Zurück in alte Rollen?

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer – und es ist zu befürchten, dass die Karrieren von Müttern unter der Pandemie besonders leiden. DJI-Abteilungsleiterin Dr. Christina Boll erklärt die Ursachen

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10. März 2021 -

Frauen verdienen pro Stunde immer noch rund ein Fünftel weniger als Männer. Im Jahr 2020 liegt die unbereinigte Lohnlücke laut Statistischem Bundesamt bei 18 Prozent. Der Equal-Pay-Day, der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, macht auf diese Lohnlücke aufmerksam. Dieser sogenannte Gender-Pay-Gap ist zwischen den Jahren 2006 und 2019 um 2,7 Prozentpunkte zurückgegangen. „Bleibt es in Deutschland bei diesem Tempo der Annäherung, bräuchte es weitere 96 Jahre, um die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen“, schreibt die Leiterin der Familienabteilung am Deutschen Jugendinstitut (DJI), Dr. Christina Boll, in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. Die Familienökonomin untersuchte strukturelle Ungleichheiten der Geschlechter am Arbeitsmarkt, soziale Normen sowie monetäre Anreizmechanismen, die zu dieser Lohnlücke beitragen – auch mit Blick auf die Corona-Krise.

Strukturelle Ungleichheiten prägen die Entscheidungen vieler Paare

Ihre Analyse zeigt: Im Jahr 2019 übte fast jede zweite Frau ihren Beruf in Teilzeit aus, während dies nur auf jeden zehnten Mann zutraf. Dabei stehe die geringere Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit einer umfassenden Erwerbseinbindung von Frauen entgegen, ähnlich wie beispielsweise das Ehegattensplitting. Erschwerend hinzu kommt, dass der Bedarf der Eltern an Angeboten der Kindertagesbetreuung für Kinder vom Krippen bis zum Grundschulalter längst nicht gedeckt ist, wie die aktuelle DJI-Kinderbetreuungsstudie zeigt. All diese Faktoren prägen die Erwerbsentscheidungen von Müttern und Vätern und damit auch die innerhäusliche Arbeitsteilung, schreibt Boll.

Diese Ungleichheiten setzten sich während der Corona-Pandemie fort: Kinderbetreuung und Homeschooling während der Schließung von Schulen und Kindertagesstätten, schultern überwiegend Frauen, darauf deuten erste Studienergebnisse hin. „Mütter im mittleren Erwerbsalter, die ihre Familienpause bereits hinter sich haben und nun eigentlich mit der Karriere durchstarten wollten, werden ein zweites Mal und diesmal völlig unerwartet auf Haushalt und Familie zurückgeworfen“, stellt Boll fest und befürchtet: „Aufstiegschancen bleiben ungenutzt und gehen, je länger sich der Ausnahmezustand hinzieht, gegebenenfalls unwiederbringlich verloren.“ Doch die Familienökonomin sieht auch Hoffnung. In ihrem Artikel schildert sie Bedingungen, unter denen der väterliche Anteil an der Kinderbetreuung signifikant steigen könnte.


Zur wissenschaftlichen AnalyseWeitere Analysen aus der Corona-ForschungForschungsmagazin DJI Impulse „Im Krisenmodus - Wie das Coronavirus den Alltag von Eltern und Kindern verändert - eine Zwischenbilanz“


Kontakt
Dr. Christina Boll
Leiterin der Abteilung Familie und Familienpolitik
089/62306-255
boll@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de