Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder

DJI-Direktor Thomas Rauschenbach befürwortet das Vorhaben des Bundes, einen verbindlichen Rechtsanspruch zu verabschieden vor dem Familienausschuss des Bundestags und plädiert für einen anschließenden Qualitätsdialog

31. Mai 2021 -

Kinder im Grundschulalter sollen ein Recht auf ganztägige Bildung, Betreuung und Erziehung erhalten. Das sieht ein Gesetzesentwurf der Regierungskoalition vor, über den am Montag, den 31. Mai, der Familienausschuss des Bundestags diskutierte. DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, der als Experte geladen war, begrüßt das Vorhaben des Bundes, weil er „Verbindlichkeit und eine planbare Perspektive“ für alle Beteiligten schaffe. Aus Sicht der Eltern sei zwar bedauerlich, dass der Rechtsanspruch erst am Ende des Jahrzehnts für alle vier Klassenstufen der Grundschule umgesetzt werde. Wichtiger sei jedoch, dass er komme. „Eine Verabschiedung des Gesetzes in dieser Legislaturperiode ist sehr zu befürworten“, sagte Rauschenbach. Der Rechtsanspruch soll erstmals für Kinder gelten, die im Jahr 2026 eingeschult werden und dann schrittweise auf alle Grundschulkinder ausgedehnt werden. Ursprünglich geplant war der vollumfängliche Rechtsanspruch gemäß Koalitionsvertrag bereits für das Jahr 2025.

Grundschulkinder sollen an fünf Tagen pro Woche acht Stunden Anrecht auf Betreuung haben – mit Ausnahme von vier Wochen auch während der Schulferien. Diesen zeitlichen Umfang im Gesetz festzuschreiben, hält Rauschenbach für sinnvoll, der gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund eine Stellungnahme zu dem Gesetzesentwurf verfasst hat. Gleichwohl seien unter anderem in Bezug auf die Ferien noch viele Punkte ungeklärt. Sehr zu begrüßen sei auch, dass der Bund zunächst 3,5 Milliarden Euro für Investitionen bereitstellen und sich von 2026 an verbindlich an den laufenden Betriebskosten beteiligen will. „Allerdings sollten die Länder ebenfalls konkret ihre anteilige Kostenübernahme ausweisen, um die Kommunen zu entlasten“, forderte Rauschenbach.

Mit der bundesgesetzlichen Verankerung des Rechtsanspruchs und den Finanzierungszusagen des Bundes ist das Ziel verbunden, die Teilhabechancen für Kinder zu verbessern und Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichern. Ob Familien ein ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot für ihr Grundschulkind zur Verfügung steht, ist derzeit noch stark vom Wohnort abhängig, da der Ausbau der Plätze unterschiedlich weit vorangeschritten ist. Wie viele Plätze nach aktuellem Stand für die Realisierung des Rechtsanspruchs benötigt werden, berechnet gerade der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund.

Um den bedarfsgerechten Ausbau an Ganztagsplätzen für Grundschulkinder gut umzusetzen, schlägt Rauschenbach vor, bis zum Inkrafttreten des Rechtsanspruchs einen Dialog darüber zu führen, welche Qualitätsstandards in Hort, Ganztagsschule und anderen Angeboten, wie etwa der Übermittagsbetreuung, machbar sind. Zu denken sei beispielsweise an Personalschlüssel, die Mindestqualifikation des Personals und pädagogische Konzepte. Dies erfordere künftig eine auch von Seiten des Bundes in Angriff genommene bessere Datenerfassung und -aufbereitung, betonte Rauschenbach. „Aktuell fehlt solides Wissen darüber, wie viele Ganztagsplätze für Grundschulkinder es bereits gibt und welches Personal in den Ganztagsgrundschulen arbeitet“.

Über den Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung, Betreuung und Erziehung im Grundschulalter stimmt der Bundestag am 11. Juni und der Bundesrat voraussichtlich am 25. Juni ab.

 

Website des Deutschen Bundestags zum Ganztagsförderungsgesetz
Stellungnahme des DJI zum Entwurf eines Gesetzes zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter (Ganztagsförderungsgesetz – GaFöG), 26. Mai 2021

DJI-Kinderbetreuungsstudie 2020 (KIBS): Der Betreuungsbedarf bei
Grundschulkindern

Kostenkalkulation für die „Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern“
Ausgabe 2/2019 des Forschungsmagazins DJI Impulse „Recht auf einen Ganztagsplatz – Potenziale des geplanten Rechtsanspruchs im Grundschulalter“
Weitere Beiträge zum Thema Ganztagsschule

 

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, DJI-Direktor
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Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
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