Von der Kita bis zur Grundschule: Länder und Kommunen müssen vor allem in Westdeutschland mehr Plätze bereitstellen

Neue Ausgabe "Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe" (KomDat) erschienen

19. Januar 2021 -

Der anhaltende Platz- und Personalbedarf in der Kindertages- und Grundschulbetreuung steht im Mittelpunkt der aktuellen Doppelausgabe der „Kommentierten Daten der Kinder- und Jugendhilfe“ – kurz „KomDat“, die die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) gerade veröffentlicht hat. Ninja Olszenka und Dr. Melanie Böwing-Schmalenbrock analysieren im ersten Artikel die amtliche Kita-Statistik: Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Anzahl der Kinder in Kindertagesbetreuung sowie die des Personals und der Einrichtungen erneut deutlich gestiegen, allerdings gibt es beim Kita-Ausbau einen neuen Schwerpunkt: Nachdem lange vorrangig Plätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen wurden, stehen seit mittlerweile drei Jahren Angebote für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt im Fokus.

Bis 2025 ist der Bedarf an Krippenplätzen weit größer als das Angebot
Doch auch für Kinder in den ersten drei Lebensjahren fehlen weiterhin Angebote der frühen Bildung, Erziehung und Betreuung, vor allem in den westdeutschen Bundesländern. Welche Anstrengungen in den nächsten fünf Jahren nötig sind, um diese auszubauen, beschreiben Dr. Melanie Böwing-Schmalenbrock, Dr. Christiane Meiner-Teubner und Ninja Olszenka. Aufgrund der demografischen Entwicklungen und des steigenden Bedarfs der Eltern gebe es eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Deshalb seien bis zum Jahr 2025 voraussichtlich zwischen 462.000 und 630.000 zusätzliche Plätze erforderlich. Dieser Bedarf gehe zwar bis 2030 wieder zurück. Doch gerade die Plätze schnell und vorübergehend zu schaffen, werde eine enorme Herausforderung, schreiben die Autorinnen.

Mit der geplanten Einführung eines Rechtsanspruchs auf ein Ganztagsangebot in der Grundschule ab dem Jahr 2025 zeichnet sich eine zusätzliche bildungs- und familienpolitische Aufgabe ab. Katharina Kopp und Dr. Christiane Meiner-Teubner untersuchten die Strategien der Länder beim bisherigen Ausbau der Ganztagsangebote und stellen fest: Die Anzahl an Ganztagsgrundschulen ist weiter gestiegen, doch auch Horte sind in vielen Ländern nach wie vor eine feste Säule in der ganztägigen Betreuung von Grundschulkindern.

Ungeklärte Fragen beim Kinderschutz während der Pandemie
Weitere Beiträge der KomDat-Ausgabe 02+03/2020 befassen sich mit dem intervenierenden Kinderschutz in Form von Inobhutnahmen und Gefährdungseinschätzungen durch die Jugendämter. Die hierfür analysierten Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik zeigen zwar für die Zeit der Pandemie nicht die vielfach befürchtete Zunahme an Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, doch sehen Dr. Thomas Mühlmann und Dr. Jens Pothmann Hinweise darauf, dass vieles davon im Dunkeln geblieben sein könnte.

Im letzten Beitrag des Hefts widmen sich Dr. Jens Pothmann und Agathe Tabel gemeinsamen Wohnformen für alleinerziehende Mütter und Väter sowie ihre Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren. Dieses Angebot der stationären Kinder- und Jugendhilfe verfolgt das Ziel, Alleinerziehende dabei zu unterstützen, ihre Kinder zu versorgen und zu erziehen und die psychosoziale Entwicklung von Kindern und Eltern zu fördern. Vor dem Hintergrund, dass der Bedarf dieses Unterstützungsangebots offenbar steigt, plädieren die Autorin und der Autor dafür, Angebote und ihre Inanspruchnahme künftig im Rahmen der amtlichen Statistik zu erfassen, um sie besser sichtbar machen und weiterentwickeln zu können.

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik ist Teil des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund und wird gefördert vom Bundesfamilienministerium sowie vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund führt Forschungsprojekte zu den Themen Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung, Kooperation von Jugendhilfe und Schule, Familien und Frühe Hilfen, Kinder- und Jugendarbeit, Personal und Qualifikation sowie Freiwilliges Engagement durch. Zu den Aufgaben des Forschungsverbundes gehören wissenschaftsbasierte Dienstleistungen sowie die Beratung von Politik und Fachpraxis auf allen föderalen Ebenen.


Ausgabe 02+03/2020 des Magazins KomDat


Kontakt
Dr. Christiane Meiner-Teubner
Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
0231/755 – 8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de

Agathe Tabel
Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
0231/755 – 6583
agathe.tabel@tu-dortmund.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation, DJI
089/62306-173
hofele@dji.de