwalbach im Taunus, S. 48–60

Speck, Carsten (2020): Multiprofessionelle Kooperation in der Ganztagsbildung. In: Bollweg, Petra u.a. (Hrsg.): Handbuch Ganztagsbildung. Wiesbaden, S. 1453–1470

Steiner, Christine (2013): Die Einbindung pädagogischer Laien in den Alltag von Ganztagsschulen. Bildungsforschung. Bildungsforschung online, 10. Jg., H. 1, S. 64–90

Steiner, Christine (in Begutachtung): Zwischen Nähe und Distanz: Strategien der strukturellen Einbindung freiwillig Engagierter und Quereinsteiger:innen in Schulen und Kindertageseinrichtungen. Voluntaris, Heft 1/2026

Steiner, Christine u.a. (2024): Zusammen ganz anders? Zu den Verhältnissen zwischen ganztägiger Bildung und Zivilgesellschaft. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 37, H. 4, S. 536–547

Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 1/2026 von DJI Impulse „Ganztag für alle. Der neue Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder – Chancen und Herausforderungen“ (Download PDF).

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