Mehr Teilhabe für Migrationsfamilien ermöglichen

Die Kommission des Neunten Familienberichts plädiert dafür, migrationssensible Angebote der Eltern- und Familienbildung weiterzuentwickeln und auszubauen

Fotomontage: iStockphoto (2)

17. März 2021 -

Von den gut 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland haben dem Statistischen Bundesamt zufolge 3,2 Millionen mindestens einen Elternteil oder ein Kind mit Migrationshintergrund. „Oftmals sind diese Familien, insbesondere bei fehlenden Sprachkenntnissen, mit Defizitzuschreibungen konfrontiert“, konstatiert der Neunte Familienbericht, der Anfang März 2021 vom Bundestag versabschiedet und veröffentlicht wurde. Stattdessen bedürfe es einer zugewandten und offenen Haltung sowie migrationssensibler Unterstützungsangebote, in denen kulturelle Vielfalt geschätzt und wechselseitige Interaktions- und Bildungsprozesse gefördert werden, schreiben die sieben Kommissionsmitglieder unter der Leitung von DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Sabine Walper.

Sprach- und Integrationsförderung sowie Elternarbeit ausbauen, um Migrationsfamilien besser zu erreichen
Um die Teilhabechancen zugewanderter Familien zu stärken, fordert die Berichtskommission, diese in der Migrationspolitik stärker zu berücksichtigen. Nicht nur, weil Trennungen von Familien belastend sein können, sondern auch, weil die Familie für die Integrationsprozesse ihrer Mitglieder wichtig ist. Bürokratische Hürden für den Familiennachzug seien deshalb abzubauen. Außerdem sollten passgenaue Angebote zur Sprach- und Integrationsförderung sowie zur beruflichen Orientierung und Weiterbildung ausgebaut werden - auch für Familien, die schon länger im Land leben. Durch interkulturell geschulte, idealerweise mehrsprachige Fachkräfte mit Migrationsgeschichte könnte zudem begleitende Elternarbeit, etwa an Kindertageseinrichtungen und Schulen, so gestaltet werden, dass Migrationsfamilien besser als bisher erreicht werden.

Familienbildung migrationssensibel gestalten
„Auch Angebote der Familienbildung haben lange Zeit den Aspekt der Migration vernachlässigt“, sagt DJI-Wissenschaftlerin Dr. Eveline Reisenauer. Die Soziologin geht im Forschungsprojekt „Diversität und Wandel der Erziehung in Migrantenfamilien“ (DIWAN) der Frage nach, wie die Eltern- und Familienbildung migrationssensibel gestaltet werden kann. Das Projekt untersucht dazu enerseits die Erziehungsvorstellungen und -praktiken der Eltern mit Migrationserfahrung und andererseits die Herausforderungen durch die Eltern- und Familienbildung.

Lebensformen und Erziehungspraktiken von Familien haben sich verändert
Wichtig sei, dabei nicht pauschal von ‚türkischen Familien‘ oder ‚Flüchtlingsfamilien‘ auszugehen, erklärt Reisenauer: „Migrationsfamilien unterscheiden sich im Hinblick auf ihre nationale, ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Herkunft stark.“ Darüber hinaus seien auch die Lebensformen dieser Familien diverser geworden: Neben dem traditionellen Familienmodell gebe es auch vermehrt Trennungs-, Patchwork- und Regenbogenfamilien. Und schließlich haben sich die Erziehungsvorstellungen und -praktiken von Migrantinnen und Migranten den Forschungsergebnissen zufolge im Laufe der Zeit verändert.

Empirische Befunde zu Erziehungspraktiken von Migrantinnen und Migranten sowie zu den Vorstellungen von Fachkräften der Familienbildung hierzu stellt Dr. Eveline Reisenauer am Mittwoch, den 24. März 2021, in einem Vortrag im Rahmen der Online-Lunchbag-Sessions der Abteilung „Familie und Familienpolitik“ des DJI vor.


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Kontakt
Dr. Eveline Reisenauer
Abteilung Familie und Familienpolitik am DJI
089/62306-368
reisenauer@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de