Sprachbarrieren überwinden

Neue Praxis-Broschüre unterstützt Fachkräfte der Frühen Hilfen dabei, einfach zu erklären, was eine „Schweigepflichtentbindung“ ist

26. Januar 2021 -

Fachkräfte der Frühen Hilfen müssen Eltern umfassend darüber aufklären, was eine Schweigepflichtentbindung bedeutet, auch wenn diese noch kaum Deutsch sprechen. Mit dieser Problematik beschäftigte sich das Team „Frühe Hilfen und Migration“ in der Abteilung Familie und Familienpolitik des Deutschen Jugendinstituts. Heraus kam eine Arbeitshilfe für die Praxis.

Befinden sich Familien in der Schwangerschaft oder mit ihrem Kind in einer belastenden Lebenssituation, unterstützen die Frühe Hilfen. Eine wichtige Voraussetzung für eine bestmögliche Unterstützung ist, dass Fachkräfte und Beratungsstellen vertrauliche Informationen austauschen dürfen. Betroffene Eltern müssen sie hierfür von deren Schweigepflicht entbinden. Sprechen die Eltern kein oder wenig Deutsch, sind sie sich der weiterreichenden Folgen dieser Schweigepflichtentbindung möglicherweise nicht bewusst. Mit einfachen Schaubildern, wichtigen rechtlichen Hinweisen und Tipps aus der Arbeitspraxis erleichtert die neue Arbeitshilfe „Schweigepflichtentbindung kommunizieren – Sprachbarrieren überwinden“ die Kommunikation und die Aufklärung der Eltern.

Formulare in verschiedenen Sprachen, um die Akteure der Frühen Hilfen von ihrer Schweigepflicht zu entbinden, gibt es bereits. „Als viele geflüchtete Familien nach Deutschland kamen wurde allerdings klar: Um eine Schweigepflichtentbindung einzuholen, reicht das bloße Vorlegen eines Formulars nicht aus, selbst wenn es in der Muttersprache verfasst ist“, erklärt die wissenschaftliche Referentin Dr. Brigitte Schnock, die gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Teams „Frühe Hilfen und Migration“ des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) am Deutschen Jugendinstitut (DJI) die neue Arbeitshilfe für die Praxis entwickelte.

 

Fachkräfte in Entwicklung der Arbeitshilfe stark eingebunden

Die Materialien sollen etwa Familienhebammen, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger oder Mitarbeitende in Beratungsstellen bei deren Arbeit unterstützen. Daher bezogen die Forscherinnen und Forscher des DJI vor allem Fachkräfte, Dolmetscher und Ehrenamtliche mit eigenem Migrationshintergrund und Erfahrungen von Sprachbarrieren in die Entwicklung mit ein. „Sie konnten uns viel dazu sagen, wie das Thema Schweigepflichtentbindung kultur- und migrationssensibel vermittelt werden kann. Sie erklärten uns auch, welche Hemmnisse und Hindernisse in der Verständigung und beim Verständnis existieren oder welche kommunikativen Strategien sich besonders bewährt haben. Wir haben viel Neues, viel Unerwartetes erfahren“, erläutert Schnock. Um die Arbeitshilfe in der Praxis zu testen, erprobten deutschsprachige Fachkräfte die Materialien in ihrer Arbeit mit Menschen ohne Deutschkenntnisse. Sie gaben wertvolle Rückmeldungen, um die Materialien praxistauglich zu gestalten.

Etwa sei es eine Idee der Fachkräfte gewesen, Formulierungshilfen in einfacher Sprache mitzuliefern, die etwa erklären, was das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bedeutet, welche Konsequenz eine Schweigepflichtentbindung hat oder wie man sie widerrufen kann.

 

Weitere Projekte mit Fokus auf leicht verständliche Sprache geplant

Die Broschüre „Schweigepflichtentbindung kommunizieren – Sprachbarrieren überwinden“ kann über die Website des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen bestellt werden. Praktische Anregungen, Schaubilder und Formulierungshilfen ergänzen die Broschüre in Form von Kopiervorlagen. Eine vierseitige Kurzfassung enthält knapp und übersichtlich die wichtigsten Empfehlungen und Impulse.

Die Erfahrungen im Umgang mit leicht verständlicher Sprache zur Verbesserung von Kommunikation, die das Team „Frühe Hilfen und Migration“ bei der Erstellung der Arbeitshilfe machte, sollen in Zukunft in die Bearbeitung weiterer Themen einfließen. Geplant ist ein Projekt zur adressatenorientierten Kommunikation in den Frühen Hilfen, die die Fachkräfte – auch jenseits der Kommunikation rund um die Schweigepflichtentbindung - dabei unterstützt, Familien bei Sprachbarrieren gut zu begleiten und zu beraten.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) wird getragen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut. Es wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

 

Broschüre hier kostenlos bestellenNationales Zentrum Frühe Hilfen

 

Kontakt
Dr. Brigitte Schnock
Fachgruppe Frühe Hilfen
Natoinales Zentrum Frühe Hilfe/DJI
089/62306-352
schnock@dji.de


Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-397
mkern@dji.de