Ein Platz allein reicht nicht
Für Eltern von Grundschulkindern ist eine verlässliche Betreuung nach der Unterrichtszeit zentral für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) zeigt: Viele Mütter und Väter sind mit den genutzten Angebotsformaten zufrieden. Zugleich bestehen bei einigen Qualitätsaspekten, insbesondere bei der Verlässlichkeit und der Ferienbetreuung, weitere Entwicklungsbedarfe.
Von Kerstin Lippert und Anja Krieg
Außerunterrichtliche Bildung und Betreuung für Grundschulkinder spielt für viele Familien eine zentrale Rolle bei der Organisation ihres Alltags. Während die Kinder beispielsweise von vielfältigen Freizeitaktivitäten und zusätzlicher Förderung profitieren können, wird den Eltern durch eine Nutzung eine umfassende Erwerbstätigkeit ermöglicht. Im Zugang zu solchen Angeboten nehmen die Eltern als wesentliche Entscheidungsträger eine Schlüsselrolle ein, wenn es um die Frage geht, ob, in welchem Umfang und welches Angebot ihr Kind besucht. Zudem geben elterliche Auskünfte zur Nutzung Aufschluss darüber, inwieweit bestehende Strukturen ihren Bedürfnissen entsprechen und welche Aspekte für sie besonders relevant sind. Auf diese Weise prägen die Eltern Nachfrage und Weiterentwicklung der Angebote maßgeblich mit. Vor allem vor dem Hintergrund des im Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) verankerten Rechtsanspruchs auf ganztägige Bildung und Betreuung ab dem Schuljahr 2026/2027 wird klar: Entscheidend sind nicht nur Plätze, sondern passgenaue und verlässliche Angebote.
Betreuungsangebote ermöglichen elterliche Erwerbstätigkeit
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) beleuchtet in der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) seit zehn Jahren die Perspektive der Eltern auf die Angebotslandschaft für Grundschulkinder. Diese ist geprägt von einer Vielzahl von unterschiedlichen Betreuungsformaten. Neben ganztägigen Angeboten in Horten und Ganztagsschulen stellen vor allem die Angebote der Übermittagsbetreuung in Westdeutschland eine wichtige Säule dar. Die Kindertagespflege spielt hingegen in dieser Altersgruppe nur noch eine untergeordnete Rolle. Die KiBS-Daten belegen seit mehreren Jahren, dass nicht alle Eltern von Grundschulkindern Bedarf an einem ganztägigen Angebot haben und auch die kürzeren Angebote der Übermittagsbetreuung für viele Familien bedarfsdeckend sind (Hüsken/Krieg/Kuger 2025). Die nachfolgend dargestellten Befunde beziehen sich daher nicht ausschließlich auf ganztägige Angebote, sondern berücksichtigen unterschiedliche Formate und fassen bereits veröffentlichte zentrale Ergebnisse der Berichtsjahre 2022 bis 2024 zusammen.
Um Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, müssen die Angebote flächendeckend in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. Aktuelle Zahlen belegen aber, dass, trotz aller Ausbauanstrengungen der letzten Jahre, noch immer nicht alle Grundschuleltern mit einem Bedarf auch einen Platz nutzen können.
Die große Bedeutung der außerunterrichtlichen Bildung und Betreuung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zudem durch Angaben von Eltern von Vorschulkindern unterstrichen, die sich für die Zeit nach der Einschulung ein Angebot bis in den Nachmittag hinein wünschen. Erwerbsbezogene Gründe für diesen Wunsch werden dabei an vorderster Stelle genannt: So ist für 85 Prozent der Eltern eine verlässliche Betreuung sehr wichtig, während weitere 81 Prozent eine Aufrechterhaltung, Ausweitung oder Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit als sehr wichtig einstufen (Hüsken/Lippert/Kuger 2024). Schul- und kindbezogene Gründe, wie bessere Leistungen in den Schulfächern oder die Förderung der Selbstständigkeit des Kindes, bewerten Eltern hingegen deutlich seltener als sehr wichtig (28 bis 58 Prozent). Die Ergebnisse zeigen aber auch Unterschiede in der Gewichtung der Nutzungsgründe je nach Migrations- und Bildungshintergrund, während die Rangfolge der Motive insgesamt weitgehend bestehen bleibt. Eltern mit Migrationshintergrund sowie mit niedriger formaler Bildung messen insbesondere schul- und kindzentrierten Gründen eine höhere Bedeutung bei als Eltern ohne Migrationshintergrund bzw. mit höherem Bildungsabschluss (ebd.).
Nur wenige Eltern berichten von regelmäßigen Passungsproblemen
Neben vorhandenen Kapazitäten ist für Eltern von Bedeutung, dass die angebotenen Plätze ihren Bedarfen entsprechen. In KiBS werden die subjektiven Einschätzungen der Eltern zur zeitlichen Abdeckung des Betreuungsbedarfs in einer typischen Woche erfasst (Hüsken u.a. 2025). Zwar nutzen in Ostdeutschland 91 Prozent und in Westdeutschland 80 Prozent der Grundschuleltern ein passgenaues Angebot, jedoch berichten auch 3 Prozent (Ost-) und 8 Prozent (Westdeutschland) von täglichen oder mehrmals wöchentlich auftretenden zeitlichen Passungsproblemen. Diese werden als sehr stark belastend empfunden und erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (ebd.).
Fehlende Passgenauigkeiten bei Grundschulkindern treten am häufigsten am Nachmittag auf (Ost: 68 Prozent, West: 76 Prozent der betroffenen Eltern). Die Ursachen für diese Passungsprobleme sind überwiegend struktureller Art: Etwa 72 Prozent der betroffenen Grundschuleltern geben an, dass das Angebot zu den benötigten Zeiten geschlossen ist. Ebenfalls 72 Prozent berichten von fehlenden Lösungen für ihre Arbeitszeiten, beispielsweise wenn diese am Wochenende liegen oder in wechselnden Schichten stattfinden. Fast die Hälfte (49 Prozent) nennt einen unregelmäßig anfallenden zusätzlichen Betreuungsbedarf. Auch nachfrageseitige Faktoren spielen eine Rolle: 42 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind nicht länger betreut werden möchte (ebd.).
Elternperspektive als wichtiger Faktor der Qualitätsentwicklung
Die Weiterentwicklung außerunterrichtlicher Bildungs- und Betreuungsangebote erfordert mehr als nur den Ausbau von Kapazitäten und Betreuungszeiten – auch qualitative Aspekte sind bedeutend. Zwar werden im GaFöG keine konkreten Vorgaben zur Qualitätsentwicklung gemacht. Ziel ist jedoch nicht nur ein quantitativer Ausbau der Betreuung, sondern auch die Entwicklung qualitativ hochwertiger und bildungsorientierter Ganztagsangebote (KMK 2023). Als Bewertungsinstanz der vorhandenen Strukturen nehmen Eltern eine wichtige Rolle ein. Ihre Auskünfte zur Zufriedenheit und Umsetzung verschiedener Aspekte bei den genutzten Angeboten geben einen Einblick in die von ihnen wahrgenommene Qualität. Insgesamt sind die Eltern von Grundschulkindern mit den genutzten Formaten überwiegend zufrieden (Lippert/Hüsken/Kuger 2026). Am geringsten ist ihre Zufriedenheit mit den Aktivitäten und Lernangeboten sowie den Möglichkeiten der Elternbeteiligung.
Betrachtet man die unterschiedlichen Angebotsformen, schneidet die Übermittagsbetreuung als häufig wenig formalisiertes Angebot bei einigen Aspekten etwas schlechter ab als Horte und Ganztagsschulen. Vor allem hinsichtlich des Angebots einer Ferienbetreuung sowie von Räumlichkeiten und Ausstattung ist dort die mittlere Zufriedenheit mit 4,1 beziehungsweise 4,2 (Skala von 1 „Überhaupt nicht zufrieden“ bis 6 „Sehr zufrieden“) geringer als bei Horten und Ganztagsschulen. Horte können dagegen bei der Ferienbetreuung und den Öffnungszeiten punkten. Die Unterschiede zwischen den Angebotsformen lassen sich insbesondere auf organisatorische und inhaltliche Aspekte zurückzuführen (ebd.).
Die Einschätzungen der Eltern zur Umsetzung einzelner Merkmale in der von ihnen genutzten außerunterrichtlichen Bildung und Betreuung geben Hinweise auf weitere interessante Unterschiede. Während die Integration von Kindern unterschiedlicher Herkunft aus Elternsicht in allen Angebotsformaten gleichermaßen gut gelingt, werden Bildungsangebote jenseits des Schulstoffs durchweg selten umgesetzt. Erneut finden sich auch einige angebotsspezifische Unterschiede, beispielsweise in der Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben und dem Vorhandensein einer festen Bezugsperson. Diese Aspekte werden nach Ansicht der Eltern in Übermittagsbetreuungen seltener erfüllt als in den beiden anderen Formaten (ebd.).
Ungeplante Schließtage und fehlende Ferienangebote stellen Eltern vor Herausforderungen
Zudem spielt die Frage, wie verlässlich die genutzten außerunterrichtlichen Angebote sind, für die Eltern als die Nachfrager solcher Formate eine wichtige Rolle. Häufige Abweichungen von der geplanten Betreuung und Unsicherheit darüber, ob gebuchte Zeiten tatsächlich nutzbar sind, können deren Präferenzen für eine Nutzung oder für bestimmte Angebotsformate beeinflussen. Ungeplante Schließtage von Einrichtungen können in KiBS als ein Indikator für Verlässlichkeit herangezogen werden. Anders als bei der Passung geht es hier nicht um regelmäßige, sondern um kurzfristige Betreuungsprobleme (Hüsken u.a. 2025). Drei von vier Eltern geben an, bis zum Befragungszeitpunkt kein einziges Mal von ungeplanten Schließtagen betroffen gewesen zu sein (siehe Abbildung 1). Hingegen berichten 22 Prozent der Eltern von ungeplanten Schließungen, die sich bis zu einer Woche kumulieren. Weitere drei Prozent der Eltern waren von ungeplanten Schließungen betroffen, die bis zur Erhebung in der Summe mehr als eine Woche betragen.

Als Grund für ungeplante Schließtage wird der „spontane Ausfall von Betreuungspersonen“ am häufigsten genannt. Aber die Eltern von Grundschulkindern erleben auch Schließungen aus anderen Gründen wie beispielsweise Fortbildungen des Personals, Streik oder das langfristige Fehlen von Personal (ebd.).
Auch geplante Schließzeiten, wie jene in den Schulferien, können für berufstätige Eltern eine Belastung darstellen, wenn die Angebote zum Teil über mehrere Wochen geschlossen sind. Da Grundschulkinder in Deutschland bis zu 14 Wochen Ferien im Jahr haben, müssen für die Zeiten jenseits des Elternurlaubs Lösungen gefunden werden. Fragt man Eltern nach ihren Bedarfen an Ferienbetreuung, so wünschen sich 84 Prozent der Eltern, dass die Ferienbetreuung in der regulär besuchten außerunterrichtlichen Bildung und Betreuung stattfindet. Bundesweit 16 Prozent der Eltern mit Bedarf finden dort jedoch kein entsprechendes Angebot vor. Der größte Ausbaubedarf besteht hier in Westdeutschland, wo 20 Prozent der Eltern von einer fehlenden Ferienbetreuung berichten (ebd.).
Der Rechtsanspruch behebt dringende Entwicklungsbedarfe nicht automatisch
Die Ergebnisse aus KiBS verdeutlichen den hohen Stellenwert der außerunterrichtlichen Bildung und Betreuung von Grundschulkindern für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zu diesem Zweck sollte neben dem weiteren Platzausbau vor allem die Passung bestehender Angebote verbessert werden. Zwar ist die Zufriedenheit der nutzenden Eltern insgesamt hoch, doch zugleich verweisen einzelne Qualitätsmerkmale wie die Verlässlichkeit der Betreuung – etwa im Hinblick auf ungeplante Schließtage und die Ferienbetreuung – auf weiteren Entwicklungsbedarf. Der kommende Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung kann dazu beitragen, einige dieser Herausforderungen anzugehen, ersetzt jedoch nicht notwendige konkrete Konzepte zur Qualitätsentwicklung. Zudem bleibt zu berücksichtigen, dass auch unterrichtsergänzende Angebote, die nicht ganz die Voraussetzungen für den Rechtsanspruch erfüllen, weiterentwickelt und ausgebaut werden müssen, da nicht alle Eltern eine ganztägige Betreuung nachfragen.
Hüsken, Katrin u.a. (2025): Passgenauigkeit und Verlässlichkeit der Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit. DJI-Kinderbetreuungsreport 2024. Studie 3 von 6. München
Hüsken, Katrin / Krieg, Anja / Kuger, Susanne (2025): Elterliche Bedarfe an und Zugang zu außerunterrichtlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten für Grundschulkinder. DJI-Kinderbetreuungsreport 2025. Studie 2 von 8. München
Hüsken, Katrin / Lippert, Kerstin / Kuger, Susanne (2024): Prospektive Betreuungsbedarfe und ihre Umsetzung nach dem Schuleintritt. DJI-Kinderbetreuungsreport 2023. Studie 3 von 7. München
Kultusministerkonferenz (KMK) (2023): Empfehlungen zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität der Ganztagsschule und weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.10.2023.
Lippert, Kerstin / Hüsken, Katrin / Kuger, Susanne (2026): Zufriedenheit mit der Kindertagesbetreuung. DJI-Kinderbetreuungsreport 2023. Studie 4 von 7. München

Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 1/2026 von DJI Impulse „Ganztag für alle. Der neue Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder – Chancen und Herausforderungen“ (Download PDF).
