Publikationen

Von Zeitlücken und Zeitbrücken in der institutionellen Kinderbetreuung.

Heitkötter, Martina (2006):
Von Zeitlücken und Zeitbrücken in der institutionellen Kinderbetreuung. Wo erwerbstätige und erwerbssuchende Eltern der Schuh drückt.
In: Bien, Walter/Rauschenbach, Thomas/Riedel, Birgit (Hrsg.): Wer betreut Deutschlands Kinder? DJI-Kinderbetreuungsstudie. Weinheim: Beltz Verlag, S. 216-235
Der Beitrag zeigt, dass die aktuelle Zeitgestaltung der institutionellen Betreuungsangebote in dreierlei Hinsicht einen zentralen Hemmschuh bzw. potenziellen Schlüssel zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt: Erstens generiert die Arbeitswelt über die Arbeitszeiten erwerbstätiger Eltern neue Betreuungsbedarfe, worauf die Kindertageseinrichtungen mit ihren gegenwärtigen Zeitangeboten erst zögerlich reagiert haben. Die dargestellten Befunde machen deutlich, dass für einen beträchtlichen Teil der Familien dadurch Zeitlücken entstehen: Die institutionell verfügbaren Betreuungszeiten decken die Bedarfe, die im Hinblick auf die Dauer wie Lage der Arbeitszeiten entstehen, nicht ab. Das Fehlen von Über-Mittag-Betreuung ist eine zentrale Zeitlücke und daher ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit erwerbstätiger Eltern mit den Öffnungszeiten der Kitas. Zweitens klaffen für die wachsende Zahl von Eltern, die zu atypischen, variablen Zeiten erwerbstätig sind, arbeitsmarktbedingte Zeitlücken: in Westdeutschland insbesondere am frühen Morgen (vor 7 Uhr) sowie am späten Nachmittag (nach 17 Uhr) und in Ostdeutschland am frühen Abend (nach 18 Uhr). Drittens verhindern – mit Blick auf Erwerbssuchende – bestehende Betreuungslücken eine gewollte Erwerbsbeteiligung von Eltern. Die nicht betreute Mittagszeit in Ganztagesarrangements ist auch hier ein zentraler Stolperstein für die Integration von Eltern in den Arbeitsmarkt, insbesondere in Agglomerationsräumen.
Wenn der Ausbau der Kindertagesbetreuung auch einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten soll, liegt ein zentraler Schlüssel gemäß der Befunde dieses Beitrags zum einen in der zeitlichen Überbrückung der Mittagslücke. Mit diesem vergleichsweise „kleinen Schritt“ wäre für erwerbstätige Eltern wie für solche, die auf den Arbeitsmarkt streben, schon viel gewonnen. Dies entspricht auch dem aktuellen Ausbautrend. Zum anderen bieten flexible Betreuungsangebote zu Tagesrandzeiten sowie die Möglichkeit der tage- oder stundenweisen Betreuung hier wichtige Ansatzpunkte.


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