Fachkräftemangel und Verwaltungsaufwand belasten Kita-Leitungen

Neue DJI-Analysen der OECD-Fachkräftebefragung nehmen Arbeit von Kita-Führungskräften in den Blick

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01. Juli 2021 -

Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen, dass die Zufriedenheit der pädagogischen Fachkräfte in deutschen Kitas stark mit ihrer Einschätzung der Professionalität der Leitung zusammenhängt. Gleichzeitig empfinden die Leitungen ihre eigene Arbeit durch Fehlzeiten des pädagogischen Personals und einen Mangel an Fachkräften stark belastet. Auch der hohe Verwaltungsaufwand habe negative Folgen für ihre Aufgaben.

Zu diesen Ergebnissen kommen die DJI-Wissenschaftlerin und Wissenschaftler Carolyn Seybel, Samuel Bader und Daniel Turani aus dem Internationalen Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC). Ihre Untersuchungen stützen sich auf Daten der Fachkräftebefragung „TALIS Starting Strong Survey 2018“ der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die sie als nationales Projektteam für Deutschland umsetzten. Die neuen Ergebnisse wurden nun im Rahmen der ICEC-Fachtagung „Arbeitsplatz Kita im internationalen Vergleich: Ergebnisse der OECD-Fachkräftebefragung“ vorgestellt.

Für die OECD-Fachkräftebefragung wurden bundesweit etwa 3.000 zufällig ausgewählte pädagogisch Tätige sowie Leitungskräfte in über 500 Kindertageseinrichtungen zu ihrer Arbeit mit 3- bis 6-jährigen (Ü3-Teilstudie) oder mit unter Dreijährigen (U3-Teilstudie) befragt. Neben Deutschland beteiligten sich acht weitere Länder (Chile, Dänemark, Island, Israel, Japan, Norwegen, Südkorea, Türkei) an der Ü3-Teilstudie, von denen drei (Dänemark, Israel, Norwegen) auch an der U3-Teilstudie teilnahmen.

Personalmangel besonders in Deutschland problematisch

„Im internationalen Vergleich unserer Teilnehmerländer belastet der Personalmangel sowohl Kita-Leitungen als auch pädagogisches Personal in Deutschland besonders stark“, erklärt Carolyn Seybel. 67 Prozent der Fachkräfte gaben in der U3-Teilstudie an, dass zusätzliche Pflichten durch Abwesenheiten von Kolleginnen und Kollegen sie belasten. In der Ü3-Teilstudie waren es sogar 71 Prozent. Auch eine zu hohe Zahl an Kindern in ihrer Gruppe empfinden 52 Prozent (U3-Teilstudie) beziehungsweise 61 Prozent (Ü3-Teilstudie) als strapaziös. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die finanzielle, materielle und personelle Ausstattung der Kitas. Diese erachten 54 Prozent (U3-Teilstudie) beziehungsweise 62 Prozent (Ü3-Teilstudie) als mangelhaft.

Zusätzliche finanzielle Mittel in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sollten vor allem für kleinere Gruppen und zusätzliche pädagogische Kräfte verwendet werden. Dies wünschen sich 81 Prozent der pädagogisch Tätigen in der Ü3-Teilstudie und 78 Prozent in der U3-Teilstudie. Diese Forderung steht damit an erster Stelle. Der Wunsch nach höheren Gehälter folgt mit 73 Prozent auf Platz zwei.

Professionalität von Kita-Leitungen entscheidend für Zufriedenheit der Mitarbeitenden

Neben der Situation der pädagogischen Fachkräfte nimmt der Survey die Rolle, die Qualität sowie die Arbeitsbedingungen von Kita-Leitungen in den Blick. „Wer zustimmt, dass sich die Einrichtungsleitung den pädagogischen Fachkräften gegenüber professionell verhält, ist deutlich zufriedener mit seiner Arbeit“, fasst Samuel Bader ein wichtiges Ergebnis der Analyse zusammen. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden, die ihre Leitung als professionell empfinden, gaben an, gerne in der Einrichtung zu arbeiten, während dieser Aussage unter denen, die ihrer Leitung kein professionelles Verhalten attestieren, nur rund ein Drittel völlig zustimmte.

Personalmangel und Verwaltungsaufwand erschweren Arbeit von Kita-Leitungen

Wie das pädagogische Personal empfinden auch Leitungskräfte deutscher Kitas den Personalmangel und zusätzliche Pflichten durch Fehlzeiten von Kolleginnen und Kollegen als große Hemmnisse, um ihre Aufgaben effizient zu erfüllen. Dazu kommt die Belastung durch einen hohen Verwaltungsaufwand. Alle drei Aspekte liegen im internationalen Vergleich der OECD-Fachkräftebefragung für Deutschland deutlich über den Werten der anderen Länder. Auf einer Skala von 1 (keine Belastung) bis 4 (sehr starke Belastung) lagen die deutschen Mittelwerte bei Fehlzeiten und Verwaltungsarbeiten bei über 3, bei Personalmangel bei knapp unter 3. Der internationale Mittelwert im Bereich Verwaltungsarbeit liegt bei knapp über 2,5, bei Fehlzeiten und Personalmangel bei unter 2,5.

Kita-Leitungen in verschiedenen Bereichen unterstützen

Um Kita-Leitungen zu stärken und damit mittelbar die Bedingungen in deutschen Kitas zu verbessern, sollten in verschiedenen Bereichen des Arbeitsumfelds der Leitungen Verbesserungen vorgenommen werden, empfiehlt Daniel Turani. „Zu einem könnte sich eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung der Leitungskräfte positiv auswirken. Zum anderen wäre es hilfreich, die Kitas mit ausreichend Ressourcen auszustatten und den Status sowie die Anerkennung der pädagogischen Berufe in Kitas zu erhöhen.“

 

Bader, Samuel/Riedel, Birgit/Seybel, Carolyn/Turani, Daniel (Hrsg.) (2021): Kita-Fachkräfte im internationalen Vergleich. Ergebnisse der OECD-Fachkräftebefragung 2018, Band II. Weitere Ergebnisse und Analysen auf Grundlage der OECD-Fachkräftebefragung TALIS Starting StrongInternationales Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC)Pressemitteilung "Wie Kita-Fachkräfte gewonnen und gehalten werden können"Bestellung des Buches "Kita-Alltag im Fokus – Deutschland im internationalen Vergleich: Ergebnisse der OECD-Fachkräftebefragung 2018", voraussichtlicher Erscheinungstermin November 2021


Kontakt
Internationales Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC)
Daniel Turani
089/62306-276
turani@dji.de

Samuel Bader
089/62306-381
sbader@dji.de

Carolyn Seybel
089/62306-264
seybel@dji.de

Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-397
mkern@dji.de