Religion und islamistischer Extremismus

Welche Rolle spielt Religion, wenn sich junge Menschen zum islamistischen Extremismus bekennen? Neue Forschungsergebnisse liegen vor und wurden von DJI-Wissenschaftlerinnen und -Wisseschaftlern in einem Sammelband veröffentlicht

17. August 2020 -

Wie pädagogische Fachkräfte in der Präventions- und Distanzierungsarbeit mit dem Phänomen Religion umgehen, analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Sammelband „Religion in der pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus“, herausgegeben von Joachim Langner, Maruta Herding, Sally Hohnstein und Björn Milbradt. Sie und weitere Autorinnen und Autoren des Bandes interviewten pädagogische Fachkräfte, untersuchten deren Vorgehensweisen und Erfahrungen, rekonstruierten die Handlungslogiken der Beratungsangebote und reflektierten fachliche Vorannahmen. Außerdem befragten sie junge Menschen nach persönlichen Erlebnissen bei ihrer Hinwendung zum islamistischen Extremismus.

Die Forschungsergebnisse der „Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention“ und der Programmevaluation „Demokratie Leben!“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) sowie anderer Forschungseinrichtungen bieten Leserinnen und Lesern aus Wissenschaft, pädagogischer Fachpraxis und Politik umfangreiche Hinweise darüber, welche Rolle Religion in Hinwendungs- und Radikalisierungsprozessen spielt. Viele islamistisch Radikalisierte kommen nicht aus religiösen Elternhäusern und sind nur eingeschränkt dazu in der Lage, religiöse Zusammenhänge einordnen zu können. Insgesamt legen die Forschungsbefunde nahe, dass Religion eher als verstärkender denn als ursächlicher Faktor zu werten ist. Nicht selten kann die Hinwendung aber religiöse Antworten auf Krisenerlebnisse und Sinnsuchen bieten.

Die Beschäftigung mit dem Islam kann in der Arbeit der Radikalisierungsprävention mit jungen Menschen ein zentrales Element oder lediglich eines von vielen Themen sein. Religion spielt dabei zum Beispiel in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit extremistischer Ideologie und in der Stärkung der Eigenposition der Projekt-Teilnehmenden eine Rolle. Die Gründe und Motivationen für islamistische Radikalisierung sind vielfältig, es könnte somit sinnvoll sein, die pädagogischen Antworten darauf ebenso vielfältig und individuell anzupassen

 

Themenseite: Beitrag von Joachim Langner „Religion und islamistischer Extremismus“
Download:
Joachim Langner, Maruta Herding, Sally Hohnstein und Björn Milbradt (Hrsg.), Religion in der pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus Schriftenreihe der Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention (AFS) Band 14, 2020. 223 Seiten, ISBN 978-3-86379-321-0

Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention
Kontakt
Pamela Geißler
Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention
geissler@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
horn@dji.de